Samstag, 18. August 2018

Westrügen: Intakte Natur oder Windgiganten?

Windrad auf dem pommerschen Festland bei Anklam
Gingst (PA). Wie die Bürgerinitiative Gingst "Für eine intakte Natur (F.E.I.N.) ohne Windgiganten" in einer heutigen Meldung mitteilt, geht sie davon aus, dass am 25. September 2018 ein weiteres, das 4. Beteiligungsverfahren, beschlossen wird. Damit würden die anhaltenden Auseinandersetzungen um Windindustrieanlagen auf Westrügen in eine neue Runde gehen. Die Bürgerinitiative selbst plant in diesem Zusammenhang eine weitere Zusammenkunft.

Berechtigte Hoffnung schöpft sie derzeit, da die Kritik an einem zügel- und sinnlosen Ausbau von Windindustrieanlagen auch innerhalb der Großen Koalition wächst. So verweist die Bürgerinitiative u.a. auf Äußerungen des Bundestagsabgeordneten Jens Köppen (CDU), der mit folgenden Worten zitiert wird: "Die Windkraftanlagen der nächsten Generationen würden bis zu 250 Meter hoch. Zum Vergleich: Das Restaurant im Berliner Fernsehturm liegt in einer Höhe von 207 Metern. Nun stelle man sich vor, Gemeinden werden von solchen Anlagen umzingelt — da sind 800 oder 1000 Meter Abstand zu den Wohngebäuden einfach zu wenig. Das ist nicht mehr zumutbar.” Weiter heißt es: “Nur der reine Zubau von Energieanlagen – ohne die entsprechende Aufnahmefähigkeit der Netze – führe dazu, dass Anlagen abgeschaltet werden müssten, die Betreiber aber dennoch ihre prognostizierte Vergütung bekämen." Das Fazit vom Bundestagsabgeordneten Jens Köppen (CDU): “Die Rechnung dafür bezahlt der Stromkunde über die EEG-Umlage.”

In diesem Zusammenhang macht die Gingster Bürgerinitiative auch auf die Meldung einer regionalen Zeitung aufmerksam. Diese teilte gestern, am 17. August 2018, mit, dass nun auch Eckehard Rehberg (CDU) einen zeitweiligen Stopp des Ausbaus der Windenergie fordert. Er soll seine Haltung für eine Aussetzung mit der schwindenden Akzeptanz des derzeitigen Windkraftausbaus, den fallenden Grundstückswerten und der mangelnden Kapazität der Stromnetze begründet haben. 

Die Energiewende gerät auch deutschlandweit immer stärker unter Druck. Egbert Niessler bemerkte dazu in der "Westfalenpost": "...Hektisch wurden nun Windkraftanlagen gebaut. Vor allem dort, wo der Wind am beständigsten weht – im Norden, am meisten offshore. Um dann festzustellen, was wohl jeder von zu Hause kennt: Dort, wo man den Strom manchmal braucht, ist gerade keine Steckdose vorhanden." In seinem Kommentar "Energiewende: Deutschland ist abschreckendes Beispiel" erklärt er auch, warum Windräder trotz Starkwind stillstehen: Es mangelt an Einspeisungsmöglichkeiten. Das wiederum führe dazu, dass Stromnetzbetreiber die Einspeisung aus konventionellen Kraftwerken im Süden erhöhen würden. Das Deutschland mit 30 Cent pro Kilowattstunde den höchsten Strompreis in Europa zahlt, ist weitestgehend bekannt. Unbekannt ist dagegen vielleicht, dass die eigentlichen Stromkosten nur bei 6 Cent pro Kilowattstunde liegen. Mit dem restlichen 24 Cent - so Egbert Niessler - würden EEG-Umlagen, Netzentgelte, Entschädigunge für die Energiekonzerne und sonstige Steuern und Abgaben gezahlt. Dass es außerdem an großen Trassen fehlt, die den Ökostrom vom Norden in den Süden bringen sollen, ist ebenfalls bekannt. Weniger bekannt dürfte wohl sein, dass von den erforderlichen 7.700 Kilometern lediglich 1.750 Kilometer genehmigt und nur 950 realisiert sind. 

Zu kämpfen haben die Befürworter Energiewende nun auch immer häufiger mit Naturschützern. Harry Neumann, Bundesvorsitzender der Naturschutzinitiative e.V. brachte es aus seiner Sicht bereits im Dezember 2017 gegenüber dem Online-Auftritt "mittelbayrische.de" so auf den Punkt: "Die installierte Nennleistung von Solar- und Windenergie wäre schon jetzt in der Lage, genügend Energie zur Stromversorgung bereitzustellen. Da diese aber volatil und nicht speicherbar ist, macht ein weiterer Ausbau keinen Sinn. Auch mehr Anlagen produzieren bei Windflaute und fehlender Sonne nicht mehr Energie. Windindustrieanlagen sind ineffizient und nicht in der Lage, die Stromversorgung sicherzustellen. Trotz circa 30000 installierter Anlagen sinkt der CO2-Ausstoß nicht, sondern steigt weiter an." 

Weitere Informationen zur Bürgerinitiative Gingst "F.E.I.N. ohne Windgiganten"