Sonntag, 18. November 2018

Keine Angst vorm Frieden!


Liebe Rüganer,
viele von uns kennen keine Kriege. Alles was wir davon wissen, haben wir vielfach erst in Büchern gelesen, auf Fotos oder in Filmen gesehen und vielleicht von Zeitzeugen gehört. Und: Am Anfang stand dabei meist eine Lüge - Irgendwer hat immer zuerst "zurückgeschossen"...

Heute, am Volkstrauertag, wurde auch auf der Insel Rügen der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Und an Denkmäler für Kriege und ihre Opfer fehlt es auf Rügen wahrlich nicht. In Putbus zum Beispiel wird gleich an mehrere Kriege erinnert: Den Deutsch-Dänischen Krieg (1864), den Deutschen Krieg (1866), den Deutsch-Französischen Krieg (1870/71), den ersten Weltkrieg und den zweiten Weltkrieg...

Das Denkmal für die Kriege zwischen 1864 und 1871
Das der zweite Weltkrieg noch präsent ist, wird wohl vor allem der Tatsache geschuldet sein, dass viele, die heute auf der Insel Rügen leben, diesen oder zumindest die schweren Nachkriegsjahre noch bewußt miterlebt haben. Für einige bedeutete dieser letzte Krieg zudem nicht nur den Verlust eines geliebten Menschen sondern daneben die eigene Entwurzelung von der Heimat oder einen Bruch in der Biografie. Heute geht man davon aus, dass mehr als die Hälfte der Bewohner unserer Insel ihre Wurzeln in den Gebieten von jenseits der Oder und Neiße haben. Dies allein macht deutlich, wie gewaltig nicht nur die Opferzahlen der Soldaten sondern auch die Umbrüche für die Hinterbliebenen gewesen sind. Und nicht zu vergessen: Die unzähligen Opfer einer Willkür, die nach der Aussetzung des Rechts vor und nach dem Kriege möglich wurde.
Das Kriegerdenkmal am Schwanenteich im Putbusser Park
Und: Auch nach dem zweiten Weltkrieg ging es einfach nicht ohne Waffen. Wieder wurden junge Männer rekrutiert, standen sich in zwei deutschen Armeen (Bundeswehr und Nationale Volksarmee) gegenüber und sollten die Waffen im Ernstfall gegeneinander richten. Zentraleuropa war bei den "Sandkastenspielen" der Mächtigen von NATO und Waschauer Vertrag längst zum kommenden Schlachtfeld bestimmt worden. Eines war dabei klar: Unsere Heimat wäre nach nuklearen Schlägen wohl kaum wiederzuerkennen gewesen. Das Glück des Mauerfalls und der Einheit vereitelten jedoch am Ende diese Vorbestimmung.
Gedenkstein für die Opfer von Krieg und Gewalt sowie für die Gefallenen des zweiten Weltkrieges
Wer nun jedoch die Hoffnung hegte, dass Deutschland eine Friedensmacht und vielleicht sogar ein ehrlicher Makler zwischen Ost und West würde, musste sich schon bald getäuscht sehen. Ende der 90er Jahre begründeten der Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) und Außenminister Joschka Fischer (Bündnis 90 / Die Grünen) mit dem sogenannten "Hufeisenplan" den ersten Kriegseinsatz deutscher Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg. Die 2001 gesendete WDR-Dokumentation „Es begann mit einer Lüge“ entlarvte die Begründung als das, was sie war. Und dennoch folgten weitere Kriegseinsätze. Plötzlich musste die "Demokratie" sogar da verteidigt werden, wo es sie nie gab: Am Hindukusch...
Gedenkstein für die Gefallenen des ersten Weltkrieges
Wir haben bis heute keine Ahnung, wie viele Kriegstote Deutschland seit dem Mauerfall 1989 zu beklagen hat. Welchen Sinn ihr Tod wirklich hatte, blieb uns unerschlossen. Wer kennt schon die Namen dieser Opfer? Und warum haben sie keine Gesichter mehr? Wer trauert eigentlich um sie? Warum dürfen sie nicht in "Kriegen" sondern müssen sie in "Konflikten" gestorben sein?
Wir sollten beginnen uns endlich ehrlich zu machen. Vielleicht ist der Volkstrauertag ein guter Tag dazu. Neben dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt sollten wir auch eine andere Erfahrung setzen, die nicht selbstverständlich ist:

Vor dem Frieden brauchen wir keine Angst zu haben! Um diesen Frieden in unserem Land (auf eignem Boden) zu schützen, benötigen wir "Bürger in Uniform". Damit sie diese Aufgabe erfüllen können, benötigen sie genauso ihre Ausstattung und Wertschätzung, wie Polizei oder Feuerwehr. Ich muss dabei immer an den "Bewaffneten Frieden", ein Gedicht von Wilhelm Busch, denken. Vielleicht kennt Ihr es noch...

Ganz unverhofft, an einem Hügel,
Sind sich begegnet Fuchs und Igel.
»Halt«, rief der Fuchs, »du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
Der immer noch gerüstet geht? -
Im Namen Seiner Majestät,
Geh her und übergib dein Fell!«
Der Igel sprach: »Nur nicht so schnell!
Laß dir erst deine Zähne brechen,
Dann wollen wir uns weitersprechen.«
Und alsogleich macht er sich rund,
Schließt seinen dichten Stachelbund
Und trotzt getrost der ganzen Welt,
Bewaffnet, doch als Friedensheld.


Mit friedlichen Grüßen!
Hans Hegel

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