Samstag, 27. Oktober 2018

Schon gelesen? (39): "Über den Schöpfer der Pomerania..."

Titel des Comic-Heftes "Johannes Bugenhagen - Die Reformation im Norden"
Manchmal muss man neue Wege gehen. Das dachte sich sicher auch die evangelische Kirche in Norddeutschland. Sie brachte bereits im letzten Jahr eine sehr gut gestaltete Bildgeschichte über den pommerschen Reformator Johannes Bugenhagen heraus, die in Form eines Comics erschien. Anlass war der 500. Jahrestag der Reformation der Kirche und diese begann mit dem eigenhändigen Anschlag von 95 Thesen durch Martin Luther an der Schlosskirche zu Wittenberg am 31. Oktober 1517 - dem heutigen Reformationstag. Aber was hat Johannes Bugenhagen mit Martin Luther zu tun? Und wer war Bugenhagen?

Diesen Fragen stellt sich das Comic-Heft "Johannes Bugenhagen - Die Reformation im Norden" auf unterhaltsame Weise. Bugenhagen wird am 24. Juni 1485 auf der Ostseeinsel Wollin - der Schwesterinsel Usedoms - geboren. Und hier fällt er als "Ein Schlauer Kopf" - so der Titel des ersten Kapitels - schnell auf und erfährt eine Förderung durch Maria, sie ist Äbstissin des örtlichen Klosters und die Schwester des pommerschen Herzog.

Mit dem Grundstudium in Greifswald legt so bereits frühzeitig den Grundstein für seinen späteren Aufstieg. Er wird zunächst Lehrer in Treptow an der Rega und kann auch schon bald die Schüler in seinen Bann ziehen. Der pommersche Herzog Bogislaw wird ebenfalls schnell auf den begabten jungen Mann aufmerksam und betraut ihn sogar mit einer heiklen Aufgabe: Bugenhagen soll durch die pommersche Provinz reisen und Unterlagen in den Archiven studieren, um um die "Pomerania" zu erstellen. So entsteht die erste zusammenhängende Darstellung zur pommerschen Geschichte.
"Ein schlauer Kopf" erregt Aufmerksamkeit und erfährt Förderung
Mit dem christlichen Glauben ist Bugenhagen natürlich vertraut, mehr noch: In Treptow an der Rega führt er als Rektor sogar ein neues Schulfach ein: Die Bibelkunde. Als er an einem Abend des Herbstes 1520 beim Treptower Pastor Otto Slutow zu Gast ist, kommt er dann erstmals mit den Abhandlungen Martin Luthers in Kontakt. Der Mönch Luther kritisiert vor allem, dass sich die Kirche nicht an die Bibel hält und macht auf vermeintliche Fehler aufmerksam, die er in seinen 95 Thesen zusammenfasst. Diese schlägt er schließlich am 31. Oktober 1517 an der Tür der Schloßkirche zu Wittenberg an. 

Bugenhagen hält Martin Luther jedoch zunächst für einen Ketzer, weil er davon ausgeht, dass Luther damit von der kirchlichen Lehre abweicht. Dann aber, liest er noch einmal die Texte Luthers und kommt zu einem anderen Ergebnis. Er schreibt Martin Luther und macht sich schließlich nach Wittenberg auf, um Teil der Reform-Bewegung in der Kirche zu werden. So werden Martin Luther und Johannes Bugenhagen letztlich auch "Freunde fürs Leben" - wie ein weiteres Kapitel heißt. Eindrücklich stellen die Bilder und knappen Texte nun dar, wie Bugenhagen nachhaltig die Gedanken der Reformation in den Norden bringt - nach Braunschweig, nach Hamburg und Lübeck.
Der Anschlag der 95 Thesen an der Schloßkirche zu Wittenberg wird auch hier thematisiert
1534 führt Bugenhagens Weg auch wieder in seine pommersche Heimat. Zunächst an die alte Wirkungsstätte Treptow an der Rega und im Jahr darauf auch nach Ueckermünde. Schließlich reist er für den pommerschen Herzog Philipp I. nach Torgau, um seinem Landesherrn zu einer sächsischen Prinzessin zu verhelfen. Als der dänische König Christian III. nach Bugenhagen ruft, um die Reformation auch nach Skandinavien zu bringen, folgt er diesem Wunsch. Mit dem Tode Martin Luthers am 18. Februar 1546 kehrt Johannes Bugenhagen schließlich an die "Wiege der Reformation" - nach Wittenberg - zurück. Hier wird sich sein Lebenskreis schließen...

Das leicht verständliche Comic-Heft ist ansprechend gestaltet und eine kurzweilige Lektüre für alle, die sich auf unkomplizierte Weise einen Überblick über Johannes Bugenhagens Lebensweg und Bedeutung für das Gelingen der Reformation machen wollen. Für Kinder und Jugendliche ist es ein guter Einstieg in die eigene Landesgeschichte. Sie dürfte vielleicht sogar neugierig machen, welche bedeutenden Persönlickeiten unser Land bereits hervorgebracht hat.

Zurück in der Heimat: Freundschaft mit dem pommerschen Herzog Philipp I.
Wir haben das Comic-Magazin mit seinen 30 Seiten (17x24 cm) im  in der Kirche von Altenkirchen entdeckt. Es wurde durch Johannes Saurer gestaltet. Die Texte dafür steuerte Ulrike Albers bei. Sie sind im Übrigen einfach geschrieben, was die Eingängigkeit dieser Geschichte befördert. Bestellungen sind beim Bestellservice der Nordkirche möglich, allerdings ist die Nachfrage bei den Kirchen des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises auf Rügen wohl schneller zu bewerkstelligen.

Bestellservice der Nordkirche

Die Wirkungsstätten des pommerschen Reformators Johannes Bugenhagen im Norden
   
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