Sonntag, 11. November 2018

Zum 170. Geburtstag von Hans Delbrück

Der Rüganer Hans Delbrück (Foto: Otto Becker & Maas, 1902 in Berlin)
Bergen (PA). Der Rüganer Hans Delbrück erblickte genau vor 170 Jahren, am 11. November 1848, in Bergen das Licht der Welt. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Greifswald studierte er ab 1868 Geschichte und Philosophie in Heidelberg und Bonn am Rhein.
Im Deutsch-Französischen Krieg hatte er zwischenzeitlich als Freiwilliger teilgenommen. Dies mag nicht unbedeutend für seine spätere Entwicklung zum Militärhistoriker gewesen sein. Hier gelang es ihm neue Maßstäbe zu setzen, da er eine kritische Analyse vollzog, die neben der Untersuchung der Quellen auch Rahmenbedingungen - wie Demografie und Ökonomie - einbezog.

Dabei dürften in seinem Werk vor allem die "Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte" in vier Bänden - vom Altertum (1900) bis in die Neuzeit (1908) - sowie die Abhandlungen zu Neidhardt von Gneisenau, der im pommerschen Kolberg zu Bekanntheit kam, auch heute noch als bedeutend eingeordnet werden. Gerade in der "Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte" unterscheidet er die Niederwerfungs- und Ermattungsstrategie. Inhaltlich betrachtete er die Kriegsführung als ein kulturelles Merkmal von Gesellschaften, das der Evolution unterworfen und von der Wirtschaft und dem politischen System beeinflusst wurde. 

Der Militärhistoriker und -theoretiker hatte 1873 bei Heinrich von Sybel „über die Glaubwürdigkeit Lamprechts von Hersfeld“ zum Dr. phil. promoviert. 1881 folgte seine Habilitation an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin in allgemeiner Geschichte.

Politisch war Hans Delbrück als Freikonservativer von 1882 bis 1885 Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und von 1884 bis 1890 auch Reichstagsabgeordneter.

Hans Delbrück gehört zur weitverzweigten Familie Delbrück, deren Mitglieder als Juristen, Wissenschaftler, Banker und Politiker Bekanntheit erlangten. So war sein Bruder Max Delbrück (1850-1919), der ebenfalls in Bergen geboren wurde, Chemiker und Bakteriologe. Sein Cousin Berthold Delbrück (1842-1922) kam im benachbarten Putbus zur Welt und wurde später ein bedeutender Sprachwissenschaftler, der die vergleichende Syntax der indogermanischen Sprachfamilie begründete.