Sonntag, 29. Juli 2018

Schon gelesen? (36) Die aktuelle Zeitschrift "Pommern"

Der Titel der aktuellen Zeitschrift "POMMERN"
Mit einiger Spannung nahmen wir die neue Ausgabe der Zeitschrift "POMMERN" auf. Der Grund? Die aktuelle Ausgabe legt seinen Schwerpunkt auf die Insel Rügen. Und das gleich mehrfach, denn neben dem Fährhafen Mukran, geht es auch um die Geschichte und Bedeutung des Königsstuhls sowie um die Würdigung der Lebensleistung von Peter Herfert (1935-2017)... 
Wolfgang Kietz widmet sich der Entwicklung des Fischerdorfes Mukran zum Eisenbahnfährhafen
Doch der Reihe nach: In dem Beitrag von Wolfgang Kietz "Der Bypass über die Ostsee" wird noch einmal die strategische Bedeutung der Eisenbahnfährverbindung von Mukran auf Rügen nach Klaipeda (das ehemalige Memel) hervorgehoben. Gleich zu Beginn unterstreicht der Autor jedoch, dass es sich bei dieser "Brücke" über die Ostsee nicht nur um eine Möglichkeit zum Transport ziviler Güter wie Eisen, Kohl oder Kinderwagen handelte. Stattdessen spielte die Fähranlage mit ihren Schiffen, die die Deutsche Demokratische Republik (DDR) immerhin 2 Millarden DDR-Mark gekostet haben, auch eine militärische Rolle. Bedingt durch machtvolle Oppositionsbewegung in der damaligen Volksrepublik Polen wurde die Sicherung der rückwärtigen Verbindungen zwischen DDR und Sowjetunion - so die Sicht der Militärs - infrage gestellt. Schlimmer noch: Im Falle einer Krise oder eines Krieges wären erhebliche Kräfte gebunden. Grund genug also, um das Projekt mit allen verfügbaren Mitteln voranzutreiben. So wurden dafür immerhin 3.500 Arbeiter gebunden, um aus einem kleinen Fischerdorf wie Mukran den größten deutschen Eisenbahnfährhafen (noch dazu mit Breitspur!) zu bauen. Klietz geht dabei aber auch auf die Rolle der Bausoldaten (die den Dienst an der Waffe verweigert hatten) aus dem benachbarten Militärobjekt Prora ein und beschreibt die schweren Bedingungen unter denen diese die gefassten Beschlüsse umsetzen sollten. Zudem widmet er sich auch der Rolle der Staatssicherheit im Hafen oder der Spionageabwehr. Außerdem geht er detailiert auf die Verteidigungsstrategien im Ernstfall ein und ordnet den Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen ein. Wobei vor allem die Ausführungen zum Transport der Kurzstreckenwaffen, nuklearen Sprengköpfe und Atombomben über den Fährhafen auf Rügen bei einigen Lesern noch Erstaunen hervorrufen dürfte. Man schrieb das Jahr 1991..!
Ein lesenswerter Beitrag für Rüganer und alle, denen die Insel etwa bedeutet...
Der zweite Beitrag, der sich mit Rügen auseinandersetzt, trägt den Titel "Zur Geschichte und Bedeutung von Stubbenkammer und Königsstuhl". Darin setzt Nils Petzholdt ein Thema, welches gerade auf Rügen für viel Gesprächsstoff sorgt. Allerdings wendet er sich ausschließlich alten Quellen und Überlieferungen zu und verdeutlicht damit auch, weshalb der Königsstuhl von so gewichtiger Bedeutung für die Rüganer ist. Neben bekannten Legenden sucht er nach einer Erklärung für die Bezeichnungen "Königsstuhl" oder "Stubbenkammer" und stellt vergleichbare Bezüge zu ähnlichen Namen im Ostseeraum - speziell nach Dänemark - her. Ebenso weiß er zum "Königsgrab", über das der Zugang zum Königsstuhl erfolgt, einiges Interessantes mitzuteilen.  

Auf den darauf folgenden Seiten wird u.a. auf die Bebauung des Anklamer Marktes und die pommerschen Stadtansichten im "Zittauer Tagbuch" eingegangen. Beide Artikel - von Steffen Orgar bzw. Gottfried Loeck - sind nicht nur für Heimatforscher von Bedeutung. Hans-Dieter Wallschlägel hat dagegen die Beziehung zwischen den Altlutheranern und dem Dorf Groß Justin in Hinterpommern betrachtet, die bis in die heutige Zeit reicht. Es ist auch ein gelungener Übergang zur Würdigung von Erwin Schlagowsky - einem streitbaren Pfarrer im Nationalsozialismus und Sozialismus. Dabei geht es auch noch einmal um Dietrich Bonhoeffer, die bekennende Kirche und die illegalen Predigerseminare in Finkenwalde bei Stettin, die u.a. auch am 15. August 2018 in Schaprode und am 23. August 2018 in Gingst Gegenstand eines Vortrags unter dem Titel "Dietrich Bonhoeffer in Pommern" sind. 
 
Ein Beitrag zu Peter Herfert. Er war einer der bedeutenden Archäologen für die Insel Rügen
Nach einem weiteren Eingang auf "Die Dänen!" - eine Sammlung vom Kunstsammler und Mäzen Christoph Müller, die derzeit im Pommerschen Landesmuseum gezeigt wird - und der Vorstellung von aktuellen Publikationen, geht Willi Lampe aus Reinkenhagen noch einmal auf den im letzten Jahr verstorbenen und auf der Insel Rügen bestens bekannten Peter Herfert ein. Er skizziert in seinem Beitrag den Lebensweg des Archäologen, der an der Universität Halle-Wittenberg Ur- und Frühgeschichte sowie Geologie studiert hatte. Um seine Lebensleistung im Kulturhistorischen Museum Stralsund zu würdigen, wo er seit 1961 tätig war, soll hier ein Satz seines Beitrags stellvertretend direkt zitiert werden: "Unter seiner (Peter Herfets - Anm.d.Red.) Ägide entstand eine der besten Ausstellungen zur Ur- und Frühgeschichte des norddeutschen Raumes, in der vor allem auch Fundmaterial der pommerschen Sammlung Stettin und von den Inseln gezeigt wurde." Herfert, der später auch Direktor (1970-1984) des Kulturhistorischen Museums war, hatte - bedingt durch seine methodische Vorgehensweise - ebenso bei Ausgrabungen spektakuläre Funde und Befunde vorzuweisen. Auch hier soll an dieser Stelle stellvertretend nur Ralswiek und Arkona genannt werden. Abschließend wollen wir noch einmal Willi Lampe zu Wort kommen lassen. Seine lesenswerte Würdigung schließt mit den Worten: "Wenn es um die Ur- und Frühgeschichte der Insel Rügen geht, wird man seinen (Peter Herfets - Anm.d.Red.) Namen immer in einem Atemzug mit Friedrich von Hagenow, Rudolf Baier und Wilhelm Petzsch nennen müssen..."

Die Zeitschrift "POMMERN" wird, seit dem Frühjahr diesen Jahres vom Pommerschen Greif e.V. - dem Verein für pommersche Familien- und Ortsgeschichte herausgegeben. Sie ist unter der ISSN 0032 4167 registriert. Die Redaktion liegt bei Dr. Jana Olschewski aus Katzow und Dipl.-Nordist Heiko Wartenberg aus Greifswald. Wir können die Zeitschrift, die vier Mal im Jahr erscheint, für alle an der pommerschen Kultur und Geschichte Interessierten empfehlen. 

Zur aktuellen Internetseite der Zeitschrift "POMMERN" mit Bestellmöglichkeit

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