Freitag, 3. August 2018

Der Grenzgänger aus dem pommerschen Stolp

Heinz Theuerjahr (1913-1991) (Foto: Josef Lang)
Passau (PA). Heinz Theuerjahr, ein Künstler aus dem pommerschen Stolp, dürfte den meisten heute kaum noch bekannt sein. Zu Unrecht ist er etwas aus dem Blickfeld unserer heutigen Tage geraten, denn sein künstlerisches Schaffen - das eines Grenzgänger, der immerhin 14 Mal zu Reisen nach Afrika aufbrach - wurde durch diesen Kontinent nachhaltig geprägt und gefordert. 

Geboren wurde Heinz Theuerjahr 1913 in Stolp, auf dem pommerschen Festland. Doch wie vielen andere künstlerisch Begabte trieb es auch ihn hinaus. Nach dem Abitur begann er 1934 eine Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin. In seinen Semesterferien trieb ihn jedoch die Neugier durch halb Europa - zu Fuß, per Anhalter oder mit der Bahn erschloß er sich seinen ersten Blick auf die Welt. Das er dabei auch Waldhäuser, ein Bergdorf am Fuße des Lusen im Bayrischen Wald entdeckte, welches später sein Lebensmittelpunkt werden sollte, nennt man wohl Schicksal.

"Flußpferde" (1990)
Das seine Militärzeit wegen einer TBC-Erkrankung auf nur wenige Monate verkürzt wurde, war dagegen wohl Glück - auch weil er nach seiner Rückkehr nach Waldhäuser seine Frau Zenzi kennen lernte. So schuf er in einer "Landschaft vom ersten Schöpfungstag" aus Feldsteinen und Holz sein Haus, welches für seine Reisen nach Afrika Start- und Endpunkt werden sollte. Diese begannen im Jahre 1960 und endeten im Jahre 1985. Er besuchte dabei u.a. Tanganjika, Kenya, Uganda, Tansania, Tschad, Kamerun, Marokko, Tunesien, Algerien, Ägypten, Zentral- und Südwest-Afrika. Die Verarbeitung seiner Eindrücke jedoch, machten ihn schnell über seinen Lebensmittelpunkt hinaus bekannt und wiesen ihm einen wichtigen Platz in der Kunstgeschichte der Neuzeit zu.

"Laufender Affe" (1962)
Nun widmet das Museum der Modernen Kunst in Passau - das uns auch das Bildmaterial für diesen Artikel bereitstellte - dem 1991 nach langer Krankheit verstorbenen pommerschen Künstler eine eigene Ausstellung. Die Besonderheit: Gezeigt werden ausschließlich Arbeiten, die aus den Privatsammlungen des Freundeskreises Heinz Theuerjahr e.V. stammen, einer Vereinigung die sich bereits 1993 gründete und das Andenken an Heinz Theuerjahr seit Jahrzehnten erfolgreich wachhält. Im Rahmen der Ausstellung wird zudem eine umfangreiche Monografie über den pommerschen Künstler von Dr. Volker Probst, dem Leiter der Ernst Barlach Museen in Güstrow vorgestellt. Zusammen mit Werken aus allen Schaffensbereichen von Heinz Theuerjahr rundet sich das künstlerische Schaffen dieses Künstlers erstmals in dieser Form ab.

Außerdem werden begleitend dazu ein Workshop im Linolschnitt angeboten, bei dem - inspiriert durch Heinz Theuerjahr - Tiere gestaltet werden. 

Geöffnet ist die Ausstellung von Dienstag bis Sonntag in der Zeit zwischen 10.00 Uhr und 18.00 Uhr.