Dienstag, 25. Dezember 2018

Die "Zwölften" und was es damit auf sich hat...

"Winterlandschaft" (1810) von Caspar David Friedrich
Ein Beitrag von Torsten Seegert

Was sind die "Zwölften"? Diese Frage beantwortete der Rüganer Dr. Alfred Haas - der sich der Dokumentation verschiedener Insel-Sitten und -Bräuche in den zwölf Nächten, die zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag lagen, annahm - so...
"Es ist die Zeit, die bei unseren heidnischen Vorfahren als die heiligste Festzeit im ganzen Jahr betrachtet wurde: die Arbeit ruhte alsdann, und jung und alt ergaben sich uneingeschränkter Festesfeier..."

Doch so einfach war das natürlich nicht, denn auch hier gab es viele Regeln zu beachten. So durften Hülsenfrüchte, wie Erbsen oder Bohnen, nicht gekocht werden, denn sonst würde man sich die Krätze, Ausschlag oder Geschwüre holen. Besser wäre es stattdessen, so die Empfehlung - die man auf Rügen über Generationen weiter gab - wenn man in den "Zwölften" Kohl essen würde. Wer besipeilsweise am Neujahrstag Rotkohl zu sich nehme, würde im folgenden Jahr immer Goldgeld in der Tasche tragen. 

Auch solle man in den letzten Tagen des Jahres kein Brot backen, weil dieses ohnehin leichter schimmeln würde. Das bedeutete aber nicht sich einzuschränken. Im Gegenteil: Selbst bei den Tieren sollte man recht großzügig sein und beispielsweise den Pferden mehr Hafer in die Krippe oder den Schweinen mehr Schrot in den Trog geben. Und wer von der Rückkehr des Wolfes in den letzten Jahren hörte, dem sollte auch dabei geläufig sein, dass man seinen Namen nicht nennen würde, damit er sich nichts holt! Besser wäre es in diesem Falle von ihm als "dat Undiert" oder "dem Feldhund" zu sprechen.

Da viele Rüganer noch im letzten Jahrhundert von der Landwirtschaft lebten, gab es auch hier einige gute Ratschläge, die überliefert wurden. So sollte man keineswegs Löcher in die Erde graben, um Kartoffeln noch einzulagern, weil diese Löcher das Grab eines Familienmitgliedes bedeuten würden. Dies sei auch der Grund, warum Kartoffelmieten während der Zwölften nie geöffnet wurden. Auch die Tierhaltung unterwarf amn diesen ungeschriebenen Regeln. So durfte Asche in dieser Zeit auch nicht aus dem Haus - und Mist nicht vom Gehöft geschafft - werden, da dieser "Twölften-Meß" ("Zwölften-Mist") den bösen Geistern die Gewalt über das Vieh geben würde, so dass es dadurch krank würde. 

Auch wurden Vorder- und Hintertüren von Häusern geöffnet und der Flur beleuchtet. Man nahm an, dass der "Wilde Jäger" - der "Wode" - so ungehindert durchziehen könne. Andere hielten dagegen aber zu den "Zwölften" die Häuser fest verschlossen, um dem Nachtjäger bei seinen Umzügen gar nicht erst Zugang zu gewähren. Der "Wilde Jäger", der auf einem achtfüßigen Schimmel daher komme, beschützt von Raben und begleitet von Wölfen, treibt dabei zur Mittwinterzeit sein Unwesen. Gerade in den Rauhnächten hieß es so seit Jahrhunderten: "De Wode is ünnerwegs..."   

Bei uns, im Land am Meer, wird der "Wilde Jäger" im Jahre 1640 erstmals von Mikraelius erwähnt. Er weiß aus dem Jahre 1636 in seiner Abhandlung vom "Alten Pommernland" zu berichten:

"Auch ist ein großer Kennlicher Reuter mit etlichen Hunden am Stricke von etlichen Bawer-Mägden in der Luft mit großem Schrecken gesehen worde... Wer diese Zeichen in den Winde schlaget, ward wahrlich kein Menschen´, ich geschweige Christen-Herzen in seinem Leibe.."

Manche der sich mit den "Zwölften" verbindenden Überlieferungen sind auch sehr eigen in ihrem Ergebnis. So gab es Friedhöfe, auf denen man damals zwischen Weihnachten und Neujahr Beerdigungen vermied, weil es hieß, dass es dann viele Leichen im kommenden Jahr geben würde. Woanders meinte man, wenn zwischen Weihnachten und Neujahr ein Bewohner des Dorfes sterbe, würden im Folgejahr zwölf Bewohner des Ortes aus dem Leben treten. Überhaupt sei auch nicht unerwähnt, dass man zudem annahm, dass die Verstorbenen in der heiligen Festzeit auf die Erde zurück kämen, um in den ihnen vertrauten Kirchen und Kapellen Festgottesdienste abzuhalten. Dies geschehe in der Christ- oder der Silvesternacht. Nur: Für einen Lebenden sei es gefährlich diesen Gottesdiensten der Toten beizuwohnen.

Aber auch Gutes lässt sich ableiten, denn was man in den zwölf Nächten träumt, soll im Laufe des nächten Jahres in Erfüllung gehen. Was man in der ersten Nacht, also vom Heiligabend zum 1. Weihnachtsfeiertag träumt, passiert beispielsweise im ersten Monat des neuen Jahres. Was man vom 1. auf den 2. Weihnachtsfeiertag träumt, geschient im zweiten Monat des neuen Jahres, u.s.w. Ähnliche Bezüge werden auch zum Wetter im neuen Jahr gesetzt. Dies ist der Grund, warum man früher genau notierte, welches Wetter an den zwöf Tagen herrschte, um dann Rückschlüsse auf das kommende Jahr zu ziehen. Auch hier gibt es jedoch Widersprüche: Denn wenn beispielsweise der siebente Tag trocken sei, müsste demnach der Juli des kommenden Jahres auch selbiges sein. Allerdings gab es auch Aussagen, wonach immer das Gegenteil eintrete...


(Inhaltliche Anleihen aus dem Buch "Pommersche Weihnacht")  

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