Donnerstag, 26. Juli 2018

Dietrich Bonhoeffer in Pommern


Dietrich Bonhoeffer mit Schülern (Foto: Bundesarchiv CC BY-SA 3.0)
Schaprode / Gingst (PA).  Zu den interessanten Vorträgen, die in diesem Sommer auf Rügen gehalten werden, zählt ganz sicher der Vortrag "Dietrich Bonhoeffer in Pommern" von Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit (Pommerscher Evangelischer Kirchenkreis). Dieser findet u.a. am 15. August 2018 in Schaprode und am 23. August 2018 in Gingst statt. Bonhoeffer, der zu den bedeutendsten deutschen Theologen gehörte und ein charismatischer Netzwerker war, verbrachte einen wesentlichen Teil seiner letzten Lebensjahre, die vom Nationalsozialismus geprägt waren, in Pommern.

Dabei nahm er ab April 1933 mit dem Aufsatz "Die Kirche und die Judenfrage" öffentlich Stellung gegen die Regierung und engagierte sich im Kulturkampf gegen die Deutschen Christen, die als Strömung des deutschen Protestantismus eine Angleichung an den Nationalsozialismus anstrebte. Auch wandte er sich gegen die Gleischaltungspolitik, die darauf abzielte den Rechtsstaat abzuschaffen, und warf die Frage auf, wann ein direktes kirchliches Widerstandsrecht gegen den Staat gegeben sei.

Nachdem er zunächst eine Auslandspfarrstelle in London wahrnahm, kehrte er im April 1935 nach Deutschland zurück und übernahm für die Bekennende Kirche die Ausbildung angehender Pastoren. Sie fanden vorerst in der kirchlichen Einrichtung "Zingsthof" in Zingst statt, ab Juni 1935 dann in Finkenwalde bei Stettin. Das vom nationalsozialistischen Staat geschlossene Predigerseminar, wurde dabei illegal weitergeführt. So war es Bönhoeffer möglich, die Vikare der Bekennenden Kirche nachhaltig zu prägen. Zu seinem engsten Umfeld zählten darüber hinaus viele Persönlichkeiten aus alten pommerschen Familien. 

Daneben ergaben sich Kontakte zu Wilhelm Canaris, Hans Oster, Karl Sack und Ludwig Beck. Sie mündeten letztlich in einen Widerstand gegen den Nationalsozialismus, der zu Anschlägen auf Adolf Hitler führten, allerdings alle fehlschlugen. Durch eine Inhaftierung wegen "Wehrkraftzersetzung" im April 1943 ließ sich keine direkte Mitwirkung an dem Attentat Claus Schenk Graf von Stauffenbergs an Adolf Hitler am 20. Juli 1944 nachweisen. Jedoch hatte ein Zufallsfund der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in einem Zossener Wehrmachtsbunker nun Dokumente zu den Umsturzversuchen zu Tage gefördert, die zu einer Beweislage gegen die Gruppe von Boenhoeffer, Canaris, Oster, Sack und von Dohnanyi führten. In einer Gerichtsverhandlung im April 1945 wurden die Mitglieder dieser Gruppe zum Tod durch den Strang verurteilt. Am Morgen des 9. Aprils 1945 wurde das Urteil vollstreckt. Bonhoeffer selbst nahm die Konsequenz aus seinem Widerstand an - siehe dazu auch: "Wer das Schwert nimmt, kann (wird) durch das Schwert umkommen." (Mt. 26, 52)  Dennoch glaubte er sich "Von guten Mächten treu und still umgeben..."

Die Termine für die nächsten Vorträge zu "Dietrich Bonhoeffer in Pommern":

Insel Rügen:
15.08.2018 um 20.00 Uhr: St. Johannes Kirche, Lange Straße 46, 18569 Schaprode
23.08.2018 um 19.00 Uhr: Pfarramt Gingst, Kirchplatz 1, 18569 Gingst

Halbinsel Darß:
30.08.2018 um 19.00 Uhr: Seemannskirche, Kirchenort 2, 18375 Prerow
11.09.2018 um 19.00 Uhr: Evangelische Kirchgemeinde, Kirchweg 8, 18374 Zingst

Pommersches Festland:
13.08.2018 um 19.30 Uhr: Gemeindezentrum Grimmen, Mühlenstraße 11, 18507 Grimmen
17.08.2018 um 15.00 Uhr: Stephanus gGmbH / Haus am See, Prenzlauer Straße 23b, 17326 Brüssow



Bonhoeffer und Bethge, Sammelvikariat im Jahre 1938 (Foto: Dietrich-Bonhoeffer-Gesellschaft)

Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit, der über die Theologie Dietrich Bonhoeffers promovierte und publizierte, hält in seinem Vortrag "Dietrich Bonhoeffer in Pommern" eine Rückschau auf das Wirken des Theologen und Märtyrers in Pommern. Er ist Mitglied der Dietrich-Bonhoeffer-Gesellschaft und konnte über diese noch Theologen kennenlernen, die von Dietrich Bonhoeffer ausgebildet und geprägt wurden.