Mittwoch, 12. Dezember 2018

Sassnitz-Trelleborg: Kein Schiff wird kommen!

Bald wohl nur noch eine Erinnerung an andere Zeiten
Sassnitz (SAS). Am Dienstag, den 11. Dezember 2018, berichtete Bürgermeister, Frank Kracht, auf der letzten Stadtvertretersitzung des Jahres 2018 im Zuge seines Berichtes über wahrgenommene und geplante Termine auch über eine Mitte Dezember 2018 vorgesehene Überfahrt nach Trelleborg. Im Zusammenhang mit dem Besuch der Partnerstadt ist u.a. auch ein Gespräch mit dem neuen Stadtpräsidenten Trelleborgs vorgesehen, dann wolle man wieder nach Sassnitz zurück und er fügte in einem Nebensatz an, dass dies noch möglich sei, dann jedoch das Fährschiff "Sassnitz" nicht mehr Sassnitz anlaufen würde...

Rückblick: Die Reederei Stena Line, die neben der Linie Sassnitz-Trelleborg auch die weitere Fährverbindung Rostock-Trelleborg betreibt, verabschiedete sich Stück für Stück von der als Königslinie (schwedisch "Kungslinjen") bezeichneten Eisenbahnfährverbindung, die dieser Tage noch Sassnitz mit Südschweden verbindet. Im April 2014 gab man so beispielsweise bekannt, dass keine Eisenbahnwaggons mehr von Sassnitz nach Skandinavien verschifft würden. Der Eisenbahnverkehr, so Stena Lines damals, werde Mitte ab Juni 2014 nach Rostock verlagert. Ursache für die Verlagerung seien die sinkenden Frachtzahlen auf der Fährstrecke Sassnitz-Trelleborg. 2012 hätte man noch 31.000 Waggons auf der Strecke verschifft, 2013 wären es nur noch 20.000 gewesen. Nun, so die Reederei damals, wolle man in Sassnitz stärker auf den Passagierverkehr setzen und das touristische Angebot ausbauen. Immerhin würde man nun täglich drei Überfahrten nach Schweden bieten.

Das schien auch zunächst Erfolg zu haben, denn im Januar 2017 berichtete man, dass der Ein-Schiff-Betrieb auf der Route zwischen Sassnitz und Trellborg effektiver geworden sei. Die Touristenströme zwischen Südschweden und Rügen wüchsen und der Bordershop hätte sich als gute Einnahmequelle weiterentwickelt. 

Im Frühjahr diesen Jahres klang das allerdings bereits etwas anders: Nun wurde berichtet, dass zwischen Sassnitz und Trelleborg nur noch gut 296.000 Fahrgäste reisten, was einem Rückgang der Passagiere von 4 % entspräche. Ebenfalls sei die Zahl der PKW auf 108.000 zurückgegangen, also ebenfalls um 4 %. Als Ursache sah man seitens der Reederei den starken Wettbewerb in der Region an.

Ein Teil zur veränderten Gewichtung in diesem Wettbewerb trug Stena Lines bei. Nachdem das Fährschiff "Trelleborg" bereits 2014 abgezogen wurde, kündigte man bereits Mitte diesen Jahres den teilweise Abzug des Fährschiffes "Sassnitz" an.  Schon ab September 2018 sollte  die Fähre, so die Ankündigung, an ausgewählten Tagen zusätzlich zwischen Rostock und Trelleborg eingesetzt werden. Schon damals war klar, dass dies den Standort Sassnitz und damit die Fährverbindung von Rügen nach Trelleborg weiter schwächen würde. Gerade für Rügen hat dies wesentlihe Folgen, denn: Im Gegensatz zu allen anderen konkurrierenden Fährverbindungen nach Schweden, erfreut sich diese Linie bei unseren schwedischen Nachbarn großer Beliebtheit. Das musste auch Stena Line 2017 einräumen, denn 70% (!) der Reisenden zwischen Trelleborg und Sassnitz sind Schweden.

Eigentlich ist die sogenannte "Königslinie"  mit einer Fahrtzeit von etwa vier Stunden die kürzeste direkte Fährverbindung zwischen Deutschland und Schweden. Doch Könige gibt es nicht mehr! Und der Fährverkehr zwischen Sassnitz und Trelleborg, welcher selbst in beiden Weltkriegen aufrechterhalten wurde, hat heute keine Lobby mehr - weder in der Politik noch in der Wirtschaft, den Tourismus eingeschlossen.

Der von Rostock aus betriebene Fährverkehr von Deutschland nach Skandinavien erfolgte zwischen 1903 und 1995 zwischen Warnemünde und Gedser (Dänemark).  Im August 1990 wurde eine Lkw-Fährverbindung von Trelleborg nach Rostock eingerichtet, die aus wirtschaftlichen Gründen (!) am 19. April 1991 wieder eingestellt wurde. Nachdem 1992 eine Fährverbindung für PKWs erneut eingerichtet wurde, erfolgte 1994 die Aufnahme einer Eisenbahnfährverbindung zwischen Rostock und Trelleborg. Sie wurde möglich, weil ein neues Fährterminal gebaut worden war. Dafür gab es entsprechende Unterstützung.

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Weitere Informatinen zum Thema:
"Sassnitz-Trelleborg: Kein Schiff wird kommen!" (12.12.2018)
"Stena Line zur Zukunft der Linie Sassnitz-Trelleborg" (13.12.2018) 
"Was bedeutet der 1. Mai für Sassnitz?" (1.05.2017) 
"Rügen als Brückenkopf nach Schweden" (12. Januar 2017) 
"Ein Winterurlaub in Südschweden" (6.12.2007)