Donnerstag, 7. Juni 2018

Heimatkunde: Unser Wappen & unsere Flagge

So ist die pommersche Flagge sicher vielen bekannt
Ein Gastbeitrag von Ulrich Moys

Wer seine Kinder fragt, warum denn eigentlich ein Greif das Wappen und die Fahne unseres Landes ziert, wird darauf wohl kaum eine befriedigende Antwort bekommen. Grund genug, um etwas in die Geschichte einzutauchen und sich mit der Entstehung der pommerschen Flagge zu beschäftigen.

Der in der Flagge befindliche Greif hat dabei einen klaren Bezug zu den Greifen, jener Dynastie pommerscher Herzöge, die schon den schreitenden Greif auf ihrem Schild führten. Er ist nach alten Überlieferungen im 12. Jahrhundert erstmals auf einem Siegel des pommerschen Herzogs Kasimir I. abgebildet worden. Allerdings fanden sich auch bei der Restaurierung der Kirche in Behrenhoff Wappendarstellungen der pommerschen Greifenherzöge.

Die Greifen
Hatten zunächst nur andere den Begriff der "Greifen" für die pommerschen Herzöge geprägt, so nahmen sie diese seit dem 15. Jahrhundert auch selbst an. Als ältester bekannter Vertreter dieser pommerschen Herrscherdynastie gilt übrigens Wartislaw I. (*um 1100-†1148). 1295 erfolgte allerdings die Teilung des Greifen-Hauses in die Linien Stettin und Wolgast. Auch das Wolgaster Herzoghaus spaltete sich nochmals in eine vor- und hinterpommersche Linie auf. Bei der letztgenanten Linie muss allerdings auch ihr bekanntester Vertreter des Greifen-Hauses erwähnt werden: Erich von Pommern, der von 1412 bis 1439 alleiniger König der Kalmarer Union, also von Dänemark, Norwegen und Schweden war.

Die Zersplitterung des Greifen-Hauses, die sich bei der vorpommerschen Linie mit den Linien Barth-Rügen und Wolgast fortsetzte, schwächte lange Zeit das Land. Erst mit Bogislaus XIV. (1580-1637) gelang es wieder die Einheit des pommerschen Herzogtums unter einem Greifen herzustellen. Allerdings starb mit ihm auch schon das Geschlecht der pommerschen Herzöge aus.

Die Teilungen - nun zwischen der Schutzmacht Schweden und Brandenburg (die einen Anspruch aus dem "Vertrag von Grimnitz" ableiteten) - setzten sich in Vorpommern (Schwedisch-Pommern) und Hinterpommern (zu Brandenburg) fort und fanden erst mit der Einheit der pommerschen Provinz unter Preußen (bedingt durch die Hohenzollern / Brandenburg) nach dem Wiener Kongress 1815 ihren Abschluß. 

Das pommersche Herzogswappen
Das Wappen der pommerschen Herzöge
Am 26. August 1529 wurde der Vertrag von Grimnitz geschlossen. Damit wurden die Auseinandersetzung zwischen den Geschlechtern der Greifen und Hohenzollern durch die Festlegung des legalen Status und die Erbfolge im pommerschen Herzogtum beigelegt. Er bestätigte und erweiterte den Vertrag von Pyritz im Jahre 1493. Festegelegt wurde, dass die Reichunmittelbarkeit des pommerschen Herzogtums anerkannt wurde und im Falle des Aussterbens des Greifengeschlechts die Brandenburgischen Markgrafen in die Erbfolge eintreten. Dem folgte auch das politische Handeln Brandenburgs und später Preußens unter den Hohenzollern. Heute zeugen noch heute die sogenannten "Preußensäulen" von dem jahrhundertelangen Bemühen um die Erfüllung des Vertrages von Grimnitz.

Das pommersche Herzogswappen untergliedert sich demnach von oben nach unten: 1. Reihe v.l.n.r. Wappen des Herzogtums Stettin, Wappen der Wenden, Wappen von Barth / 2. Reihe v.l.n.r. Wappen des Herzogtum Pommern, Wappen des Fürstentum Rügen, Grafschaft Gützkow / 3. Reihe: Wappen des Herzogtum Wolgast, Wappen von Usedom (zugleich Land Schlawe), Land Bernstein.

Das pommersche Wappen
Das 1881 festgelegte Wappen der pommerschen Provinz nahm Anleihen mit historischem Bezug. So wurde der goldbewehrte rote Greif auf silbernem Feld zum Wappen. Zunächst wurde das Wappen noch mit Schildhalter und Helm, letztlich aber nur noch der der Greif als Wappentier genutzt.
Wappen der Provinz Pommern um 1881
Die pommerschen Farben
Die pommersche Flagge mit ihren beiden Farben Hellblau / Weiß wird immer wieder in Bezug gesetzt mit den blau-weißen Uniformen der pommerschen Landwehr. Festgesetzt wurde die pommerschen Farben aber letztlich erst durch eine Kabinettsorder vom 22. Oktober 1882. Seither ist sowohl das ins Dunkele tendierende Preußischblau / Weiß als auch das Hellbau / Weiß in Verbindung mit dem pommerschen Wappentier, dem roten Greifen, in der Verwendung üblich.

Weitere Beiträge zur Heimatkunde: