Samstag, 16. Juni 2018

Söderblom-Haus: Was sagt die Kirche?


Das abgebrannte Soederblom-Haus am heutigen Sonntag: Kellergeschoss und Giebelwände trotzten dem Feuer
Sassnitz / Stralsund (PA). Wie uns in einer Pressemitteilung des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK) bekannt gemacht wurde, reagierte die Pröpstin Helga Ruch bestürzt auf die Nachricht vom Brand im Söderblom-Haus in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag. „Das ist ein schwerer Schlag für die Gemeinde“, so Helga Ruch. „Wir schließen die Gemeindemitglieder in unsere Gebete ein.“ 

Gleichzeitig versicherte sie, dass der Pommersche Evangelische Kirchenkreis (PEK) die Gemeinde bei der Bewältigung des tragischen Ereignisses begleiten werde. Die Stralsunder Außenstelle des Kirchenkreisamts wurde bereits gestern Vormittag - Freitag, den 15. Juni 2018 - informiert, um beispielsweise in Fragen der Versicherung der Kirchengemeinde zur Seite zu stehen. Am kommenden Montag, den 18. Juni 2018, wird der Kirchengemeinderat im Beisein der Pröpstin über die Situation beraten.

Aktuell gibt es noch keine offiziellen Stellungnahmen zur Brandursache. Die Schätzung des Sachschadens, der in verschiedenen Medien mit geschätzten 200.000,- Euro bekanntgegeben wurde, wird vom Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis (PEK) nicht geteilt. Hier wird von einem weitaus höheren Schaden ausgegangen. Allerdings muss die dazu abschliessende Kosteschätzung abgewartet werden. Die Räumlichkeiten im Söderblomhaus sollen z.T. leer geräumt gewesen sein; die Kindertagesstätte hatte wegen Arbeiten am Haus ein Ausweichquartier bezogen.

Das Söderblom-Haus ist von besonderer Bedeutung, da es sich dabei um einen Sonderbau innerhalb des Kirchenbauprogramms zur Errichtung evangelischer Notkirchen (Bartning-Notkirchen) nach dem zweiten Weltkrieg handelt. Bedingt durch die Flüchtlinge und Vertriebenen, die aus Hinterpommern, Ost- und Westpreußen, Schlesien sowie dem Sudetenland kamen, gab es einen Mangel an Räumen in denen Gottesdienste durchgeführt werden konnten - auch auf der Insel Rügen! Die Bartnig-Notkirchen - benannt nach dem Architekten Otto Bartning - sollten durch schnelle und einfache Mittel Abhilfe schaffen. Das Söderblom-Haus wurde 1952 im Rahmen des II. Notkirchenprogramms als Kirchhaus (Saal und Pfarrhaus) errichtet. Während das Fundament u.a. mit Steinen des gesprengten Schlosses Dwasieden gegründet worden sein soll und auch das Gartengeschoss und der Giebel massiv erbaut wurden, erhielt das Erdgeschoß eine Fachwerk- und Dachbinderkonstruktion aus Holz. 

Otto Bartning (1883-1959)
Otto Bartning (1883-1959) war ein deutscher Architekt und Architekturtheoretiker. Er war ab 1912 Mitglied im Deutschen Werkbund, war einer der Ideengeber zur Bauhaus-Kunstschule und begründete die Architektenvereinigung "Der Ring". Die meisten noch vorhandenen Gebäude, die nach Bartnings Plänen errichtet wurden, stehen heute unter Denkmalschutz. Die Otto-Bartning-Arbeitsgemeinschaft Kirchenbau e.V. hat eine Welterbe-Initiative gestartet, die zum Ziel hat, die "Notkirchen" zum Weltkulturerbe zu erklären, da sie aus Sicht des Vereins eine herausragende architektur-, kultur- und kirchengeschichtliche Bedeutung haben.