Dienstag, 6. November 2018

Zwischen Sund und Kap Arkona (38)

Das Ziel unseres heutigen Streifzuges: Der "Himmel" von Silmenitz
Ein Beitrag von Torsten Seegert

Wer sich von Garz, der ältesten Stadt der Insel, zu Fuß in Richtung Süden aufmacht, muss ein besonderes Ziel haben. Und in der Tat: Heute wollen wir auf unseren Streifzügen über die Insel in den "Himmel". Er befindet sich nur unweit von Silmenitz und das dürfte dann doch zunächst für einiges Stirnrunzeln sorgen...

Die Allee in Richtung Groß Schoritz
Wer der Hauptverkehrsrichtung in Richtung Zudar folgt und zunächst die Allee linker Hand in Richtung Groß Schoritz einschlägt, braucht allerdings auf "Schusters Rappen" bereits etwas über eine Stunde um zum Geburtshaus des großen Sohns der Insel, Ernst Moritz Arndt, zu kommen. Das Gutshaus, in welchem der Rüganer einst das Licht der Welt erblickte, präsentiert sich wieder mit einer schönen weißen Fassade. 

Das Geburtshaus von Ernst Moritz Arndt steht direktan der Straße nach Silmenitz
Am vergangenen 18. Oktober jährte sich übrigens die Enthüllung der der Gedenktafel zum 105. Male, die noch heute an der Außenfassade an Ernst Moritz Arndt erinnert. Der Überlieferung nach, soll die Frau des ehemaligen Pächters, Frau Ilse Weißenborn, mit einer Spende eines Österreichers von 3 Mark mit der Sammlung dafür begonnen haben, was sich aber doch als sehr langfristiges Unterfangen gestaltete und erst nach einem Aufruf in Zeitungen noch einmal großen Widerhall fand. Am Ende kamen 1.431,49 Mark zusammen und dafür schuf der Bildhauer Carl Brasch aus Berlin-Charlottenburg dann das bekannte Relief in Bronze. Aber dies sei nur am Rande erwähnt, da wir dem Gutshaus bereits einen unserer Streifzüge widmeten.

Blick nach Silmenitz
Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir schließlich den Ort Silmenitz. Während der Ort direkt vor uns liegt, schweift der Blick noch einmal nach Stall und über die Schoritzer Wiek. Der Ort selbst war als Gutsweiler angelegt worden und fand erstmals im Jahre 1318 Erwähnung. Er gehörte schon seit Urzeiten zu den Schoritzer Gütern und befand sich über den längsten Zeitraum im Besitz der Familie von Kahlden. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts änderte sich dies, als ein Verkauf an die Familie von Löwen und schließlich an das Haus Putbus erfolgte. Diese verpachteten ihr Land u.a. auch an den Vater von Ernst Moritz Arndt.

Der "Himmel" von Silmenitz ist ein Großsteingrab - rechts am Weg nach Dumsevitz
Zu den Rüganern die ebenfalls in Bezug auf Silmenitz noch Erwähnung finden sollten zählt der Maler Günter Riechert, der hier am 3. Januar 1929 geboren wurde. Seinen ersten Malunterricht erhielt er beim Kunstprofessor des Putbusser Pädagogiums Heinrich Schulz. Zunächst ausgebildet zum Maler, sollte er nach dem zweiten Weltkrieg seine Berufung in der Kunst finden. Neben seiner Tätigkeit als Theatermaler in Putbus, wandte er sich verstärkt der Malerei und Grafik zu und leitete später sogar einen Zirkel am Kreiskulturhaus in Bergen. Dem Silmenitzer, der seit 1936 in Putbus lebt, wurde u.a. auch der Filmstreifen "Begegnungen mit einem Volkskünstler" (1981) gewidmet.

Knorrige Eichen prägen den Hügel
Unweit des Dorfausgangs in Richtung Dumsevitz liegt nun links vom Weg das Ziel unseres Streifzuges: Der "Himmel" von Silmenitz. Das so bezeichnete Hügelgrab ist etwa sieben Meter hoch. Zudem erstreckt es sich sehr weit als Hügel und wie viele andere vergleichbare Gräber der Insel fällt es durch seine plötzliche Erhebung aus der Landschaft auf. Vielfach lässt sich dabei auch hier nur erahnen, ob sich unter dem zum Teil mit einer Hecke und knorrigen Eichen bewachsenen Hügel noch ein intaktes Großsteingrab befindet.

Blick zum Weg von Dumsevitz
Andererseits würde das nun als "Himmel" von Silmenitz bekannte Bodendenkmal sicher auch viel von seiner Urwüchsigkeit und Beliebtheit als Motiv zahlreicher Maler und Fotografen einbüssen, die diesen schönen Weg durch eine idyllische Landschaft auf sich nehmen. Hier also - nur etwa 200 Meter - vom Flecken Silmenitz entfernt, findet der auf einem Streifzug befindliche Wanderer auch eine Bank zum Rasten vor. Dabei lässt es sich getrost darüber nachdenken, wie alt wohl dieses Zeugnis unser Vorfahren sein könnte. Ob es aus der Bronzezeit stammt? Wer weiß?

Blick zur Spitze der alten Eiche auf dem "Himmel"
Den Rückweg nach Garz tritt man vielleicht über Dumsevitz an - etwas über eine Stunde. Noch eines sei dabei erwähnt: Mit diesem Streifzug wandelt man auf einem Teil der Insel, der weitestgehend die Kindheit des bereits erwähnten Rüganers Ernst Moritz Arndt prägte. "Mit anderen Augen - auf den Spuren von Ernst Moritz Arndt" war dann auch der Titel einer Sonderausstellung im Arndt-Museum der ältesten Stadt Rügens. Dabei begab sich die britische Malerin und Schriftstellerin Evelyn G. Lohmann auf eine ganz eigene Reflektion. Eine weitere Reflektion könnten die "Märchen und Jugenderinnerungen" von Arndt selbst bieten. Empfehlen lassen sich dazu die Geschichten von den sieben bunten Mäusen, dem Schatz im Poltenbusch oder zum Grab Klaus Störtebekers...

---

Weitere Beiträge aus der Reihe "Zwischen Sund und Kap Arkona" mit den Orten von A-Z:

Altenkirchen (32) /Kap Arkona (4) / Baaber Heide (12)Bergen (9) / Boldevitz (2)  / Dumgenevitz (18)  / Garz (10) / Groß Stresow (15)  / Groß Schoritz (14) / Lancken-Granitz (22) /  Lauterbach (13) / Maltzien (32) / Middelhagen (24) / Nadelitz (29) / Neukamp (21)Neu Mukran (8)Pansevitz (17) / Patzig (37) / Plüggentin (35) / Posewald (16) Ralow (3) / Rugard (7) / Ruschvitz (31) / Samtens (34) / Semper (5) / Silmenitz (38) / Silvitz (27) / Spycker (11) / Streu (20)Swantow (1) / Thiessow (25) / Üselitz (19) / Venz (6) / Vilmnitz (28) / Waase (30) / Woorke (36) / Zirkow (26)

Extra-Folgen: 
Die Müther-Bauten auf der Insel Rügen (in Baabe, Binz, Borchtitz, Buschvitz, Gingst, Glowe, Sassnitz und Sellin)

Weitere Artikel zu den Großsteingräbern sind unter der Kurzserie "Romantisches Rügen" erschienen:
Die Großssteingräber von Lonvitz, Lancken Granitz, Dwasieden und Lauterbach