Montag, 15. Oktober 2018

Für dumm verkauft: Von der CO2-Emission...



Ein Gastbeitrag eines Sachverständigen* im Industrieservice eines der großen TÜV’s


"Warum wird man beim Thema CO2-Emission eigentlich immer für dumm verkauft?"

Soviel vorab – ich bin absolut für CO2-Einsparung. Aber für wirkliche Einsparung. Nach den Beschlüssen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes von Fahrzeugen kommt sofort wieder die Elektromobilität ins Gespräch.

Auch hier vorab: Ich bin nicht grundsätzlich gegen Elektromobilität.

Allerdings gebe ich zu bedenken: „Abgerechnet wird unter dem Strich.“ Und genau das tut man – so jedenfalls mein Eindruck – bei dieser Diskussion leider nicht.

Vergleichen wir zum Thema CO2 doch mal das Vorzeige-E-Auto von Tesla mit einem Diesel-PKW moderner Bauart in vergleichbarer Größe und Ausstattung.

Allein bei der Herstellung bläst man ungefähr die dreifache Menge an CO2 für einen Tesla gegenüber den modernen TDI’s in die Luft. Maßgeblich dafür sind die Akkus. Wenn man dann anhand der Verbräuche die CO2-Emissionen für den Betrieb berücksichtigt (auch der Strom aus der Steckdose ist nicht CO2-neutral), kommt man erst bei einer Laufleistung von ca. 100.000 km auf einen Gleichstand der Kontrahenten.

Der Witz dabei ist (und das ist wirklich nicht lustig), dass die Hochleistungsakkus des E-Autos keine 100.000 km halten. Mal ganz abgesehen davon, dass man bei der Rohstoffgewinnung für die Akkus dieser Fortbewegungsmittel unbeschreibliche Umweltsünden begeht und in Kauf nimmt…

Und hier beginnt für mich der Selbstbetrug, denn weder bei der Fahrt mit einem E-Auto oder an der Steckdose sehe ich, was wirklich läuft.

Das soll nun nicht so verstanden werden, dass ich hier die Dieseltechnologie bejubeln möchte – da gibt es ganz andere Technologien. Ob die jedoch politisch gewollt sind – ich weiß es nicht.

Ich finde nur einen Vergleich des angeblichen "Saubermanns" E-Auto mit dem "Schmutzfink der Nation" so schön plakativ.

Wenn wirklich massiv CO2 einspart werde soll, hat der Ausstoß von Fahrzeugen natürlich einen Anteil. Aber warum geht man nicht intensiv an die Großerzeuger von CO2? Das sind nicht nur Kraftwerke.

Zudem: Die Technologie, um CO2 aus den Abgasen größtenteils zu extrahieren und zu verflüssigen gibt es bereits. Wenn man dann die überschüssige Energie von z.B. Windkraftanlagen in belastungsschwachen Zeiten für die Erzeugung von Wasserstoff per Elektrolyse nutzt, gebe es bereits zwei super Voraussetzungen.
Längst gibt es ein Verfahren, bei dem aus Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff (H2) dann Methan (CH4) entsteht. Das Verfahren dafür heißt Methanisierung. Aber was ist Methan? Das farb- und geruchlose Gas ist der Hauptbestandteil von Erdgas. Und das ist nicht nur super transportier- oder speicherbar. Mehr noch: Es könnte ein fast CO2-neutraler Kreislauf entstehen.

Und das wäre, wenn man so richtige Großproduzenten von CO2 nahezu eliminiert, ein echter Fortschritt – oder?

Vielleicht gibt dieser Gedanke ja einen weiteren Anstoß, wirklich innovativen Lösungen Raum in der aktuellen Diskussion einzuräumen. Wir würden deswegen übrigens keine Arbeitsplätze verlieren müssen. Vorausgesetzt: Wir machen uns unabhängig und grün. Aber wollen wir das wirklich?
Wenn Politik und Industrie zu sehr miteinander verzahnt sind, fehlt oft der wirklich objektive Blick von Entscheidern.

In der Wirtschaft gibt es oft nur ein einziges Ziel – die Gewinnmaximierung. Die ist bis zu einem gewissen Punkt sogar völlig legitim. Es darf aber nicht das einzige Ziel sein.

Wenn Politiker das tun würden, wozu sie als Volksvertreter verpflichtet sind – das Volk vertreten – dann sollte einiges anders laufen.

Eines der größten Bremsen für echte Innovationen ist oft der politische Wille. Damit sich Politiker den qualifiziert bilden können, benötigen sie die dafür erforderlichen fachlichen Kompetenzen.

Die kann man sich einkaufen.

Wir haben genug top ausgebildete Ingenieure und Wissenschaftler in Deutschland. Aber was macht man – man holt sich diese Kompetenz aus der Industrie. Schließlich können ja Parteispenden und Jobs in Aufsichtsräten nicht ganz ohne Wirkung bleiben.

Dann läuft das, was wir unter dem Begriff Lobbyismus kennen. Selbst der ist nicht durchgängig schlecht – aber die Auswüchse sehen wir leider an ganz vielen Stellen – auch in Gesetzestexten.

*) Name der Redaktion bekannt und es handelt sich dabei um seine private Meinung