Samstag, 20. Oktober 2018

Interessantes über Selliner Seebrücken

Die Selliner Seebrücke in den Morgenstunden des Oktobers 2018
Wer kennt sie nicht? Die Selliner Seebrücke. Auch wenn für das heutige Bauwerk, was in den dunklen Stunden der Nacht sogar in seiner Shilouette beleuchtet wird, erst am 27. August 1992 der Grundstein gelegt wurde, so hat doch die Brücke an sich eine lange Tradition. Diese reicht bis in das Jahr 1906 als ihr Vorläufer, eine erste Landungsbrücke am Nordstrand eingeweiht wurde. Das Bauwerk selbst war damals etwa 508,50 Meter lang. Doch neben den hohen Baukosten fallen vor allem auch immer wieder Reparaturkosten an, die u.a. dem Sturm und Eisgang zuzuschreiben sind. Im Jahre 1912 belaufen sich diese sogar auf 9.000,- Reichsmark. Damals sollen sogar 40 Pfäle so stark beschädigt gewesen sein, dass neue eingerammt werden mussten.

1920 kommt es dann schließlich zu einem Brand. Der Brückenkopf und das Restaurant werden dabei in Schutt und Asche gelegt. Nur vier Jahre später wird auch der Rest ein Opfer der Naturgewalten. Unter dem Druck des Eises hält die Brücke - trotz schwerer Befestigung - nicht mehr stand. Wenn man einer örtlichen Berichterstattung glauben mag, hatten sich Teile der Brücke wohl auf der Höhe der Waldhalle vor der Küste der Granitz - zwischen Binz und Sellin - gefunden. Der dadurch erlittene Schaden ist immens und um einen Neubau überhaupt realisieren zu können, wird die Gründung einer Seebrückengesellschaft ins Auge gefaßt. Ihr Ziel? Der Wiederaufbau! Beteiligen will sich daran neben der Gemeinde Sellin auch die Reederei Braeunlich. Die Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F. Braeunlich existiert seit 1852 und hat u.a. neben der Postdamferlinie Sassnitz-Trelleborg eine Linie von Stettin über Rügen nach Bornholm und den Seebäderdienst zwischen Stettin und der Insel Rügen aufgenommen. Eine der Zwischenstationen des Seebäderdiestes ist dabei auch das Ostseebad Sellin. Dennoch ist man letztlich von Seiten der Gemeinde sogar auf einen Kredit und schließlich auch Spenden angewiesen, um den Brücken-Traum überhaupt erfüllen zu können. Diese wird jedoch erst vier Jahre später wieder dem Seeverkehr übergeben.

Die erste Seebrücke, die in Sellin am Strand errichtet wurde
Es folgen glückliche Jahre. Dazu gehören auch einige der Aufbauten, die noch beim heutigen Aufbau ein Vorbild gaben. Ein Musikpavillon, eine Konditorei und eine Lesehalle lassen die Seebrücke zudem zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens werden. Die Gäste der Bäderschiffe werden dabei von einem Selliner Eisbären begrüßt, der sich bei seiner Umarmung fotografieren lässt. Später können diese Schnappschüsse beim Fotohaus "Knospe" erworben werden. Daneben wird der schon bald bekannte Fotograf auch zu einer der wichtigsten Chronisten der Brücke werden. Denn als der Winter des Jahres 1941/1942 auch der Seebrücke zusetzt und die Reste mit den Aufbauten 1978 schließlich vollständig weichen muss, ist alles was von ihr bleibt eine Erinnerung auf alten Fotos.

Erst nach dem Ende der DDR nimmt die Gemeinde Sellin auch wieder ihren Brücken-Traum in Angriff. Gekostet soll der am Ende 20 Millionen Mark haben. Doch seither ist die Brücke wieder eines der beliebtesten Fotomotive und das Wahrzeichen des Seebades Sellin. Bei der Grundsteinlegung ist auch der Fotograf Hans Knospe (1899-1999) mit dabei. Auch für ihn ist damals ein Wunsch in Erfüllung gegangen. Die offizielle Einweihung erfolgte übrigens vor etwas über 20 Jahren - am 2. April 1998.
Die zweite Seebrücke, die in Sellin errichtet wurde und noch von vielen alten Postkarten (wie dieser) bekannt ist