Dienstag, 21. August 2018

Zudar: Natur ohne Lobby?

Kurz vor dem Wäldchen von Pritzwald. Von hier aus schon fast in Sicht: Die Insel Ruschbrink
Pritzwald (PA). Wer die etwa 18 Quadratkilometer große Halbinsel Zudar im Süden Rügens besucht, ist irritiert. Geradezu verschlafen wirken die alten Gutsanlagen an der Schoritzer Wiek. Von dem gleichnamigen Ort geht es am ehemaligen Gutsweiler Maltzien vorbei, dessen altes Gutshaus, dass einst im Stil der Tudorgotik errichtet wurde, kaum noch von der Straße wahrnehmbar ist, dann über Poppelvitz (mit seinen alten Landarbeiterhäusern) in Richtung Zicker.

Das Gusthaus Zicker
Hier, wo die Straße einen ihrer Haken schlägt, grüßt dagegen das schöne herausgeputzte Gut Zicker, das noch "Ruhe und Natur" verspricht. Doch das soll sich schon bald ändern: Wenn es nach dem Pächter des Zeltplatzes auf Zudar geht, könnten schon bald Baustoffe über die schmalen Betonspuren in Richtung Pritzwald rollen. Und das, obgleich die Schoritzer Wiek die Kernzone des EU-Vogelschutzgebietes "Greifswalder Bodden und südlicher Strelasund" bildet. Von dem Weg der nach Pritzwald führt, lassen sich mühelos unzählige Vogelarten mit dem Fernglas beobachten. Wenn man den bunten Schildern direkt bei den Windflüchtern glauben mag, gibt es hier gleich den dreifachen Schutzstatus: EU-Vogelschutzgebiet, FFH-Gebiet und Naturschutzgebiet (NSG). Wieviel dieser Lebensraum - der auch als Drehscheibe für den Vogelzug gilt - an Achtung erfährt, lässt sich schon ein Stückchen weiter im nahen Wäldchen messen. Hier liegen sie: Reste von Bäumen, die als Stämme auf ihren Abtransport warten. Nach dem zwischenzeitlichen Bewuchs zu urteilen, könnte entweder das Geld für den Abtransport nicht mehr gereicht haben oder der erhoffte Verkaufserlös entsprach vielleicht nicht den Erwartungen. So wurden die alten Bäume gefällt, um den Weg seitlich zu "dekorieren". - Auf Rügen leider ein "vertrautes" Bild, das auch den Gästen der Insel nicht entgehen dürfte...

Das auf Rügen schon "vertraute" Bild: Gefällte Bäume
Der Zeltplatz selbst wirbt auf seiner neuen Internetseite mit herrlichen Luftbildern zu flotter Musik. Aufgenommen wurden sie mit einer Drohne. Nur: Beim Anblick der Filmsequenzen man sich fragt, wie diese "fliegende Kamera" überhaupt in einem Vogelschutzgebiet aufsteigen konnte. Wissen wird es Jens Brauer. Er ist seit 2017 Betreiber des Campingplatzes Pritzwald. Übernommen hat er ein etwa acht Hektar großes Gelände. Dazu kamen etwa 100 Dauercamper, die schon seit 30 bis 40 Jahren kommen, wie eine lokale Zeitung zu berichten weiß. Doch auch hier soll sich einiges ändern: Denn 1/3 der Fläche will man überbauen. Auch hier! Und wenn man dem Medium glauben mag, soll auch hier der Baumbestand noch um 49% "ausgedünnt" werden. Das hieße, nun fällt jeder zweite Baum.

Campen unter Bäumen
Widerstand regt sich dagegen übrigens auch: Die Garzer Stadtverteterin Eicke Lüth (Freie Wählergemeinschaft Garz) hat eine Petition "Keine 44 Häuser auf dem Naturcampingplatz Pritzwald-Zicker" gegen die geplante Bebauung gestartet, wie "Rügennews" gestern bereits berichtete. An dieser Stelle soll sie auch demnächst persönlich zu Wort kommen.

Anmerkung: 
Noch bis zum 27. September 2018 liegt im Amt Bergen auf Rügen der Entwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 14 Z.2017 "Ferienpark Pritzwald" samt dazugehörigen Zeichnungen etc. zur Einsicht durch Bürger aus. (Online-Einsicht in aktuelle Beteiligungsverfahren)

Im Rahmen der öffentlichen Auslegung findet am Dienstag, den 4. September 2018, ab 18 Uhr eine Bürgerversammlung im Freizeitzentrum (An den Anlagen 11, Garz) statt.

Ob die Natur der Halbinsel Zudar eine Lobby hat? Die Antwort findet man auf der Seite der Petition "Keine 44 Häuser auf dem Naturcampingplatz Pritzwald-Zicker" 

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Campingplatz kann man Vögel aus der Ferne beobachten