Mittwoch, 20. Juni 2018

Heimatkunde: Unser Apostel Otto von Bamberg


Ein Gastbeitrag von Ulrich Moys

Es ist schon erschreckend, wenn lokale Medien sich nicht mal des 15. Junis 1168 - dem Fall der Feste Arkun und damit der Christianisierung Rügens - erinnern. Ähnlich ist es leider um den pommerschen Apostel Otto von Bamberg bestellt.

Wenigstens die Pommersche Evangelische Kirche (heute der Pommersche Evangelische Kirchenkreis) hält heute noch das Gedenken an Otto von Bamberg hoch. Man kann dabei zur Kirche und zum christlichen Glauben stehen, wie man will. Tatsache ist, dass die Christianisierung tiefgreifende Veränderungen in unseren pommerschen Landesteilen dies und jenseits der Oder, dem "Land am Meer", mitsichbrachte.
Darstellung auf dem Glockenmantel der Ottoglocke des Stettiner Ottostifts
Um es vorweg zu nehmen: Niemand kann heute mehr sagen, wann Otto von Bamberg geboren wurde. Allgemein gilt, dass er um 1060 das Licht der Welt erblickte. Auch über seinen Weg zum Christentum und seine Ausbildung ist wenig bekannt. In den Geschichtsbüchern wird er heute u.a. mit dem Bau des Domes zu Speyer in Verbindung gebracht. Aber wie wurde er zum pommerschen Apostel?

Viele haben versucht unsere Vorfahren zum Christentum zu bekehren. Das wir etwas stur sind, ist ja allgemein bekannt. Auch, dass wir gerne an Dingen festhalten. So wird es wohl auch damals gewesen sein: Nur schwerlich wollte man sich von den alten Götzen lösen. Zu denen, die den Versuch unternahmen, zählte u.a. ein spanischer Bischoff Bernhard, aber eben auch besagter Otto von Bamberg. Der bereiste dazu zweimal unsere pommersche Heimat - von 1124 bis 1125 und 1128; also vor nun mehr 890 Jahren. Und im Gegensatz zu allen anderen hatte er Erfolg!

Eine der Darstellungen aus dem Leben von Otto v. Bamberg in der Demminer Ausstellung
So begann er und seine Mitstreiter, die mit Äxten und Lanzen bewaffnet gewesen sein sollen, die heiligen Stätten niederzureißen. Als nun unsere Vorfahren sahen, dass sich die Götzen nicht dagegen wehrten, schlossen sie sich - so die Überlieferung - dem Angriff auf die heiligen Stätten an. Später taufte Otto von Bamberg sie und klagte die heidnischen Bräuche, wie die Vielweiberei (die sich ja zunächst noch hielten), an. Otto von Bamberg, der 1189 sogar heilig gesprochen wurde, wird seit jener Zeit bei uns verehrt. 40 Jahre nach seiner letzten Mission fiel dann auch die schon angesprochene Festung Arkun auf Rügen.

Anzumerken sei an dieser Stelle, dass Otto von Bamberg, der ja 1128 während seiner Missionsreise bereits auf Usedom weilte, wenig Lust verspürte einen Abstecher nach Rügen zu machen. Das hatte seinen Grund, denn zu jener Zeit galten die Ranen, wie die damaligen Inselbewohner genannt wurden, als furchtbare Heiden. Lediglich der Mönch Udalrich machte einen Versuch zum Apostel der Ranen zu werden. Vielleicht war es das Glück eines Glaubensboten, dass ein furchtbarer Sturm ihn zurück an die pommersche Küste trieb und er durchnässt bis auf die Haut und sturmzerzaust wieder die Insel Usedom betrat. So jedenfalls berichtete es Otto Wendler in der "Geschichte Rügens" (1895)

Karte zu den beiden Missionsreisen Otto von Bamberg, die ihn nach Pommern führten
Im Jahre 2003, dem 875. Jubiläum der zweiten Missionsreise des Pommernapostels hat die Pommersche Evangelische Kirche, der Kirchenkreis Demmin und die Kirchengemeinde Demmin die Einrichtung der Ausstellung "Bischof Otto I. von Bamberg - Reformer-Apostel der Pommern-Heiliger (um 1060-30.06.1139)" beschlossen. Ziel war es, das Leben, das Wirken und die Bedeutung des Bamberger Bischofs darzustellen.

Die dabei gezeigten Bilder, der auch heute noch in der Pfarrkirche "St. Bartholomaei" gezeigten Ausstellung, sind Reproduktionen der Tafelbilder aus der Benediktiner-Klosterkirche St. Michaelis in Bamberg, die nach 1600 gemalt wurden. Außerdem erhielt man den ehemaligen Taufstein aus der Hospitalkirche St. Spiritus in Demmin als Leihgabe des Demminer Kreisheimatmuseums für die Schau.

Blick vom Luisentor zur weit über die Stadt sichtbaren Pfarrkirche "St. Bartolomaei"
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