Montag, 2. Juli 2018

Eine Legende kommt nach Sassnitz

Am gestrigen Nachmittag erreichte die "WAL" die Hansestast Stralsund, heute nun im ersten Morgenlicht
Stralsund / Sassnitz (PA). Er gilt als eine Legende: Der Dampfeisbrecher "Wal". Heute ist er einer von nur noch zwei fahrenden Dampfeisbrechern. Und beide - die "Wal" und die "Stettin" eint ihre pommersche Herkunft und der Status als technisches Kulturdenkmal.
Nun war die Sonne schon höher gestiegen
1938 in den Stettiner Oderwerken gebaut (wie die "Stettin"), hat das 49,96 Meter lange und 12,30 Meter breite Schiff einen Tiefgang von 5,25 Metern. Angetrieben wird es dabei von einer technischen Besonderheit: Einer 1.200 PS starken Dreifach-Expansions-Dampfmaschine. Wer diese in Aktion erleben möchte, muss eine steile Treppe in den Maschinenraum hinabsteigen. Dort bekam man schon damals das Staunen: Immerhin waren einst 1,5 Tonnen Kohle pro Stunde verfeuert worden, um die Maschine unter Dampf zu halten. Seit der Umstellung auf eine Ölbefeuerung in den 60er Jahren (Umbau 1963-1965 in der Staatswerft Rendsburg-Saatsee) haben sich nicht nur die Treibkosten sondern auf der Aufwand des Schiffsheizers verringert. Dennoch soll die Befeuerung der zwei Kessel immer noch 400 Liter leichtes Heizöl pro Stunde aus dem etwa 74.000 Liter fassenden Tank verbrauchen.
Die Flagge zeigt, hier liegt ein Dampfeisbrecher
Das Schiff selbst wurde zunächst auf dem ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Kanal im Winterdienst eingesetzt. Mit dem zweiten Weltkrieg war das Schiff dann auch für die Kriegsmarine im Einsatz; zunächst in der Kieler und der Lübecker Bucht. Als jedoch das Schiff zu einer Kesselreparatur in der Rostocker Neptun Werft lag, erhielt es am 26. April 1942 einen Bombentreffer und ging auf Grund. Im Monat darauf gehoben, war es im Januar 1943 wieder seetauglich und wurde im Frühjahr 1945 auch im Rahmen der Evakuierung von Flüchtlingen aus Hinterpommern, Westpreußen und Ostpreußen von Danzig in den Westen eingesetzt. Dabei wurde es auch am 9. März 1945 von Tieffliegern beschossen. Ab 20. Dezember 1946 (zunächst unter englischer Flagge im Einsatz) war das Schiff wieder in der zivilen Schifffahrt eingesetzt worden - so u.a. erneut auf dem Kaiser-Wilhelm-Kanal (seit 1948 Nord-Ostsee-Kanal), aber auch beim Wiederaufbau von Helgoland. 1988 fand - anlässlich des 50. Dienstjubiläums - die letzte große Fahrt statt, dann wurde die "Wal" 1990 außer Dienst gestellt. Nachdem der Dampfeisbrecher im Anschluß von der "Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven e.V." erworben und restauriert wurde, ist das Schiff auch an der pommerschen Küste wieder zu sehen. 

Die "WAL" - 1938 auf der Stettiner Oderwerft gebaut.
Am Sonntag lief die "Wal" um 10.00 Uhr aus Swinemünde aus und erreichte am späten Nachmittag die Hansestadt Stralsund. Diese wird man nun am Mittwoch, den 4. Juli 2018, gegen 11.30 Uhr verlassen und plant gegen 16.00 Uhr Sassnitz auf der Insel Rügen zu erreichen. Wer diesen Törn auf dem Dampfeisbrecher direkt erleben möchte, hat dazu Gelegenheit: Mitfahrten sind möglich! Kinder zahlen dabei 25,-EUR und Erwachsene 45,- EUR. Weitere Informationen erhält man unter 0471-9269110.

Weiter Informationen zur "Wal" und zur Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven e.V.

Klar zum Anheuern? Mitmachen an Bord ist willkommen!