Mittwoch, 31. Oktober 2018

Reformationstag: Wohin führt uns die Erinnerung?

Die Gustav-Adolf-Gedenkstätte in Lützen
Ein Erlebnisbericht von Norbert Dahms
Der Reformationstag - für viele von uns ein Feiertag, welchen wir gerne als arbeitsfreien Tag nutzen und in unserer Zeit eher an Helloween-Party denken. Wer sich jedoch etwas mehr mit der Geschichte der Reformation und ihrer Auswirkung auf Europa auseinandersetzt, der kommt an Lützen nicht vorbei. 

Der 1837 eingeweihte und nach Plänen Schinkels entstandene Baldachin, über dem "Schwedenstein"
Lützen ist ein kleiner Ort in Sachsen-Anhalt und hat doch eine Verbindung aus dem 30-jährigen Krieg bis heute. Hier fiel der schwedische König Gustav Adolf in der von ihm herbeigeführten Schlacht gegen die kaiserlischen Truppen Graf Albrecht von Wallenstein. 

Um die heutige Gedenkstätte zu Ehren von König Gustav Adolf II, ranken sich viele Geschichten. Nach der Schlacht, welche an sich nicht kriegsentscheidend sondern eher eine von vielen blutigen Schlachten des 30jährigen Krieges war, haben die engsten Gefolgsleute einen Findling in die Nähe des Ortes geschafft, an welchem König Gustav Adolf II am 06.November 1632 zu Tode kam.

Die Gustav-Adolf-Kapelle ist Teil der Anlage
Seit dem gilt dieser Ort über die Jahrhunderte als Wallfahrtsort für alle Protestanten. Im Jahr 1837 wurde der Gedenkstein mit einem Gußeisernen Baldachin überbaut. Erst im Jahre 1907 stiftete ein schwedischer Großhändler die Kapelle. In der jüngeren Vergangenheit konnte der schwedische Wächter von sich reden machen, indem er zum Ende des 2. Weltkrieges wegen der herannahenden amerikanischen Truppen das Gelände als schwedisches Hoheitsgebiet deklariert, um es vor der Zerstörung zu bewahren. 

Erinnerung an den 400. Geburtstag des schwedischen Königs
Gleiches versuchte er mit weniger Erfolg beim Herannahen der sowjetischen Armeen. In der kleinen Gedenkstätte werden via Audioguide in verschiedenen Sprachen die Einzelheiten zu den historischen Ort sehr detailliert beschrieben. Man taucht plötzlich in eine für uns längst vergangene Zeit ein, durchschreitet die Jahrhunderte und ist dann doch im hochaktuellen Heute. Einem Heute indem es wieder um Glaubenskriege, Konfessionen und Intoleranz geht. Diese Gedenkstätte sollte uns Mahnmal sein, uns unsere Geschichte hautnah erleben lassen und uns daran erinnern, was passiert, wenn Worte nicht mehr wichtig sind. Die Auswirkungen des 30jährigen Krieges spüren wir bis heute.

Vor der Büste des schwedischen Königs kann man bei der Gedenkstätte lesen:

WOHIN FÜHRT UNS DIE ERINNERUNG?
VART LEDER MINNET OSS?
WHERE DOES THE MEMORY LEAD US?

Blick in die Gustav-Adolf-Kapelle