Sonntag, 14. Oktober 2018

Die Bahn kommt! Nur wann?


Liebe Rüganer,
kennt Ihr den: "Die Bahn kommt!" Selten kam ein Witz auf Rügen mit drei Worten aus. Im Zweifel fährt Man(n) oder Frau nun also schon seit Wochen mit dem Bus. Aber: Egal, ob als Schienenersatzverkehr oder VVR - vornehmen sollte man sich beim öffentlichen Personennahverkehr besser nichts mehr...

Das der angebrochene Tag zum Abenteuer werden kann, merkt man übrigens, wenn der Busfahrer den Fahrgast nach dem Weg fragt. Also sorgt besser vor! Packt für unterwegs ein paar Schnittchen und eine Thermoskanne ein. So kann die Fahrt noch für alle Beteiligten zum echten Erlebnis werden. Seid dabei großzügig gegenüber dem Busfahrer! Erzählt ihm, wann ihr wo wieder abfahren wollt, damit er sich die Haltestelle besser merken kann. Und: Solltet Ihr derzeit etwas knapp bei Kasse sein, nutzt einfach den Schienenerstzverkehr. Wennnnn... der Schienenersatzverkehr den Bahnhof Eurer Wahl anfährt, ist die Fahrt in der Regel kostenfrei. Nachteil: Ihr müsst sagen, wo Ihr aussteigen wollt, weil der Fahrer bisweilen nur auf Anweisung handelt...

Abends vor dem Fernseher könnt Ihr Euch dann bekugeln, wenn in der "Tagesschau" noch davon fabuliert wird, dass der Nahverkehr kostenfrei werden soll. Ihr  wißt es besser: Im Kanzlerwahlkreis ist dies schon Realität! - Zugegeben, man kommt nicht immer da an, wo man hin will, trifft aber jede Menge netter Leute, die schließlich das gleiche Problem haben: Sie wollen von "A" nach "B".

Schönes Fotoobjekt aus Zeiten, als die Bahn noch pünktlich fuhr und hier hielt...
Das hat nun auch die Deutsche Bahn erkannt. Ihre Lösung etwa 180 Jahren "Probebetrieb"? Der "Deutschlandtakt"! Das klingt wie Walzer oder 3/4-Takt, ist aber wohl eher ein Blick zu den Wurzeln:

Am 7. Dezember 1835 begann man in Deutschland den Personenverkehr auf der Spurweite von 1435 mm (Normalspur) zwischen Nürnberg und Führt. Ob auch der erste Gütertransport (zwei Fässer Bier) am 11. Juni 1836 für den "Deutschlandtakt" eine Rolle spielte, ist allerdings schwer zu sagen. 

Aber lassen wir doch den Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zu Wort kommen: 

"Unser Zukunftsbündnis Schiene nimmt volle Fahrt auf. Gemeinsam wollen wir bis 2030 die Zahl der Fahrgäste verdoppeln und mehr Güter auf die Schiene holen. Und das bei gutem Service und hoher Qualität. Wir wollen den Wow-Effekt und Bahnfahren als Leidenschaft..."

Wer trotz dem Wow-Effekt noch auf Rügen Bahn fahren will, und nicht noch 12 Jahre warten will (es ist nicht davon auszugehen, dass die CSU dann noch einen Verkehrsminister stellt) und ein Gefühl dafür haben möchte, wie die Bahn in der Zukunft funktionieren soll, fährt mit dem "Rasenden Roland". 

Doch der äußere Schein trügt: Das Dach der Haltestelle ist marode, niemand fühlt sich offenbar zuständig...
Der hat saubere Plätze, kommt pünktlich und fährt in frisch polierten Wagen. Übrigens ist  der Betreiber auch auf der Strecke zwischen Lauterbach und Bergen unterwegs - und das ähnlich geräuschlos, sprich: zuverlässig! Einige können sich vielleicht noch erinnern: Wenn es nach den Berliner Schienen-Experten gegangen wäre, gäbe es diese Verbindung gar nicht mehr. Sie hätte auch weit aus attraktiver sein können, wenn man mit einer Verlegung des Haltepunktes von Pastitz (am Bahnübergang) nach Pastitz (am Dorf) zugestimmt hätte. So wäre nicht nur für die Bewohner ein Mehrwert geschaffen worden. Vielleicht hätte auch die Haltestelle (ein beliebtes und historisches Fotoobjekt) eine Zukunft gehabt. Nun wird dieses Denkmal der Bahngeschichte wohl einfach kaputtgehen, weil sich niemand zuständig zu fühlen scheint. Doch zurück zum Bahnbetrieb und zum Bundesverkehrsminister, den wir noch einmal zitieren wollen:

"Die Züge sind künftig öfter und schneller überall." 

Lieber Herr Scheuer, es würde schon reichen, wenn sie auf den Schienensträngen Deutschlands fahren und halten dürften, so wie es Sinn macht. Das wäre schon eine (R)evolution!

Hans Hegel

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