Freitag, 9. November 2018

Offener Brief an Manuela Schwesig zum Königsstuhl

Der Königsstuhl: Ziel für viele, die den Nationalpark Jasmund besuchen


Die Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Frau Dr. Manuela Schwesig
-Staatskanzlei -
Schloßstraße 2-4
19053 Schwerin
06.November 2018

nachrichtlich an :
Umweltministerium Herrn Dr. Backhaus , Wirtschaftsministerium Herrn Glawe ,
Landrat Vorpommern Rügen Herrn Dr. Kerth , IHK zu Rostock Herrn Madsen ,
Bürgermeister der Stadt Sassnitz Herrn Kracht , Ostseezeitung Herrn Maik
Trettin , DPA

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin  Dr.Schwesig ,
auf Grund der nicht nur für uns als Vertreter der BI "Bewahrt Lohme" völlig unbefriedigenden Entwicklung des touristischen Angebots im Bereich Stubbenkammer / Königsstuhl möchten wir die Form des offenen Briefes nutzen, um Ihre Aufmerksamkeit auf diesen für MV wichtigen touristischen Standort zu lenken .

Nach Aussage der Nationalparkverwaltung besuchen jährlich mehr als 500.000 Menschen den Nationalpark Jasmund.
Das Highlight des Nationalparks ist der Königsstuhl!

Der separate Zugang zu diesem Wahrzeichen wurde im Jahre 2004 nur wenige Monate nach der Eröffnung des Nationalparkzentrums gesperrt. Seitdem sind auch Gäste, welche lediglich den Königsstuhl besuchen wollen , gezwungen den Besuch der Ausstellung mitzubezahlen. 

Dies mag in den ersten Jahren nach der NPZ-Eröffnung für den Erhalt der gGmbH notwendig gewesen sein ( Kreditverbindlichkeiten in Höhe von ca. 3 Mio Euro), doch mittlerweile leistet sich das NPZ sogar den Unterhalt des Weltnaturerbeforums.

Das nur etwa 50 % der Nationalparkbesucher das NPZ besuchen, zeigt, dass ein grosser Teil der Besucher dieses aufgezwungene Paketangebot nicht akzeptieren.

Ein weiteres Ärgernis ist , dass mit der Sperrung des separaten Zuganges zum Königsstuhl auch die einstmals öffentlichen Toiletten in diesem Bereich nur noch für NPZ-Besucher zugänglich sind. Andere öffentliche Toiletten existieren nicht.

Nachdem im Jahr 2016 nach einem relativ unbedeutenden Ereignis auch der Abstieg zum Strand gesperrt wurde, gibt es ausserhalb des NPZ nur noch ein besonderes  touristisches Angebot, die VIKTORIASICHT, welches aber außerhalb des NPZ überhaupt nicht beworben wird. Die gesamte Politik in diesem Bereich zielt darauf ab die Besucherströme zu kanalisieren (Aussage der Sprecherin des Umweltministeriums).
Auch die Verlegung der Bushaltestelle vor das NPZ ist ein weiterer Beleg dafür, dass dieser "Kanal" am Eingangstor des NPZ münden soll.

Die zunehmend schlechten Bewertungen von Touristen in verschiedenen Internetportalen und die Aussagen von Vermietern im Umfeld sollten allen Verantwortlichen zu denken geben. Der am Königsstuhl geplante "Königsweg" für ca. 7 Mio EUR kann das Grundproblem nicht lösen . Im Gegenteil, neben der Verschandelung des Wahrzeichens würde die geplante Streckenführung des "Königsweges" einen separaten Zugang zum Königsstuhl für immer verhindern.

Zur Gesamtsituation am Königsstuhl ergeben sich aus unserer Sicht folgende 3 Fragen:

1.Warum wurde keine kleinere und preisgünstigere Brückenvariante gewählt?

Eine Brücke auf den laut Aussage von Geologen sicheren Königsstuhl parallel zum derzeit vorhandenen Zugang (event. in Strukturleichtbauweise als Wabenkonstruktion) würde nur ein Bruchteil der für den Königsweg veranschlagten Kosten verursachen und sich wesentlich diskreter in das Landschaftsbild einfügen lassen.

2.Warum wird der Abstieg am Königsstuhl zum Strand nicht erneuert?

Ein Naturerlebnis - Angebot , welches bis zum Jahr 2016 jährlich von ca. 120.000 Gästen ( Aussage des Umweltministeriums ) gern wahr genommen wurde. Zu allen vom Umweltministerium bisher geäußerten Bedenken gibt es fraglos Lösungen, wenn es denn politisch gewollt wäre. Sogar das Argument, dass der Strand am möglichen unteren Ausgangspunkt einer neuen Treppe zu flach und zu schmal wäre, liesse sich mit einer Steinpackung - welche gleichzeitig diesen Hangbereich vor Ausspülung schützen würde – entkräften.

Uns ist sehr wohl bewusst , dass sich dieser Bereich im Weltnaturerbegebiet befindet - wie gesagt: es ist kein technisches, sondern ein politisches Problem .

3.Warum akzeptiert die Landesregierung auch noch nach 14 Jahren die permanente Sperrung des separaten Zugangs zum Königsstuhl und damit das Fehlen von öffentlichen Toiletten im Bereich Stubbenkammer / Königsstuhl?

Diese "Geiselhaft" des Königsstuhl`s durch die NPZ gGmbH ist das grösste Ärgernis der Besucher. Eine Lösung, welche einen akzeptablen Eintrittspreis zum Königsstuhl beinhaltet, würde wahrscheinlich nicht nur die Besucherzahlen auf dem Königsstuhl erhöhen, sondern auch die Attraktivität und damit die Bewertungen der Besucher des Standortes verbessern.

Wir begrüßen die Bereitschaft der Landesregierung MV 7 Mio. EUR am Königsstuhl zu investieren. Eine weit geringere Summe würde ausreichen, um nicht nur eine neue Brücke auf den Königsstuhl, sondern auch einen neuen Abstieg – inclusive aller dafür erforderlichen baulichen Maßnahmen im Hangfußbereich – zu realisieren.

Es ist jedoch nicht zu akzeptieren, dass die gute Lobbyarbeit des WWF dazu führt, dass wieder einmal ein Großprojekt der NPZ gGmbH mit mehren Millionen Euro vom Steuerzahler finanziert werden soll, ohne damit die eigentlichen Probleme zu lösen  bzw. Wünsche und Bedürfnisse der Menschen im Bereich Stubbenkammer / Königsstuhl zu befriedigen. Auf Grund der Betriebsform des NPZ wird nie auch nur 1 Euro Einkommenssteuer von dort in die Landeskasse zurückfliessen.

Die Unterzeichner wurden von der Gemeindevertretung Lohme beauftragt, alle möglichen Aktivitäten zu unternehmen, um einen Abstieg am Königsstuhl zu erreichen. Wir wären Ihnen sehr verbunden, wenn wir mit unseren Ausführungen erreichen konnten, mit Ihnen und allen für diese Problematik zuständigen Entscheidungsträgern ins Gespräch zu kommen. 

Wir bitten Sie, uns in unseren  Bemühungen zur nachhaltigen Verbesserung der Gesamtsituation im Bereich Stubbenkammer / Königsstuhl zu unterstützen.

Hochachtungsvoll
im Auftrag der BI "Bewahrt Lohme"

Burkhard Rahn        Jörg Burwitz