Freitag, 8. Juni 2018

Stettiner Schloß: Wie weiter nach der Katastrophe?

Rechter Hand: Die Abfangkonstruktion aus den Stahlträgern
Stettin (PA). Der Schock saß tief, als im Mai 2017 gleich mehrere Deckenpfeiler im Nordteil des Stettiner Schlosses eingestürzt waren. Seither ist nichts mehr wie es war und nach den Ursachen wird immer noch gesucht; mittlerweile seit über 12 Monaten.

Der markante Uhrenturm: Man achte auf die Augen
Wer derzeit die ehemalige Residenz der pommerschen Herzöge in der alten Landeshauptstadt Stettin besucht, erkennt schnell, dass hier noch einiges aufzuarbeiten ist. Was die Ursachen der Katastrophe betrifft, gibt es auch gleich mehrere Möglichkeiten, die präsentiert werden. Allerdings will man keine so recht als "die" Ursache ausgeben.

Fakt ist, dass es bereits kurz vor der Katastrophe im Nordflügel zu Rißbildungen kam, gleiches gab es vom Westflügel zu berichten. Beides lässt auf Probleme im Baugrund schließen, die weit über einmalige Setzungen hinaus gingen. Was nach dem Zusammenbruch der Deckenpfeiler folgte, dürfte auch für die Baufachleute eine Herausforderung geweesen sein, denn schließlich war die Unfallstelle eigentlich nicht zu betreten, dennoch: Sie musste beräumt werden!

Neu im Innenhof: Das Miniatur-Schloß der pommerschen Herzöge
An den Schwierigkeiten dieser Arbeiten nahmen gleich mehrere lokale Medien Anteil, schließlich ist das Stettiner Schloß eines der Magneten für den Tourismus. So wurde u.a. berichtet, dass das für die Pfeiler verwendete Material in einem zeitaufwendigen Prozess in Scheiben geschnitten wurde, um überhaupt einen Abtransport ermöglichen zu können. Immerhin hätten auch die so geborgenen Einzelteile noch ein Eigengewicht von etwa 100 Kilogramm auf die Waage gebracht.

Um die Außenfassade und die darüber abgeleiteten Lasten abzufangen, wurde zudem eine eigens dafür angefertigte Stahlkonstruktion installiert, die auch die Wand arritiert. Dies ist auch für die Besucher eines der sichtbarsten Zeichen, das hier noch viel Arbeit zu verrichten ist. Und auch innen ist das offensichtlich, denn hier fangen Träger die Decken der Räume ab, um diesen wieder halt zu geben. Begleitet werden alle bisher eingeleiteten Maßnahmen durch parallele Messungen, die auch rechtzeitig Hinweise auf mögliche Gefahren geben können.

Der Turm reckt sich über die Dächer des Schloßes hinaus und ermöglicht einen weiten Blick über Stettin
Wann das Schloß der Herzöge, dass der pommersche Herzog Barnim III. 1346 auf dem alten wendischen Burgwall errichten ließ, wieder vollständig begehbar ist, bleibt abzuwarten. Damals entstand gleich daneben die Kirche St. Otto als herzogliche Begräbniskirche. Diesen Bau erweiterte dann der pommersche Herzog Bogislaw X. im Jahre 1503 um den Südflügel mit dem markanten Uhrenturm. 1538 ließ dann Barnim IX. den langen Ostflügels auf der Oderseite errichten. Der im Interesse der Öffentlichkeit nun stehende Nord- und Westflügel wurde dagegen erst 1577 im Auftrage des pommerschen Herzog Johann Friedrich gebaut. Hier befindet sich auch die Schloßkirche; die einst älteste protestantische Kirche. Den wohl jüngsten Gebäudeteil stellt der "Philippsbau"dar. Ihn hatte der pommersche Herzog Philipp errichten lassen, um seiner großen Kunstsammlung eine Heimstätte zu geben. Die baulichen Arbeiten kamen auch am Stettiner Schloß nie wirklich zum Stillstand. 1945 brannte das Schloß der pommerschen Herzöge dann aus.

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Stettiner Schloß

Wie sich um Deine Mauern Rosen ranken,
so seh´n wir wieder Dich in Traumgedanken.
Des Parks Blütenhauch, des Himmels Blau
umgeben deine Türme alt und grau.

Du blicktest ernst auf Stadt und Strom hernieder,
die Glocke tönt im Stundenschlage wieder,
hallt über Dächer, träumerisch und schwer,
und Schwalben schwirren um die Zinnen her.

Verlorene Weisen aus vergangenen Tagen
singt eine Orgel, wie verklungene Sagen.
Die Augen (Zeiger) dreht im Turm die alte Uhr
und mißt bedächtig rascher Zeiten Spur -. 

Fritz Dittmer

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Nach dem Krieg orientierte man sich beim Wiederaufbau des Ostflügels an den Renaissanceformen vor 1677. Außerdem nahm der "Bogislawbau" ein Theater als Spielstätte auf, während man den Nordflügel zu Repräsentationszwecken nutzte. Dies erklärt auch, weshalb die Ausstellung "Schlösser und Herrenhäuser in Pommern" nicht 2017 nach Anklam kam. Zwar war bei dem Zusammenbruch der Deckenpfeiler keines der Exponate beschädigt worden, doch ein Transport war nicht denkbar, da zunächst niemand die Räumlichkeiten nach der Katastrophe betreten durfte.

Der Blick von der Oderseite: Hier deutet zunächst nichts auf die Katastropphe und die Baustelle hin
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Aus der Reportage-Reihe "Dies- und jenseits der Oder": 
"470 km Schnellstraßen & Autobahn-Kilometer" (15. Juni 2018) / "Stettiner Schloß: Wie weiter nach der Katastrophe?" (08. Juni 2018) / Seetage und Sail Stettin (01. Juni 2018) / Gute Nachrichten: Die Bahn kommt! (25. Mai 2018)