Montag, 16. Juli 2018

Wer hat den Größten?


Liebe Rüganer,
eigentlich ist noch kein Stein auf den anderen gesetzt, aber: Die Häuser mit ihren Eigentumswohnungen sind schon zu 90% verkauft. Und? So wie in Stralsund läuft das auch auf Rügen: Historisch niedrige Zinsen lassen die Käufer in Betongold investieren. Notfalls auch solches, das sie gar nicht haben! - Immer noch besser als das die Inflation alles auffrisst.

So ist es nur logisch, dass die Insel - trotz ungebremster Abwanderung! - immer weiter zersiedelt wird. So schaut es auch aus, wenn man in den Norden der Insel fährt. Eingestimmt von Schornsteinen und Funktürmen, die mit den Kirchturmspitzen um die Lufthoheit konkurrieren, fahren derzeit viele Rüganer und ihre Gäste an die Schaabe. Einige dürften sich dabei die Augen reiben. Nicht wegen der Freikörperkultur sondern wegen der "neuen Ortsmitte" von Glowe. Auch hier reckt sich das Betongold gen Himmel. Das ehemalige Zeilendorf offenbart, dass die Lokalpolitik längst jedes Maß verloren hat. Schon zum Ortseingang wird man mit dem Hinweis begrüßt, dass nur noch 3 Bauplätze unverkauft wären. - Also: Wenn weg dann weg! - Die Gier ist eben eine große Triebfeder. Und alle lieben Rügen. So entstehen also die "Revolverdörfer", welche Ortsplaner eigentlich nur als "zügelloses Bauen" aus dem Hause "Kunterbunt" definieren können.
Die "üblichen Verdächtigen" ? - Jedenfalls keine Unbekannten...
Der erste symbolische Spatenstich für diesen neuen Höhepunkt flascher Ortsentwicklung erfolgte bereits vor 4 Jahren. Damals sprach auch Bürgermeister Mielke von einer positiven Entwicklung. - Immerhin: Nach 20 Jahren waren 30 Bebauungspläne (!) aufgelegt gewesen, die auch größtenteils umgesetzt worden sind. Und so sieht Glowe heute auch aus. Es fehlt dabei nicht an bekannten Namen, die alle mitverdienen wollen.

Im Ort selbst, wird es auf Nachfrage so kommentiert: "Es wird beschlossen und dann wird ´s gemacht..." Dazu Zucken die Schultern. Zugegeben: Treffender kann man es nicht formulieren! Immerhin werden hier 10 Mill. Euro versenkt, damit Ferien- und Dauerwohnungen zwischen 49 und 117 Quadratmeter entstehen können.
Bis in die Wolken? Der Fantasie und Gier sind auf Rügen nach oben keine Grenzen gesetzt...
Neue Ortsmitte? Fabelhafte Entwicklung? Gordon Gekko hat recht, wenn er sagte: "Es geht nur um Dollars, Kumpel, der Rest ist belangloses Gequatsche..." So war es beim sogenannten "Bücherturm"-Projekt (geplante Höhe: 104 Meter) in Prora, so ist es bei der sogenannten "Neuen Ortsmitte" (geplante Höhe: 21 Meter) in Glowe und so soll es auch beim sogenannten "Königsweg" - dem Pylon (geplante Höhe: 40 Meter, was 1/3 der Höhe des Königsstuhls entspricht) mit Schwebebrücke mitten im Naturerbe - sein. Letzteren können wir noch verhindern. Warum? Weil wir unseren Kindern keine Schande hinterlassen wollen.

Wenn uns das nicht gelingt, können sie den nächsten Wettbewerb "Schöner unsere Städte und Dörfer" mit der einen Frage überschreiben: "Wer hat den Größten?"

Hans Hegel

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