Samstag, 25. August 2018

Wie kauft man eine Insel?

Liebe Rüganer,
sicher habt Ihr es schon längst gehört: Gegen die Vorlage Eures Ausweises, dürft Ihr kostenlos den Königsstuhl besuchen. Wie? Das habt Ihr auch schon vorher gemacht? Ihr seid einfach früh morgens zum Picknick zum Königsstuhl gefahren? Ja, da wart Ihr wohl nicht allein, weil uns ja kein König den freien Zugang zu unserem Wahrzeichen verwehren kann!

Dennoch kommt der Zeitpunkt dieser Meldung nicht von ungefähr. Nun wird es als "Charme-Offensive" durch die Medien "genudelt". Der Grund? Das Nationalparkzentrum ist massiv unter Druck geraten. Kurz vor dem ersten Bürgerentscheid in Sassnitz über die Schwebebrücke am Königsstuhl gilt es nun "gutes Wetter" zu machen. Also ordnen wir das mal nüchtern unter der Kategorie "Wie kauft man eine Insel?" ein...

Eigentlich ist sowas nicht billig: Big Strand Island in den Vereinigten Staaten wird beispielsweise mit seinen 18,21 ha für stolze 1,75 Mio. Euro angeboten. Wer meint griechische Inseln wären billiger irrt: Für die 16,55 ha große Insel Nissos Sofia im Mittelmeer muss man schon über 4 Mio. Euro auf den Tisch legen. Und Rügen? Mit 926 Quadratkilometern gilt sie als größte Insel Deutschlands. Ihr Preis ist dennoch ein Schnäppchen. Um die Insel "zu kaufen" müssen wir allerdings die Statistik des Nationalparkzentrums bemühen. Und das heißt ein freier Zugang zu diesem kostet die Betreiber  "fast" nichts. Denn etwa 1.500 Rüganer "verirrten" sich nur noch ins Nationalparkzentrum am Königsstuhl - ein Besucheranteil im Promille-Bereich (!) ganz egal welche Statistik man zu Rate zieht. Darum kann man auch die gestrige Aussage, von Herrn Ehlers, dem Geschäftsführer  des Nationalpark-Zentrums, dass die Einnahmen durch die neue Festlegung womöglich etwas absinken, wohl bereits in das Reich der Legende zu verweisen.

Ein Grund mehr nicht auf dieses "kostenlose" Manöver reinzufallen. Was viele nicht wissen: In der letzten Sitzung des Wirtschaftsausschusses von Sassnitz soll es nicht nur hoch hergegangen sein. Ja, es soll stimmen, dass die Frau des ehemaligen Bürgermeisters und der Lohmer Bürgermeister auf Norbert Dahms verbal losgegangen sein soll. Doch dann wurde es wohl erst spanndend, weil Dahms als Vertreter der Bürgerinitiative, die den Bürgerentscheid erst auf den Weg brachte, die aufgeladene Stimmung am vorletzten Donnerstag mit der eher nüchternen Frage konterte, seit wann denn eigentlich die Eintrittsgelder des Königsstuhls zu 100% in die Taschen des Nationalparkzentrums (Der WWF hält dran 90%, die Stadt Sassnitz nur 10% der Anteile) flössen? Da hatten dann lt. Aussage einiger Gäste auch die Sassnitzer Stadtvertreter und sachkundigen Bürger nur noch dicke Backen gemacht. Zumal Norbert Dahms auch noch statistische Werte des LUNG (Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie) parat hatte, die wohl auch auf der Gegenseite zum Nachdenken anregten. Mal angenommen, dass die 515.000 Besucher (lt. LUNG) alle nur einen Euro für den Besuch des Königsstuhls gezahlt hätten, dann wären hier Millonen von Euros der Stadt Sassnitz in den letzten Jahren verloren gegangen. Hier sollte es also Redebedarf geben...


1835: Gasthof im Schweizer Stil / 1893: Hotel / 1900: Gasthof und Poststation / 1943-1945: Lazarett / 1945-1950: Stationierung russischer Einheiten / 1950-1990: militärische Nutzung durch die Deutsche Grenzpolizei und die Grenzbrigade Küste (01.03.1963 - 30.11.1971 Küstenbeobachtung VM - Flottille, 01.12.1971 - 30.03.1989 3.Technische Beobachtungskompanie GBrK, 01.04.1990 - 02.10.1990 3.Technische Beobachtungskompanie TBB18) / 1990: In Eigentum der BVA / 1990-1996: Leerstand / 1996-2001: Informationszentrum, 2000: Abbruch des Wachturms und von Nebenanlagen / 2002-2004: Umbau zum Nationalparkzentrum
Wie reich ist Sassnitz als Stadt, dass sie sich das "leisten" kann? Eine Stadt, sie mit Ihren kaputten Gewegen, gesperrten Brücken und dem geschlossenen Heimattiergarten in "Spendierhosen" auftritt, die ihr offensichtlich viel zu groß sind. Da braucht man sich dann auch nicht wundern, wenn von der Stadt Sassnitz schon als von einem "nützlichen Idioten" die Rede ist. Und wenn diese "Spendierhosen" mal fallen sollten, ist wohl auch dem Letzten klar, das der Kaiser nackt war (auch wenn er noch nicht durch den Ort laufen sollte).

Halten würden seine "neuen Kleider" ja nun ohnehin nur noch bis zur nächsten Mathe-Stunde an der Regionalen Schule. Wie wäre es dazu mit folgender Aufgabenstellung für das neue Schuljahr: Mal angenommen, man hätte seit 2008 - also für zehn Jahre - im Nationalparkzentrum den Eintritt am Königsstuhl von einem Euro kassiert und der jährliche Besucherstrom läge bei 500.000 Gästen, wieviel Geld wäre der Stadt bei einer 10% Beteiligung am Nationalparkzentrum der Stadt Sassnitz verloren gegangen? Die richtige Antwort? 5 Mio. EUR - 10%, es wären also letztlich 4,5 Mio. EUR!

Heute Bestandteil einer "Fakten"-Aufstellung in einer lokalen Zeitung: "Eine Million Besucher..." - Das LUNG weist mit seiner Statistik allerdings nur 515.000 Besucher aus, lt. NDR v. 28.02.2018 sollen es sogar nur etwa 300.000 Besucher sein. Die Mitglieder des Wirtschaftsausschuss der Stadt Sassnitz sollen es auch nicht so genau gewusst haben. Wenn von Zahlen die Rede war, war unklar, woher diese stammen.
Und nun stellte wohl Herr Dahms auch noch zu Recht eine weitere Frage: Warum sollte die Stadt Sassnitz - mit den Möglichkeiten, die nur sie durch eine Förderung aus unseren Steuergeldern erfahren könnte - eine Schwebebrücke für sieben Millionen bauen? Zumal sie auch noch die Kosten zur Pflege und Erhaltung sowie für regelmäßigen Brückenprüfungen an der Backe hätte, während das Nationalparkzentrum wieder die Hand offen hielte? Da waren wohl selbst die Ausschussmitglieder um eine Antwort verlegen gewesen..

Gute Gründe, um nach der nächsten Wahl mal einen Kassensturz zu machen. Wo welche Gelder  versickern, lässt sich für viele Bürger derzeit ja ohnehin nur erahnen. Aufzuarbeiten gibt es mehr als genug, auch weil das Lauteste zur Zeit das Schweigen zu den anstehenden aktuellen Fragen ist. Das diese "Mauer" dennoch Risse bekommt, ist mehr als wahrscheinlich. Ebenso, wie die Absatzbewegungen einiger Politiker wenn es auf Wahlen zugeht. Was folgt, ist eine "politische Hygiene" die manche Bürgervertretung auf Rügen schon zur nächsten Kommunalwahl in Ihrer Zusammensetzung durcheinanderwirbeln wird und die bisherigen Entscheidungen auf den Prüfstand stellt. Und das ist gut so!


Hans Hegel

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