Mittwoch, 26. Dezember 2018

Ernst Moritz Arndt: Zum Geburtstag!


LieberRüganer,
an ihm schieden sich schon zu Lebzeiten die Geister: Ernst Moritz Arndt (1769-1860). Rügens berühmtester Sohn scheint bis heute "quicklebendig" zu sein! Noch immer vermag er Debatten auszulösen, wie in diesem Jahr, als es um die Ablegung seines Namens bei der Universität Greifswald ging. Die einen nannten sich - in dem ursprünglich über die Wochenzeitung "Die Zeit", die derzeit selbst mit der eigenen Glaubwürdigkeit ringt, ausgelösten Namenstreit - schlicht Arndt-Gegner, die anderen Arndt-Befürworter. Ohne Arndt aber, konnten beide nicht! Der Rüganer musste schließlich als Projektionsfläche für Meinung und Interpretation in Politik und Gesellschaft herhalten.

Eigentlich hätte der Name des Rüganers der Universität damit auch weiterhin gut zu Gesicht gestanden, als ideale Reibefläche für den Zeitgeist. Doch in einer Zeit, wo der Geist mancher Senatoren, das Risiko - vielleicht aus Angst vor dem Karriereknick oder dem Verzicht auf die vom Steuerzahler gut bezahlten Löhne - zu vermeiden weiß, ist es schon mutig genug gegen "untote Dinosaurier" zu kämpfen. Zugegeben, Arndt hätte es viel leichter haben können! Stattdessen gab er zu allem und jedem "seinen Senf" dazu. So war und blieb er - immer etwas ungestüm und gerade heraus. Eben ein Rüganer und keineswegs ein Diplomat oder Schmeichler der Mächtigen, wie Goethe ("Ich will gerne gestehen, daß mir in meinem Leben nichts Höheres und Erfreulicheres begegnen konnte, als vor dem französischen Kaiser und zwar auf eine solche Weise zu stehen."). Gerade dies ließ Arndt diesen letzten "Bildersturm", der nun schon seit weit über einem Jahrzehnt anhält, nicht spurlos an ihm vorüber ziehen...

Andt im Osten: Universallexikon des Bibliographischen Instituts Leipzig in 5 Bänden (1988)
Und: Schon damals heulte der Zeitgeist lieber mit den Mächtigen. Die Befreiungskriege gegen Napoleon aber gingen von den unterdrückten Völkern Europas aus. Arndt, der sich als Mann aus dem Volk verstand, fand dafür vielleicht die treffendsten Worte und brachte so wohl einen Teil der Lunte zum Glimmen, die letztlich das zusammengeraubte Imperium dem großen Usopator Napoleon Bonaparte (1769-1821) um die Ohren fliegen ließ. So dürfte Ernst Moritz Arndt wenigstens auch von seinen Gegnern mehr Mut zugestanden werden, als jenen, die beispielsweise vor den Napoleonern, Sowjets oder Amis buckelten. Vergessen wir nicht! Schill verlor noch nach seinem  Tod 1809 in Stralsund den Kopf. Beim Umgang mit toten Gegnern waren die Napoleoner also auch nicht gerade zimperlich! Heute nennt man die aufstachelnden Worte gegen die Besatzungsmacht also "Franzosenhass". Das wenigstens klingt wie der Vorwurf von "Antiamerikanismus", wenn es um Kritik an den Vereinigten Staaten geht.  Ja, darf man das? Wohl nicht, außer es geht um Donald Trump...

Arndt im Westen: Eintrag in "Der Neue Brockhaus", Lexikon u. Wörterbuch in 5 Bänden (1991)
Das wirft auch die Frage auf, ob der Einheitsgedanke in den Jahrzehnten der Spaltung Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg genauso gewesen wäre ohne Arndt? Unabhängig davon: In Ost (auf Rügen vor allem mit seinem "Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen" und den Märchen) und West blieb er im Gedächtis durch sein Werk, wobei sich jede Seite seinen "eigenen" Arndt bastelte. Die Gedankenbreite Arndts ließ schon in der Zeit des Nationalsozialismus den Mißbrauch seines Namens problemlos zu. Der Autor war tot, konnte sich nicht mehr zu Wort melden. Vergessen wird dabei allerdings, dass man weder im Nationalsozialismus noch im Sozialismus eine Arndt-Gesellschaft zuließ. Zu groß war schon damals die Angst der neuen Machthaber um die Deutungshoheit über Arndts Werk. Dies ist heute zum Glück anders: Es ist möglich über seine Texte, seine Wirkung und die Folgen frei zu streiten und zu debattieren. Es gibt eine Arndt-Gesellschaft, die dies befördert und seine Texte sind für jederman frei im Internet zugänglich. Außerdem: An dem Namensstreit hätte wohl auch der Rüganer seinen Spaß gehabt, erst recht bei den Protagonisten, die man dazu auflaufen ließ. Sein Spott blieb ihnen dank ihrer späten Geburt erspart.

Heute hat dieser berühmteste Rüganer also seinen Geburtstag. Am 26. Dezember 1769 erblickte Ernst Moritz Arndt in Groß Schoritz auf der Insel Rügen das Licht der Welt. Dazu: Herzlichen Glückwunsch! Möge er weiter den Zeitgeist und alle die ihm verfallen foppen. Das macht ihn für die einen lesenswert und für die anderen als "Feindbild" unsterblich...

Und dies scheinen die besten Zutaten für das Arndt-Jahr 2019 zu sein!

Hans Hegel

--- 

Lesen Sie auch:  
"Keine Angst vorm Frieden!" (18. November 2018) / "Die Bahn kommt. Nur wann?" (14. Oktober 2018) / "Auf den Hund gekommen" (6. Oktober 2018) / "Kruso - Gestrandet vor Rügen" (29. September 2018) / "Des Sonnenkönigs neue Kleider" (22. September 2018) / "Von Goldeseln und toten Pferden" (1. September 2018) / "Wie kauft man eine Insel?" (25.08.2018) / "Goldgräber-Stimmung am Strelasund" (15.08.2018) /"Zensur: Adam und Eva auf Rügen" (04.08.2018) / "Aus Sorge um die Kanzlerin..." (22. Juli 2018) / "Wer hat den Größten?" (16. Juli 2018) / "Rote Karte für (Schein-)Demokraten?" (03. Juli 2018) / "Wenn Lügen kurze Beine haben..." (24. Juni 2018) / "Königsstuhl: Bis die "Bombe" platzt..." (19. Juni 2018) / "Der Fall Juliane und der "Maulkorberlass" (17. Juni 2018) / "Rügen als verkehrsberuhigte Zone" (09. Juni 2018) / "Landratswahl: Ulrich auf Rügen ein Sieger..." (29. Mai 2018) / "Die Qual der Wahl" (26. Mai 2018)"Kein Wort bricht das Schweigen..." (18. Mai 2018)"Wenn der Pott aber nun ein Loch hat..." (6. Mai 2018) / "Rügen wird vermüllt, laut und miefig" (28. April 2018) / "Wenn Wahlen zu Gewinnspielen werden... (22. April 2018) / "Alles tanzt nach meiner Pfeife" (14. April 2018) / "Was ich heute Till Backhaus schrieb..." (6. April 2018) / "Ein "Panda" lädt sich ein..." (30. März 2018) / "Angela Merkel - Rügens letzte Rache?" (18. März 2018) / "Rügen schafft sich ab!" (10. März 2018) / "Der König und sein Stuhlgang" (2. März 2018) / "Von Chaos, Clowns und Helden" (24. Februar 2018) / "Wir brauchen keine Lügen mehr!" (17. Februar 2018) /  Vergesst mich nicht!" (9. Februar 1918) / "Make Sassnitz great again!" (4. Februar 2018) / "Was haben Rügen + Sizilien gemeinsam?" (26. Januar 2018) / "Wer den Bock zum Gärtner macht" (15. Januar 2018) / "Vermisst! - Wo ist mein Kind?" (12. Januar 2018) / "Alle Jahre wieder..." (7. Januar 2018) /  "Oh Du Fröhliche..." (26. Dezember 2017) oder "Der Zauber von Schnee" (18. Dezember 2017)

(Die von den einzelnen Autoren veröffentlichten Texte, Leserbriefe und Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder)