Freitag, 10. August 2018

Was von der Festung Stettin blieb...

Das "Königstor" bzw. "Anklamer Tor"
Stettin (PA). Viel ist es nicht und dennoch schön anzuschauen: Das "Anklamer Tor" oder besser gesagt das "Königstor", dass heute noch an die Festung Stettin und die Zeit des Großen Nordischen Krieges erinnert. Einst wurde die Festung dabei zu einem schwedischen Brückenkopf ausgebaut, als das Königreich mit den drei Kronen noch nach einer Vorherrschaft im Ostseeraum strebte.

Für die Kontrolle der Odermündung und den Zugang zur Ostsee ist Stettin seit Jahrhunderten von strategischer und geopolitischer Bedeutung. Für Schweden ermöglichte die Ostsee und die Swine zudem einen entsprechenden Nachschub zur Versorgung im Falle einer Belagerung durch feindliche Truppen.

Zu einer solchen kam es u.a. im Schwedisch-Brandenburgischen Krieg im August des Jahres 1676, die übrigens nach dem Winter im Jahre 1677 fortgesetzt wurde. Zweifellos muss der Einzug des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm 1678 im Stettiner Schloß dann ein Triumph gewesen sein. Da er auch Stralsund erfolgreich belagert hatte, mussten die Schweden gleich den Verlust von zwei Brückkenköpfen realisieren. Der brandenburgische Kurfürst sah sich zudem im Recht, was seinen Vorstoß auf Vorpommern anging. Schließlich hatte der Vertrag von Grimnitz (1529) die Auseinandersetzungen zwischen den Herrscherhäusern der pommerschen Greifen und der Hohenzollern so beigelegt, dass im Falle eines Aussterbens des pommerschen Greifen-Hauses, die Hohenzollern die Erbfolge antreten sollten. Dieser Fall war eigentlich mit dem Tode Bogislaw XIV., dem letzten pommerschen Herzog, im Jahre 1637 in Stettin eingetreten. Auch eine entsprechende Belehnung durch den römisch-deutschen Kaiser Ferdinand III. war im gleichen Jahr erfolgt.  Doch Schweden hatte bereits mit dem auf den 10. Juli 1630 rückdatierten Stettiner Allianzvertrag versucht, Tatsachen an der pommerschen Küste zu schaffen.

Matthäus Merian: Topographia Germaniae, Edition Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae, 1642
Außerdem - bedingt durch den ungünstigen Frieden von Saint Germain im Jahre 1679 - mussten weite Teile Pommerns östlich der Oder wieder durch die Brandenburger geräumt werden, während die Schweden auf Gebiete östlich der Oder (unter Ausnahme von Damm und Gollnow) zu Gunsten Brandenburgs verzichten mussten undkeine Seezölle mehr durch die Schweden an der Odermündung erhoben werden durften. Erst der Enkel des Kurfürsten, der preußische König Friedrich Wilhelm I. ("Soldatenkönig") hatte Erfolg. Im Großen Nordischen Krieg eroberte er nicht nur Stettin sondern konnte auch dessen Zugehörigkeit zu Brandenbrug-Preußen im Frieden von Stockholm (1720) sichern. Preußen erhielt damals gegen die Zahlung von 2 Millionen Talern (!) Stettin und Vorpommern bis zur Peene sowie die Inseln Usedom und Wollin. Zur Sicherung Stettins entstanden dabei die Forts Wilhelm, Leopold und Preußen sowie das "Berliner Tor" und das "Königstor" als Zeichen des Sieges. Letztere sind heute alles, was von der Festung Stettin übrig blieb.

Baulich präsentiert sich das "Anklamer Tor" welches damals zum "Königstor" umgebaut wurde, auch heute noch in voller Pracht. Der Architekt war kein anderer als der Festungsbaumeister Gerhard Cornelius von Walrave (1692-1773). Neben den Steinmetzarbeiten des Mars (in der Formsprache für den Krieg) und Herkules (in der Formsprache für den Heldenmut) - vom Bildhauer Bartolomé Damart - zieren das Tor neben dem preußischen Adler auch die Initialien des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. Auch wenn man sich heute über die Zeichen des Triumphes - wie dem "Berliner Tor" oder dem "Königstor" sowie über die "Preußensäule"n auf Rügen, die in dem gleichen historischen Zusammenhang stehen - streiten lässt, sind sie doch Zeitzeugen der Geschichte. Genutzt wird das "Königstor" gegenwärtig übrigens als beliebtes Café und dient damit den gesellschaftlichen Leben seiner Besucher.