Sonntag, 30. September 2018

TV-Tipp: Geheimnisvolles Stettin

Schöne Gebäude am Stettiner Heumarkt (Foto: © rbb/Esther Schwade)
Stettin (PA). Stettin, bis vor etwa 70 Jahren noch die flächenmäßig drittgrößte Stadt Deutschlands, rückte nach dem Ende des zweiten Weltkriegs in den Fokus der Weltpolitik. Die geopolitische Lage der Stadt an der Oder führte dabei zu deutsch-polnischen Auseinandersetzungen um die pommersche Landeshauptstadt und den sogenannten "Stettiner Zipfel", die erst mit dem Schweriner Grenzvertrag beigelegt werden konnten. Die Folge war die Vertreibung der deutschen Bewohner Stettins und schließlich fast dem Austausch der gesamten Bürger der Stadt. 

Während die vertriebenen Deutschen sich ihrer Wurzeln beraubt fühlten, konnten die neu angekommenen Polen lange Zeit keine Wurzeln schlagen. Als Nachbarn - dies und jenseits der Oder - begegnete man sich mit Mißtrauen, dass auch von dem Gedanken geprägt war: Werden die Deutschen nicht doch eines Tages wiederkommen?

Im Rahmen der Sendereihe "Geheimnisvolle Orte" steht dieses Mal Stettin im Mittelpunkt der Betrachtung: 

Die pommersche Landeshauptstadt hat dabei noch viele Spuren ihrer deutschen Vergangenheit aufzuzeigen: Einst wichtigster Hafen für Berlin, der schon 1843 mit einer Eisenbahnverbindung diese Bedeutung untermauerte, wurde er mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts auch zum Ziel vieler Berliner. Ihr Ziel? Die pommersche Ostseeküste, die Sommerfrische versprach. So ging es vom Ufer der Hakenterasse mit den Bäderdampfern auf die der Küste vorgelagerten Inseln Usedom und Rügen.

1936 wird auch die Autobahn zwischen Berlin und Stettin eröffnet und ließ schon bald die Hauptstadt auf etwa eine Stunde Fahrtzeit heranrücken. 1939 werden sogar 36 an Stettin grenzende Ortschaften eingemeindet. Groß Stettin entstand. Und als nur wenige Jahre später die Rote Armee die bereits schwer zerstörte Oder-Metropole überrollt, ist nach den Verhandlungen von Jalta und Potsdam doch zunächst klar: Stettin bleibt deutsch. Denn: Die neue Grenzziehung zwischen Deutschland und Polen soll sich am Verlauf der Oder orientieren, so hieß es damals. Stettin liegt diesseits der Oder und hat zu diesem Zeitpunkt wieder an die 90.000 Bürger, die täglich um tausende Rückkehrer anwuchs.

Zu dieser Zeit ist auch dem deutschen Bürgermeister, dem KPD-Politiker Erich Wiesner, unbekannt, dass Stalin bereits 1944 den polnischen Exil-Kommunisten Stettin versprochen hatte. Er kümmerte sich im Sommer 1945 zunächst um die Organisation des Alltags und dieser war - wie in Nürnberg, Dresden oder Berlin - vom Mangel und Unterversorgung geprägt. Parallel zur deutschen Stadtverwaltung wurde jedoch schon bald eine polnische Stadtverwaltung eingerichtet. 

Von den nun folgenden Wirren und Ängsten im Nachkriegs-Stettin berichten (vor dem beschriebenen Hintergrund) in der Fernseh-Dokumentation nun auch Zeitzeugen zu berichten. Stettin wurde, so ist den Aussagen zu entnehmen, zum "Eldorado" für Plünderern und Abenteurern. Nachrückende Polen und verbliebene Deutsche kämpfen Wand an Wand ums Überleben. 

Ein weitgehend unerzähltes Kapitel von Stettin, das nun Stück für Stück der Teil der Aufarbeitung der Geschichte wird. Der Film von Lutz Renner und Otto Sperlich wird am Dienstag, den 23. Oktober 2018, um 20.15 Uhr im rbb-Fernsehen gezeigt.

Wir danken für die Zuarbeit im Vorfeld zu dem TV-Tipp, der durch die Informationen des rbb möglich wurde.