Samstag, 6. Oktober 2018

Auf den Hund gekommen...

Liebe Rüganer,
heute will ich Euch von der Gemeinde Aberwitz auf der schönen Insel Rügen berichten. Ich möchte schreiben, was sich dort zugetragen hat oder zugetragen haben könnte. Denn Aberwitz, auch wenn viele diesen Ort nicht zu kennen glauben, dürfte vielen doch bestens bekannt sein...

Die Gemeinde Aberwitz ist schon seit langem bekannt für ihren Hundestolz. Aus diesem Grunde wurde ihr auch eine uralte Hundehütte zum Ankauf angeboten. Da sie jedoch kein Geld hatte und das Land und dessen Regierende auch die Gemeinde Aberwitz nicht sonderlich mit finaziellen Segnungen bedachte, fiel ihr nur eine Lösung ein: Sie wendete sich an die internationale Wau-Wau-Freunde-Stiftung.

Die konnte sich dem Hilferuf nicht versagen und rief einen ihrer langjährigen Unterstützer, Cäsar, an. Der war als Hundefreund weit über die Grenzen seines Landes bekannt und wollte schon immer mal eine eigene "Hütte" haben, auf der sein Name in großen Lettern stehen sollte. Allerdings war Cäsar auch ein schlauer Geschäftsmann und dachte gar nicht daran, mehr als den Preis zum Ankauf der alten "Hütte" zu zahlen.

Das war jedoch kein Problem, denn wieder wusste die Wau-Wau-Freunde-Stiftung Rat. Sie rief den Gemeindevorsteher von Aberwitz an und sagte, dass ihr das Geld zum Ankauf von Cäsar gespendet werden könnte, wenn die Gemeinde Aberwitz die "Hütte" schick sanieren würde und den Namen "Cäsar" über den Eingang schreibt. "Oh mein Gott!" meinte der Gemeindvorsteher. Schließlich wäre das ja x-mal so teuer, wie der Ankauf! Und das Geld für die Sanierung? Das habe man erst recht nicht... Aber auch hier wußte die Wau-Wau-Freunde-Stiftung Rat. Einer der Minister, der gerne mit Spendierhosen durchs Land fuhr, um die Fördermittelbescheide im Lande zu verteilen, war ebenfalls ein Hunde-Freund. Er schuldete der Wau-Wau-Freunde-Stiftung noch einen großen Gefallen. Der sollte sich nun also auf eine Förderzusage von 90% der Sanierungskosten der "Hütte" belaufen - Geld, dass man aus den Börsen der steuerzahlenden Bürger zu nehmen gedachte. 

Nun würden also nur noch 10% der Sanierungskosten getragen werden müssen und auch hier zeichnete sich schon bald eine praktikable Lösung ab. Der Vorschlag kam dazu von dem Minister, der als Hunde-Freund bekannt war. Er meinte, es wäre doch das Klügste, wenn die Wau-Wau-Freunde-Stiftung und die Gemeinde Aberwitz einen gemeinnützigen "Hüttenverein" gründen würden, bei dem die Mehrheit des Stimmrechts auf die Wau-Wau-Freunde-Stiftung entfiele, die ja am besten wüßte, was auch für Hunde gut wäre. Und der neu gegründete "Hüttenverein" könnte dann den Eigenanteil der Gemeinde Aberwitz für die Sanierung aufbringen. Gesagt, getan! Nun mussten nur noch die Aberwitzigen Gemeinderatsmitglieder überzeugt werden. Und dafür hatte der Gemeinderatsvorsteher, der ganz aus der "Hütte" war, eine Rede geschrieben, die er ihnen nun mit Inbrunst vortrug:

"Liebe Aberwitzige, wie ihr alle wißt, ist unsere Liebe zu Hunden grenzenlos! Nun wurde uns die alte Hütte am Rand der Gemeinde zum Kauf angeboten. Ich weiß, was ihr jetzt denkt: Das können wir uns nicht leisten. Aber: Das ist nicht richtig! Dank einer großzügigen Spende von Cäsar ist der Kauf bereits abgesichert. Und: Ja, Ihr habt Recht! Natürlich muss die alte Hütte saniert werden. Und das soll sie auch! Und wieder werdet Ihr denken, dass dafür kein Geld da wäre, aber auch hier gibt es eine gute Nachricht. Stellt Euch vor: Ein Wunder ist geschehen! Wir brauchen fast nichts..."

Doch das Wort "dazubezahlen" ging bereits im grenzenlosen Jubel der Aberwitzigen Gemeinderatsmitglieder unter. Sie johlten, gröhlten, lachten und übertönten im Aberwitzigen Gemeindehaus dabei eine vorsichtige Frage, was das Ganze denn nun am Ende kosten würde. Klar war auch: Dies war einen Taschenspieler-Trick, denn die steuerzahlenden Bürger hatten die Kosten ja eh in Gänze zu berappen. Und da war es letztlich egal, ob das nun über die Gemeinde- oder über die Fördermittel-Töpfe ginge. Zudem schuldete die Gemeinde der Wau-Wau-Freunde-Stiftung nun einen Gefallen. Und es sollten schon bald weitere folgen...

Dann kam jedoch der Tag, an dem die Gemeinderatswahlen von Aberwitz anstanden. Die Bürger von Aberwitz hatten nach den vielen Jahren Tränen in den Augen, wenn man in die eigenen Geldbörsen schauten. Es gab´ nur noch wenig Anlaß zur Freude. Stattdessen fragten sich die Bürger, was ihre einst mit viel Vertrauensvorschuß gestarteten Ratsdamen- und -herren "geritten" hätte? Denn im Umfeld der Bürger hatte sich kaum etwas geändert...

Außerdem konnten die Bürger sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Verzahnung zwischen der Wau-Wau-Freunde-Stfitung und der Gemeinde Aberwitz so eng geworden schien, dass die Gemeindepolitik offensichtlich nicht mehr im Gemeindehaus sondern in Cäsar´s Hütte gemacht wurde. Und auch die Gemeinderatsmitgliedern von Aberwitz hatten über all ihrer Hundeliebe die Menschen, die sie einst wählten, völlig aus dem Blick verloren. Und viel zu Versprechen gab es zur neuen Wahl ebenfalls nun auch nicht, denn: Die bereits zugesagten Fördermittel des Landes kamen nicht. Die Gemeinde Aberwitz war bereits in Vorleistung gegangen und die Gemeindekasse war nun bereits gähnend leer. Nur eine neue Amtsperiode könnte diesen Umstand noch verdecken. Und um dann die Kasse wieder zu füllen, sollten noch einmal die Grundsteuern angehoben werden. Lediglich die Hundesteuer blieb ausgesetzt. Und so verwunderte es nicht, dass die Bürger spöttelten,  dass Aberwitz auf den Hund gekommen sei und der Gemeinderatsvorsteher und ihre Gemeinderatsmitglieder wie der Schwanz eines Hundes agiere, der auf den Namen "Cäsar" höre...

Mit satirischen Grüßen zum Wochenende!
Hans Hegel

PS:
Vor 1990 war Lobbyismus lt. dem Universallexikon (1988) des Bibliografischen Instituts ein "...verbreitetes System, mit dessen Hilfe sich kapitalistische Interessengruppen (große Industrie- und Bankenmonopole, Unternehmerverbände u.a.) unter Einsatz ihrer Agenten (Lobbyisten) durch Bestechung, Erpressung, Vergabe hochdotierter Beraterverträge u.a. Methoden Einfluß auf die Entscheidungen des Parlaments und die Regierungspolitik sichern (z.B. bei Verabschiedung von Gesetzen, Vergabe von Krediten, Rüstungsaufträgen, Subventionen, bei Nominierung einflußreicher Politiker) /// Nach 1990 war im Neuen Brockhaus (1991) dazu zu lesen: Gesamtheit der Lobbyisten, d.h. der Vertreter von Interessengruppen (->Pressure group), die versuchen, die Voksvertreter in ihrem Sinne zu beeinflußen (Lobbying)

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