Dienstag, 17. Juli 2018

Pommersche Fachwerkkirche gerettet!

Die frisch sanierte Fachwerkkirche in Groß Teetzleben - der strahlende Mittelpunkt des Dorfes (Foto: PEK / Sebastian Kühl)
Groß Teetzleben. (PA) Die Fachungen ausgeräumt, das Dach abgeräumt, das Naturstein-Fundament entfernt. - So präsentierte sich die alte Dorfkirche in Groß Teetzleben, die zum Pfarramt Altentreptow (Probstei Demmin) gehört, noch vor etwa zwei Jahren. Da waren die Sanierungsarbiten bereits in vollem Gange...

Der Aufwand zur Rettung gestaltete sich jedoch umfangreicher, als zunächst vermutet. Denn: Erst nachdem der Putz entfernt worden war, wurde klar, wie stark die Holzkonstruktion durch die anstehende Feuchtigkeit beeinträchtigt und geschwächt wurde. Betroffen sind nicht nur Teile der Wände sondern auch des Daches gewesen. Zudem hatte das Fundament aus Feldsteinen bereits nachgegeben. Eigentlich ungewöhnlich bei dieser Bauweise. Doch nun galt es zu handeln, wenn die Dorfkirche noch gerettet werden sollte.

April 2016: Die Kirche in Groß Teetzleben bot damals diesen „luftigen“ Anblick. (Foto: PEK / Sebastian Kühl)
Und so musste das Bauwerk mit Feldsteinen unterfangen, schadhafte Holzbalken ausgewechselt und die Fachung neu ausgemauert werden. Aus dem Schaden hat man zudem die richtigen Schlüsse gezogen: Die Fachwerkkonstruktion selbst wird nicht wieder von Putz überdeckt werden. So kann das Holz zukünftig "atmen" und anfallende Feuchtigkeit wieder abgeben. Auch die Holzpodeste unter den Kirchenbänken konnten im Zuge der Sanierung erneuert und die teils historische Anstriche wiederbelebt werden. Außerdem ergänzen Elektrik und neue Lampen das Kirchenbauwerk. 

Einzig der verschalte Kirchturm war nicht Teil der Sanierung. Er wurde bereits in den 1980er-Jahren instand gesetzt. Unterstützung kam damals aus der Partnergemeinde in Kiel. Sie gab 200.000 D-Mark und schickte fachlich versierte Handwerker, sonst - so vermutet man heute - wäre die Kirche bereits vor Jahrzehnten eingefallen. Die offizielle Wiedereinweihung wird am 9. September 2018, am „Tag des offenen Denkmals“, erfolgen. Dann wird das Ereignis gemeinsam mit Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit in einem Gottesdienst gefeiert. Dazu möchte Pastor Dr. Michael Giebel auch die Stiftungen einladen, die die Rettung der Dorfkirche unterstützten. Außerdem natürlich auch "die Handwerker sowie alle anderen, die zur erfolgreichen Sanierung beigetragen haben..."

Pastor Dr. Michael Giebel (links) und Küster Karl-Heinz Krause begutachten Teile der Kanzel (Foto: PEK / Sebastian Kühl)
Die umfangreiche Sanierung, die sich in ihrem Außmaß erst nach dem Start der Maßnahme abzeichnete, hat auch die ursprünglich geschätzten Kosten von 350.000 Euro auf letztlich 435.000 Euro getrieben.  Neben der Kirchengemeinde, die einen Teil der Mittel beisteuerte, gab es dafür auch die Unterstützung  vom Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis (PEK), sowie von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (KiBa), der Katharina und Gerhard Hoffmann Stiftung und des Denkmalfonds der Nordkirche.

Weitere Informationen zum Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis

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Aus der Festland-Reportage-Reihe "Dies- und jenseits der Oder": 
"Besuch einer Archtekturikone: Stettiner Philharmonie" (27. Juli 2018) / "Pommersche Fachwerkkirche gerettet!" (17. Juli 2018) / "Neue Fenster für die Dicke Marie" (15. Juli 2018) / "10. Jakobimarkt in Stettin" (13. Juli 2018) / "Keine Züge und Busse nach Stettin" (07. Juli 2018) / "Eine Legende kommt nach Sassnitz" (2.Juli 2018) /  "Ein Besuch der Hydrierwerke Pölitz" (05. Juli 2018) / "Demmin - Rückblick und Gegenwart" (28. Juni 2018) /  "Radweg zwischen Pasewalk und Stettin wächst" (28. Juni 2018) / "Bergens Partnerstadt Gollnow wird 750 Jahre" (22. Juni 2018) /  "470 km Schnellstraßen & Autobahn-Kilometer" (15. Juni 2018) / "Stettiner Schloß: Wie weiter nach der Katastrophe?" (08. Juni 2018) / Seetage und Sail Stettin (01. Juni 2018) / Gute Nachrichten: Die Bahn kommt! (25. Mai 2018)