Sonntag, 14. Oktober 2018

Unsere Inselfilme: "Die Degenhardts" (1944)

Titel des "Filmuriers" mit der Ankündigung des Streifens "Die Degenhardts"
Ein Gastbeitrag des Rügener Filmarchivs

Rügen. (IF) Seit über 100 Jahren werden Filme auf den Inseln Rügen und Hiddensee, sowie in der Hansestadt Stralsund gedreht wurden. Wir rufen einige von ihnen wieder in Erinnerung...

Zu den eher unbekannten Filmstreifen dürfte heute die Verfilmung von "Die Degenhardts" zählen. Die Ursache dafür ist einfach: Der Streifen wurde nach dem zweiten Weltkrieg als Propaganda-Film eingestuft und zählte so zu den über 100 Werken, die weder in Deutschland noch in Österreich gezeigt werden durften, weil sie aus Sicht der Alliierten den Nationalsozialismus und deren Ansichten verherrlichten. Sie sind heute auch als "verbotene" oder "bedingte" Filme bekannt. Allerdings hat die Firma Icestorm mit der DVD-Reihe "Brüche und Kontinuitäten" die Filme "Die Degenhardts" (Tobis, 1944) und "Razzia" (DEFA, 1947) auf einer DVD veröffentlicht. Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass bei beiden Filmen der Regisseur Werner Klingler war.

Inhaltlich geht es bei "Die Degenhardts" um die gleichnamige Familie, die in einer norddeutsche Hansestadt zu Hause ist. Der Vater - Karl Degenhardt - hat nach dem ersten Weltkrieg eine Anstellung im Gartenbaumat als Stadtobersekretär erhalten und gibt sich privat als Familienpatriach. Sehr zum Leidwesen seiner Frau, die zwar dessen Rolle akzeptiert, aber auch darunter leidet, denn: Sein Sohn Robert hat sich aus Liebe mit seinem Vater überworfen und ist erst bereit, das Elternhaus wieder zu betreten, wenn der Vater auch seine Frau akzeptiert. Als er zu seinem Geburtstag eine Einladung in den Sitzungssaal des Rathauses erhält, geht er davon aus, dass er endlich seine Beförderung erhält, doch stattdessen wird er in den Ruhestand verabschiedet.
Foto zum Aushang: Degenhardts Tochter lernt einen Arzt kennen
Die sich nun zuspitzende Situation ergibt sich aus den hohen Erwartungen, die auch innerhalb der Familie geweckt wurden. Sie wartet daheim, um mit Vater Degenhardt die Beförderung zu feiern. Das macht den Heimweg um so schwieriger - Der Stettiner Heinrich George, spielt die Rolle von Vater Karl Degenhardt, dabei glaubwürdig und bis zur Selbstverleugnung. Er versteckt sich sogar auf der Straße vor seinem Sohn. Zu groß sind Scham und Enttäuschung.

Als er letztlich doch bis in die Straße seines Hauses kommt, wird er nur noch von der Familie angetrieben. Alle Versuche, dass Mißverständnis noch aufzuklären und reinen Tisch zu machen, scheitern an der Freude der Familie, die ihn dabei kaum zu Wort kommen lässt, so dass er sich am Ende der Freude fügt um nicht zu enttäuschen. Selbst am Folgetag hält Vater Degenhardt die Lüge aufrecht. Wie immer verlässt er pünktlich das Haus und begibt sich auf seinen Weg zur Arbeit. Hier trifft er auf seinen jüngeren Kollegen, den er gerne mit seiner Tochter zusammengebracht hätte, und realisiert, dass dieser Zeitabschnitt vorbei ist. In einer Gaststätte trifft er schließlich auf seinen ehemaligen Vorgesetzten, dessen Stelle er zu übernehmen hoffte, und der ebenfalls - kurz vor ihm - verabschiedet wurde. Beide fügen sich zunächst in ihr altes Rollenspiel der Arbeit nahtlos ein, bis sie nüchtern feststellen, dass sie ja keinerlei Verantwortung mehr tragen. Auf dem Tiefpunkt bereits angekommen, realisiert Vater Degenhardt, dass ihm - im Gegensatz zu seinem ehemaligen - Vorgesetzten, der kurz daruf verstirbt - wenigstens noch die Familie geblieben ist. Der Schwindel fliegt zudem auf, weil er seine Aktentasche zu Hause vergass und seine Frau diese ihm zur Arbeit nachtragen wollte und hier erfährt, dass ihr Mann in den Ruhestand verabschiedet wurde.

Foto zum Aushang: Der Krieg macht auch vor der Hansestadt nicht halt
Eine Wendung nimmt der Film und damit das Schicksal der Familie chließlich als der Krieg ausbricht. Seine Söhne gehen zum Militär und Vater Degenhardt meldet sich nach einem Luftangriff freiwillig beim Rathaus. Hier darf er erneut seine Arbeit aufnehmen. Bereits zuvor schloß er auch Frieden innerhalb der Familie und bezieht die Frau von seinem Sohn Robert - die zwischenzeitlich ein Kind bekommen hat, dass seinen Namen trägt -  in diese mit ein.

Da die regionalen Bezüge des Films im Vordergrund der Betrachtung standen, ist vor allem auf die Drehorte in Stralsund - neben Lübeck und Lüneburg - zu verweisen: So werden u.a. die St. Marienkirche und die St. Jakobikirche in Stralsund gezeigt. Außerdem sind auch die Türen der Nikolaikirche deutlich zu erkennen. Überhaupt sind viele der Außenaufnahmen in Stralsund erfolgt, wie beispielsweise auch der Marsch von Soldaten durch das Kniepertor, als der Krieg ausbricht.

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Weitere Informationen zu bekannten Schauspielern:
Das Schauspiel-Schloß (1) / Das Schauspiel-Schloß (2) /

Unsere Inselfilme in chronologischer Reihenfolge ihrer Entstehung: 
"Pro Patria" (1910) / "Inge Larsen" (1923) / "F.P. 1 antwortet nicht" (1932) / "Lügen auf Rügen" (1932) / "Der Dschungel ruft" (1936) / "Brand im Ozean" (1939) / "Alarm auf Station III" (1939) / "Geheimakte W.B. I. (1941) / "Das Mädchen von Fanö" (1941) / "Opfergang" (1944) / "Die Degenhardts" (1944) / "Schatten über den Inseln" (1952) / "Genesung" (1955)"SAS 181 antwortet nicht" (1958) / "Im Sonderauftrag" (1959)"Hatifa - Abenteuer einer Sklavin" (1960) / "Ein Sommertag macht keine Liebe" (1960) / "Leuchtfeuer über Schnee und Eis" (1963) / "Die Hochzeit von Länneken" (1964) / "Die Reise nach Sundevit" (1966) / "Mitten im kalten Winter" (1968)"Die Heiden von Kummerow" (1968)"Heißer Sommer" (1968) / "Das unsichtbare Visier (1975) / "Suse, liebe Suse" (1975)"Tambari" (1976) / "Hiev up" (1978) / "Vergeltung" (1980) / "Vor meiner Zeit" (2001) / "Der Bernsteinfischer (2005)"Die Männer der Emden" (2014)

Wir danken für die Unterstützung:
der DEFA-Stiftung, dem Deutschen Rundfunkarchiv (DRA),
dem Rügener Filmarchiv, dem Studio Hamburg, der ARD und dem ZDF