Montag, 5. November 2018

Zum 440. Geburtstag: Georg Valentin v. Winther

Bildnis von Georg Valentin  von Winther (1578-1623) von einem unbekannten Maler
Stettin (PA). Mit dem 5. November 2018 jährte sich auch der 440. Geburtstag eines pommerschen Chronisten, der wohl den Wenigsten seiner Landsleute heute noch bekannt sein dürfte: Georg Valentin von Winter. Geboren wurde er am bereits erwähnten 5. November des Jahres 1578 als Sohn des Bürgermeisters Georg W. von Winter und seiner Frau Anna in Treptow an der Rega. Über seine Kindheit in der pommerschen Stadt an der Rega, die nur etwa 30 Kilometer von Kolberg und vielleicht 100 Kilometer von Stettin entfernt liegt, ist recht wenig überliefert.

Viele der Darstellungen beginnen dann auch erst im jugendlichen Alter, wo er 1593 die Greifswalder Stadtschule und anschließend - ab 1595 - das Gymnasium in Lübeck besucht haben soll. Bereits nach zwei weiteren Jahren kehrte er in die Heimat zurück und begann an der pommerschen Landesuniversität Greifswalt die Rechte zu studieren. Als jedoch auch hier die Pest ausgebrochen sei, wechselte er nach Wittenberg, die Stadt die auch als Wiege der Reformationsbewegung Martin Luthers galt und wo auch schon sein Landsmann Johannes Bugenhagen neben Treptow an der Rega wirkte. Weitere Studienaufenthalte soll es daneben auch in Leipzig, Jena, Erfurt, Marburg, Heidelberg und Straßburg gegeben haben.

Praktische Anwendung seines Wissens ermöglichte ihm das Reichskammergericht zu Speyer, eine Stätte, die als freie Reichsstadt einer der bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen war. Sich anschließende Reisen durch Europa führten ihn u.a. in die Niederlanden, nach Frankreich, nach England aber auch in die Schweiz.

1606 kehrte er schließlich in seine pommersche Heimat zurück und trat hier in die Dienste des Herzogs von Pommern-Stettin Philipp II. (1573-1618) ein. Der Landesherr, der heute als einer der kunstsinnigster Regenten der Greifen-Dynastie gilt, machte ihn zum herzoglichen Rat. Allerdings musste Valentin von Winter dafür als Doktor der Rechtswissenschaften promovieren, was ihm 1608 an der altehrwürdigen Universität Basel möglich war. 1608 bis 1609 begleitete er dann Georg II. (1582-1617), einen der jüngeren Brüder des pommerschen Herzogs, bei seiner Reise nach Italien und erhielt das kleine Comitiv, ein terretorial begrenztes und nicht erbliches Privileg. Mit seiner Rückkehr trat er wieder in seine alte Stellung ein und heiratete Clara von Grabow, die aus einem alten Adelsgeschlecht stammte, dass seinen Ursprung in Pommern hatte und aus dem bereits Arnoldus und Luderus des Grabowe als Urkundenzeugen für den pommerschen Herzog Bogislaw IV. (1278-1309) auftraten.

Zwei Jahre darauf verhandelte er 1612 in Posen u.a. die Schiffahrt auf der Warthe und 1614 war er Unterhändler einer Brautwerbung des pommerschen Herzogs von Pommern-Stettin, Bogislaw XIV. (1580-1637) um die Hand von Elisabeth von Schleswig-Holstein-Sonderburg (1580-1653), die der Greifen-Herzog auch 1615 heiraten sollte und die als letzte pommersche Herzögin in die Geschichte einging, da die Ehe kinderlos blieb. Die spätere Herzögin, deren Schwester Sofia bereits mit dem Herzog von Pommern-Stettin Philipp II. (1573-1618) verheiratet war, gilt übrigens auch als Stifterin des legendären Rügenwalder Silberaltars der Rügenwalder Marienkirche (1944 soll er im Tresor der Kreissparkasse in Schlawe verwahrt, dort aber am Ende des Zweiten Weltkriegs geraubt sein. Teile wurden in den 50er Jahren wieder aufgefunden und sind heute im Museum in Stolp ausgestellt.)

Bedeutung kommt Georg Valentin v. Winther vor allem zu, weil ihn noch Herzog Philipp II. mit dem Schreiben einer pommerschen Chronik ("Pomeranographia, Annales Pomeranici" bzw. "Balthus Pomeranicus") beauftragte. Das Ziel galt dabei der geographischen und historischen Erforschung des Landes, um ein Geschichtswerk zu schaffen, welches in Latein geschrieben werden sollte. Angedacht waren dabei vier Teile. Im ersten Teil sollte es um eine Beschreibung des Landes gehen, im zweiten Teil um die Familiengeschichte der Greifen-Dynastie, im dritten Teil um eine Wappendarstellung des pommerschen Adels und im vierten Teil um eine Abhandlung der pommerschen Städte. So steuerte Eilhard Lubin seine große Landkarte von Pommern mit den herzoglichen Portraits, den Städteansichten, den Wappen der adeligen Geschlechter und dem lateinischen Text für Winther's Werk bei. Daneben soll auch Peter Woidtke hydrographische Beschreibungen zugearbeitet haben. Auch sandten Beamte mehrerer Ämter ihre Beiträge ein und Paul Bolduan, Pastor zu Stolp, sowie Andreas Hiltebrandt, Arzt in Stettin, verfaßten dafür Genealogien. Die Arbeiten, die dazu 1613 begannen, wurden mit dem Tode Georg Valentin v. Winthers, am 16. März 1623 in Stettin, eingestellt. Heute nimmt man an, dass die Originale der Ergebnisse dieser Arbeit mit der Vernichtung der Lettow'schen Bibliothek - in deren Bestand das Werk durch Erbschaft der Familie von Lettow in Broitz (zwischen Greifenberg und Pinnow) gegangen sein soll - verloren gegangen sind. Inhaltliche Teile wurden nur durch Abschriften überliefert. Außerdem gab es im 18. Jahrhundert Auszüge dieser Arbeit, die durch die Historiker Franz Woken (1685-1734) und Johann Carl Dähnert (1719-1785) veröffentlicht wurden.