Sonntag, 15. Juli 2018

Neues Fenster für die "Dicke Marie"

Pastorin Ulrike Streckenbach und Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder vor dem Hansefenster (Foto: Peters) 
Greifswald (PA). Mit dem sogenannten "Hansefenster" in der Annenkapelle der Greifswalder Marienkirche konnte ein weiteres Schmuckstück im Zuge der Sanierungsarbeiten an der Greifswalder Marienkirche entstehen. Teil dieser seit 2015 andauernden Maßnahmen an der auch als "Dicke Marie" bezeichneten Kirche sind neben den Fenstern in der Annenkapelle übrigens auch die des Hauptschiffes und der Westvorhalle.

Im Vorfeld wurde dafür bereits um die Unterstützung durch Spenden geworben, da die Kosten für die Kirche auf etwa 640.000 Euro veranschlagt wurden. Der verhältnismäßig hohe Kostenrahmen ist nicht ungewöhnlich. Bereits zur Bauzeit der Kirchen soll die Verglasung der Fensteröffnungen den Kosten des eigentlichen Bauwerks entsprochen haben, weshalb es schon damals auf bereitwillige Stifter ankam. Um eine Vorstellung über heutige Kosten zu erhalten, seien weitere Preiskalkulationen genannt: Die Instandsetzung eines der quadratischen Segmente in den großen Fenstern des Hauptschiffs kostet 1.000 Euro, die eines ganzen Fensters in der Westvorhalle 10.000 Euro.

So entstanden in der Greifswalder Marienkirche sogenannte Themen-Fenster, die die folgenden Bezeichnungen tragen: ein "Universitäts-, ein "Handwerker-", ein "Ärzte- und Apotheker-", ein "Seemanns-", ein "Gemeinde-", ein "Besucher-", ein "Musik-", ein "Konfirmations-", ein "Stifter-" und ein "Sänger-"Fenster. Damit reiht sich also das sogenannte „Hansefenster“ in diese Tradition ein. Auf den Bleiglasrauten des Fensters sind übrigens die Namen und Wappen der 19 Hansestädte zu sehen, die diesen Wettbewerb unterstützen: Es sind neben den pommerschen Städten Demmin, Gollnow, Greifswald und Stralsund auch die Städte Braunschweig, Bremen, Buxtehude, Emmerich, Hamburg, Kiel, Kyritz, Lippstadt, Magdeburg, Rostock, Seehausen, Stade, Tangermünde, Uelzen und Wismar.

„Das Hansefenster ist ein faszinierender Anblick und ein tolles Symbol für die Gemeinschaft der Hansestädte“, sagt Ulrike Streckenbach, Pastorin der Greifswalder Mariengemeinde. „Genau so haben wir es uns während der Planungen vorgestellt. Die Kirchengemeinde freut sich, dass das Fenster nun fertiggestellt wurde, und dankt allen Städten, die sich beteiligt haben.“

Von der gelungenen Umsetzung des Fensters überzeugte sich nun auch der Greifswalder Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder (B'90/Die Grünen). Während seines Besuchs in der Annenkapelle nutzte er die Gelegenheit, um die farbenprächtigen Wappen - Dank der Baurüstung - aus nächster Nähe zu betrachten. Für die Umsetzung des Wappens der Hansestadt Greifswald hatte die Bürgerschaft im März 2018 eine Spende in Höhe von 1.000 Euro zugesagt. Nun präsentiert sich das Wappen der Universitätsstadt neben dem der Hansestadt Hamburg.

Der Bau der Greifswalder Altstadtkirche St. Marien wurde nach 1260 als Basilika begonnen und im Jahre 1275 als dreischiffige Hallenkirche ohne Chor fortgeführt. Die Fertigstellung erfolgte 1280. Nach der Zerstörung im Jahre 1675 erfolgte der Neubau des Obergeschosses, der 1780 mit einem Zeltdach abgeschlossen wurde. Im Turm befindet sich übrigens auch der Gedenkstein für den ermordeten Bürgermeister und Universitätsgründer Heinrich Rubenow (* um 1400; † 31. Dezember 1462 in Greifswald ).

Die Wappen der Städte Greifswald und Hamburg im sogenannten "Hansefenster" aus Bleiglas (Foto: Peters)