Samstag, 1. September 2018

Von Goldeseln und toten Pferden...

Liebe Rüganer,
manchmal kann man sich nur wundern: In Sassnitz wird getreu dem Motto "Käpt´n Iglo liebt die einfachen Dinge und die Backfischstäbchen..." regiert. Das Problem ist nur, dass aus keinem Fischstäbchen mehr ein Fisch wird, selbst wenn er vom Kopf her stinken würde.

Und so muss man sich wohl sie Frage stellen, wie aus einem lebendigen Fisch mit seinem "FÜR" und "WIDER" nun ein bis zur Unkenntlichkeit eingedampftes Fischstäbchen entstehen konnte, wenn die Stadt allen Ernstes vorgibt, eine Broschüre den Bürgern in die Briefkästen zu werfen, die eine Entscheidungshilfe für den ersten Bürgerentscheid sein soll. Da hätte man genauso gut wieder die alte Wasserprawda - das Zentralorgan - auflegen können. Mit der Wahrheit nahm die es ebenfalls nicht so genau. Und wer nun glaubt, dass die Broschüre "Rügen auf dem Königsweg" (Der Titel könnte aus der Abteilung "Agitation und Propaganda" sein) aus Spenden der Nutznießer des Bauvorhabens finanziert wurde, der irrt. Bezahlt wird diese  Rechnung - wie die einer Planung der Schwebebrücke - letztlich durch die Sassnitzer. Es ist eben so: Nichts ist leichter als das Geld anderer Leute auszugeben.

Gelegenheit Maßstäbe für den ersten Bürgerentscheid zu setzen, gab es im Vorfeld genug. Beim ersten Treffen des Abstimmungsausschusses hätte man die Herausgabe einer Broschüre "Pro und Kontra zur geplanten Schwebebrücke am Königsstuhl" durch die Stadt besprechen können. Schließlich saß ein Vertreter der Bürgerinitiative, die den Bürgerentscheid auf den Weg gebracht hatte, mit am Tisch. Doch die Möglichkeit der gemeinsamen und ausgewogenen Darstellung der Argumente, die für und gegen eine Schwebebrücke sprechen, hat man nicht gesucht, so dass auch mit der nun gedruckten Broschüre kein Mehrwert für den Bürger entsteht, sondern allenfalls eine Belastungsprobe für den Papierkorb.

Fragwürdige Manipulation auf Kosten der Steuerzahler
Dass sich die Stadt nun, vor der zweiten Sitzung des Abstimmungsausschusses, dieser mehr als berechtigten Kritik aussetzen muss, ist das eine. Ob das Vertrauen in die Stadt und ihre Führung zurückgewonnen werden kann, ist das andere. Dabei schlägt sie sich auch inhaltlich auf die Seite derer, zu denen seit Jahren Millionenbeträge der Stadt abfließen, die man durchaus gut für die Sanierung von Gehwegen, Sportplätzen oder Turnhallen gebrauchen könnte. Es ist übrigens die Seite derer, die ebenfalls mit der Demokratie auf Kriegsfuß stehen, es sei denn, Entscheidungen fallen in ihrem Sinne. Vergessen wir nicht: Der WWF-Ehrenvorsitzende empfahl der Sassnitzer Stadtvertretung die Ablehnung des Bürgerentscheids!

Wer sich ernsthaft mit der Agitation "Rügen auf dem Königsweg" auseinandersetzt, dem bleibt nur die Erkenntnis, dass man sich früher hätte nicht wundern brauchen, wenn man mit solchen Aussagen als "Roßtäuscher" bezeichnet worden wäre. Diese besaßen damals die Fähigkeit aus alten Kleppern feurige Rappen zu machen. Der Schwindel flog in der Regel erst auf, nachdem der gutgläubige Bürger sich bekauft hatte. Hier ist der alte Klepper aber noch allemal gut genug, damit der Bürger weitere "Steuergroschen" nachwirft.

Beispielhaft soll hier auch ein Zitat aus der Broschüre zum Tragen kommen: "Die jetzigen Einnahmen reichen für die Unterhaltungskosten. Eine Erhöhung auf Grund des Baus ist nicht gegeben." Ja, welches Bauwerk lässt sich denn ohne Geld erhalten? Nicht mal beim Seesteg ist das gelungen. Der Lack ist ab und der Zutritt gesperrt - das nennt man dann "Sassnitzer Problemlösung".

Vielleicht sollte man sich einfach mal ehrlich machen. Sassnitz hat mehr als einen Schandfleck und mehr als eine Baustelle. Irgendwann ist es auch mal gut. Klar hat jeder Bürgermeister sein Steckenpferd, aber: "Ein totes Pferd sollte man nicht reiten!"

Hans Hegel

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