Dienstag, 21. August 2018

Über Ulrich Müther, seine Mitstreiter und Schalen

Der Landbaumeister von Rügen: Ulrich Müther
Ein Beitrag von Torsten Seegert

Heute  - vor 11 Jahren - zog der Landbaumeister von Rügen, Ulrich Müther (1934-2007), in die "ewigen Jagdgründe ein" (wie er es wohl selbst ironisch formuliert hätte). Vergessen ist er nicht!

Gerade in diesem Jahr konnten auch auf Rügen die Sassnitzer Kurmuschel (erbaut 1987) und die ehemalige Binzer Rettungsstation (erbaut 1981) saniert werden. Binz, der Heimatort von Ulrich Müther, hat sich zudem klar zu seinem Baumeister bekannt, der so manchen kühnen Traum von Architekten, gemeinsam mit seinen "pommerschen Bauernsöhnen" und "russischem Karnickeldraht" in Formen aus Beton spritzte - und das sogar schalungslos! 

Versuchsschale am Ortsausgang von Prora, später Buswartehalle (erbaut 1967) / Foto: Harro Schack
Entstanden sind so - Dank dem Ingenieur und seinen Mitstreitern - über 50 Hyparschalen. Sie überspannen Großgaststätten, Schwimmbäder, Planetarien, Kirchen oder Moscheen. Und das nicht nur auf Rügen, sondern auch auf dem Festland, deutschland- und weltweit. Gute Nachrichten gibt es dazu nun auch aus dem Templiner Bürgergarten und dem Stadtpark Magdeburg.  Beide dort befindlichen und inzwischen denkmalgeschützten Hyparschalen sollen endlich saniert werden. Für die Letztgenannte dürfte die Bewerbung um die "Kulturhauptstadt Europas 2025" für den nötigen Schwung gesorgt haben. Dazu kann aber noch viel Wasser die Elbe entlang fließen.

Werbung des VEB Spezialbetonbau Rügen - kurz: "Spezi-Bau"
Und: Nicht überall können "Kulturhauptstädte" entstehen. Das wurde auch bei unserem Streifzug über die Insel im April 2018 klar, als wir alle "Müther-Schalen" der Insel innerhalb von zwei Tagen besuchten. Zwar haben viele der Bauwerke heute noch einen Zweck, was immer die wichtigste Grundlage zu deren Erhalt ist, doch häufig fehlt es am notwendigen "KLeingeld", um keinen Sanierungsrückstau eintreten zu lassen. Die Herausforderungen sind dabei nicht gering, denn durch die Optimierung der Schalen auf wenige Zentimeter Betonstärke ist auch Sachkunde gefragt. 

Darstellung des Betonspritzverfahrens - auch Thema in einer "Umschau"-Folge des DDR-Fernsehens
So geben die Buschvitzer ihrem "Taucher-" oder "Kosmonautenhelm" zwar regelmäßig ein neues "schneeweißes Kleid", doch auch der Prototyp kann trotz dem regelmäßigen Bemühungen der Dorfbewohner nicht verdecken, dass mal Unterstützung "von außen" notwendig wäre. Die Abplatzungen an den Öffnungen sind für Besucher bei näherer Betrachtung deutlich sichtbar und machen klar, dass auch hier wirklich genauer hingeschaut werden muss. Die Buschvitzer, allen voran Ihr Bürgermeister Malte Preuhs, würden dies zweifellos zu schätzen wissen. Wer weiß, wie kompliziert die Buschvitzer Schale damals zu spritzen war, schätzt es auch.

Betonspritzer - wie Martin Haase - hatten damals einiges zu leisten, Einsätze bis zu 24 Stunden (Repro: HBV)
Einer der Mitstreiter von Ulrich Müther war übrigens Martin Haase aus Groß Stresow. In einem Interview hielt er kürzlich Rückschau auf die bewegten Jahrzehnte beim Binzer "Spezi-Bau", dem der "Lange" (gemeint ist Ulrich Müther) vorstand. Angereichert mit den Filmaufnahmen aus dem Monat April ist so in den letzten Tagen der Filmstreifen "Von pommerschen Bauernsöhnen und russischem Karnickeldraht" entstanden. Er wird Bestandteil der DVD "Ulrich Müther - Der Landbaumeister von Rügen" vom Studio Hamburg Enterprises sein, die Ende September veröffentlicht werden soll. Darauf werden dann neben dem Film "Spannweiten", der noch 1989 im DEFA-Studio für Dokumentarfilme für das DDR-Fernsehen hergestellt wurde, auch Ausschnitte von der Einweihung des Berliner Zeiss-Großplanetariums und ein Beitrag der "Umschau" zu dem Betonsspritzverfahren zu sehen sein.

Wenn alles klappt, sollte Mitte September 2018 dann die DVD-Premiere im Rahmen der Reihe "Treffpunkt Sassnitz" im Rügen-Hotel stattfinden. Der Zeitpunkt wäre sicher ideal. Auch, weil sich daran die Müther-Woche - vom 17. - 21. September 2018 - anschließen würde. Wir werden sehen...

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Unser Streifzug im April 2018: