Sonntag, 8. Juli 2018

Keine Windgiganten, damit Rügen bleibt wie es ist

Windräder in der pommerschen Küstenlandschaft: Hier bei Anklam

 Offener Brief der Bürgerinitiative Gingst F.E.I.N.an Manuela Schwesig (SPD):


Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin,

wir, die Mitglieder der Bürgerinitiative Gingst F.E.I.N. – ohne Windgiganten, setzen uns dafür ein, dass die Insel Rügen das bleiben kann, was sie derzeit ist: ein Ort, dessen Schönheit und Attraktivität in seiner ursprünglichen Natürlichkeit begründet ist – einer Natürlichkeit, an der die meisten Bürger hängen und die zugleich Grundlage ist für den Tourismus und mehr als 20 % der Arbeitsplätze der Insel.

Aktuelle Pläne, in Gingst einen Windenergiepark zu errichten, würden den Charakter der Insel grundlegend und nachhaltig verändern, mit unabsehbaren Folgen für den

Tourismus. Wir appellieren an Sie: Helfen Sie, dass wir uns in unserer Heimat Rügen weiter zu Hause fühlen können, und sorgen Sie für eine klare Entscheidung zugunsten der touristischen Nutzung der Insel!

Aber es geht uns nicht nur um unsere Insel, es geht auch um unser Land. Der Energiewende liegen richtige und wichtige Überlegungen zugrunde. Ohne Zweifel müssen wir unseren Beitrag leisten, den Klimawandel zu verlangsamen. Was wir im Moment jedoch sehen, ist ein gigantisches Experiment – Experiment, weil noch zahlreiche technische Fragen und Auswirkungen der Energiewende auf die Bürger ungeklärt sind. Trotz dieser Unklarheiten wurden bereits Milliarden Euros für Windparks und Leitungswege ausgegeben, die die Bürger über einen ständig steigenden Strompreis finanzieren müssen – und das ist erst der Anfang. Die Entscheidung, den Bürgern die Risiken dieses Experiments aufzubürden, ist seiner Zeit im Hauruckverfahren vom Bundestag getroffen worden. Eine ausführliche Debatte darüber hat es nicht gegeben. Wir fordern deshalb eine demokratische Energiewende, das heißt eine öffentliche Diskussion zu diesem Thema, in der alle Zahlen und Fakten auf den Tisch kommen – auch diejenigen, die nicht ins Schema der derzeitigen Politik passen. Wir fordern eine Energiewende, der ein technologisch überzeugendes und ausgereiftes Gesamtkonzept zugrunde liegt. Wir wollen insbesondere wissen, wie die Deckung unseres Strombedarfs aus erneuerbaren Energiequellen garantiert wird, solange es keine ausreichenden Speicherkapazitäten gibt,  die Strom auch dann liefern, wenn Wind und Sonne nicht genug Strom für alle hergeben. Wir wollen wissen, warum bisher z.B. die Tiefengeothermie (Erdwärme) als Lieferant für Wärmeenergie, die im Gegensatz zu Windparks Landschaft und Natur nicht beeinträchtigt, oder Energiesparen im Energiewendekonzept praktisch nicht vorkommt. Wir möchten wissen, welche Kosten auf die Bürger mit dem weiteren Ausbau der Energiesysteme zukommen, auch durch die Umstellung auf neue Heizungssysteme und Transportmittel in den Privathaushalten.

Wir fordern: Solange nicht die vom Bundesrechnungshof im Januar 2017 und April 2018 angemahnte Folgenabschätzung der Energiewende vorliegt und solange es keinen Masterplan für die Versorgung des gesamten Bundesgebiets mit erneuerbaren Energien gibt, sollten keine weiteren Windenergieparks in unserem Land mehr genehmigt und errichtet werden.

Energiewende ja! Aber sie muss transparent, ausgewogen und in ihren Auswirkungen berechenbar – mit anderen Worten: bürgerfreundlich – sein! Und nur durch eine bürgerfreundliche Energiewende wird das Vertrauen der Menschen in die demokratischen und gemäßigten politischen Kräfte unseres Landes erhalten bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Warmbrunn                                                       Siegbert Geitz

Sprecherin                                                                     Sprecher


Weitere Informationen zur Bürgerinitiative Gingst F.E.I.N 

---

(Die von den einzelnen Autoren veröffentlichten Texte, Leserbriefe und Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder)