Montag, 25. Juni 2018

Die Insel der Ahnungslosen

Blick auf das Naturdenkmal und Wahrzeichen der Insel Rügen
Ein Beitrag von Klaus Ender
 
So wurde die Insel Rügen genannt, weil sie von den westlichen TV-Sendern abgeschnitten war und die Insulaner demokratische Spielregeln nicht kannten. Das scheint bis heute so geblieben zu sein, weil das Stadt-Parlament ein Volksbegehren gegen die Errichtung eines Protzbaues auf dem Areal des Königsstuhls verhindern will.

Den Befürwortern dieses 7 Millionen - Baues, der sich innerhalb eines Nationalparks befindet - in dem der Besucher für das Pflücken eines Blümchens oder das Betreten abseits des Weges - hart bestraft wird, dürfen nun das barbarische Objekt - auf - und über dem Königsstuhl errichten. Der ganze Stolz, der den Saßnitzern, Rüganern und Touristen in jedem Rügen-Prospekt eingebläut wurde, dass wir uns einen unwiderbringlichen Naturschatz - den Nationalpark leisten können, in dem nur die Natur das Sagen hat, zählt nicht mehr?

Den Befürwortern fällt nichts Besseres ein, als "zu glauben" , dass dieser Bau von der Mehrheit der Bevölkerung "gewünscht" wird? Dann sollten sie eine Volksbefragung durchführen! Mit unsauberen und zutiefst undemokratischen Mitteln haben die Befürworter die Bevölkerung ausgegrenzt, die nötigen Genehmigungen für den Bau eingeholt - und wieder Fördergelder eingefordert - und bekommen.

Die Stadt - die weder das Geländer auf den Findling "Klein - Helgoland" reparieren kann, noch seine Seebrücke erneuern kann - will dieses hoch-moderne Königsstuhl-Monster verwalten? Ach ja, da gibt es ja noch den dämlichen Steuerzahler und Fördergelder, durch die sich gut leben lässt.

Mit Verdrehungen, überhöhten Kosten, weil sie die bisherige Treppe nicht reparieren wollen, wird ein "alternativloser" Monster-Bau propagiert. Nie kam es zu einer Klärung, warum man die Entwässerung des Nationalparks eingestellt hat, so dass viele Buchen im schlammigen Kreide-Untergrund den Halt verloren und umfielen.

Warum man (in einem Nationalpark) die Kronen der Buchen mit "Sprengungen" köpfte, warum man 2017 Hunderte Buchen fällte, die z.T. jetzt noch herum liegen. Warum jeder - noch so kleine Weg von neben ihm stehenden Bäumen "aus Sicherheitsgründen für die Bevölkerung" befreit wird? Begreifen die Befürworter nicht, dass der Königsstuhl aufs Äußerste bedroht ist, wenn auf diesem schlammigen Untergrund 60 Meter tief, die Stützen, die das Fundament tragen eingerammt werden? Wer ahnt oder berechnet die unzähligen Risse, die in der Kreide entstehen, sich voll Wasser saugen - und jederzeit als Mure abgehen können ?

Schon jetzt steht fest, dass in dieser Millionen-Hau-ruck-Aktion "mindestens" 27 herrliche - und 150-jährige Buchen fallen werden. Die dann wirklich relevante Zahl erfährt niemand. Und das "im Nationalpark" und "Weltkultur-Erbe-Areal"! Als Fazit  kann man nur noch sagen, dass der Nationalpark Jasmund und seine Anerkennung als Weltkultur-Erbe "Augenwischerei" sind. Mit renommierten Namen wird Schindluder betrieben.

Unter dem Motto: "na, wenn DBU, UNESCO, WWF und BUND mit im Spiel sind, kann es nur was Gutes sein", werden schwere Umweltschäden (s.a. "Politik und DBU auf dem Holzweg") verursacht, Prestige-Projekte in National-Parks gebaut - und die Bevölkerung für dumm verkauft. Für all diese Gefahren, die auch das Ende des Königsstuhls sein können, verschwendet man 7 Millionen Euro! "Der Fall Königsstuhl" ist ein Skandal, der eines "demokratischen Landes" unwürdig ist. Es ist auch das Ergebnis, einer falschen Politik und eines falschen Umganges mit der Natur. 

Ausgerechnet Deutschland, das sich "offiziell" so sehr für die Natur einsetzt, wird ständig wegen seines Nicht-Tuns vom Europa-Parlament kritisiert. Ach ja, der Fisches stinkt ja immer vom Kopf her...

Dass nun auch das WWF involviert ist, macht es zu einem noch größeren Skandal! Die Verfilzung aller Bereiche, verhindert es, die Verantwortlichen zur  Kasse zu bitten, Lehren daraus zu ziehen und Gelder nicht zu verschwenden. Dass das ganze Projekt eine Prestige-Frage ist - weil sich einige Involvierte ein Denkmal schaffen wollen - und weil sie sich von den absurden Eintrittsgeldern, die dieses Brückenmonster dann kosten wird - einen schönen Batzen erhoffen, kann solch ein Bauwerk mit undemokratischsten Mitteln durchgeboxt werden.

Die Tatsache, dass hunderttausenden Touristen ein herrlicher Wanderweg zum Königsstuhl verwehrt wird;  an dem nie Eintritt bezahlt wurde, und jetzt ein super-modernes Millionen-Bauwerk hingestellt wird, ist zutiefst "asozial". Ich schätze, dass sich das Eintrittsgeld nahe am 20,- Euros- Betrag liegen wird. Horrende Zahlen - wenn man die Zukunftsängste der Bevölkerung dagegen hält und ein Schock für alle Hartz 4 - Empfänger. "Ein Königsstuhl für Kapitalisten, Adel, Industrie-Barone und Banker, wo sie dann "unter sich" sind?" Das "Otto-Haus" - dem eine urige Waldgaststätte weichen musste, als Symbol für "West-Namensgebungen?"

Aber dann ist es zu spät für alle - nicht nur auf der Insel der Ahnungslosen!

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(Die von den einzelnen Autoren veröffentlichten Texte, Leserbriefe und Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder)