Sonntag, 2. Dezember 2018

Vorweihnachtliche Notizen (1)

Ein helles Licht lässt die Blüte der "Weihnachtsrose" strahlen
Ein Beitrag von Torsten Seegert

Als vor einigen Jahren die Idee reifte, mit dem Buch "Pommerschen Weihnacht" einen Beitrag zur Bewahrung des kulturellen Erbes unserer Heimat zu leisten, hatten Wolfgang Schneider und ich noch keinerlei Vorstellungen davon, worauf wir uns dabei einlassen würden. Am Ende bewegten sich dann sogar an die 160 Seiten um einen Rückblick und eine Wiederentdeckung in besinnlicher Zeit.

Angefangen von den Vorboten der Weihnacht oder einem Beitrag zu den Adventsschuhen ging es dabei aber auch immer um ganz praktische Anwendungen, die sich in Anleitungen niederschlugen. Eine davon ist die "Weihnachtsrose", die auch gerne als "Pommersche Rose" bezeichnet wird. In der Literatur soll sie bereits um 1124 Erwähnung gefunden haben.

In jener Zeit Zeit bereiste Otto von Bamberg, der Apostel von Pommern, das "Land am Meer" und versuchte unsere Vorfahren zum christlichen Glauben zu bekehren. Keine einfache Sache, denn wie wir heute wissen, fielen viele wieder vom neuen Glauben ab und huldigten stattdessen den alten Götzen, wie Swantewit. Und so soll sich damals die folgende Geschichte zugetragen haben:

In einer pommerschen Siedlung hing ein alter Mann dem christlichen Glauben heimlich an. Doch als er verraten wurde, ließen ihn die heidnischen Priester gefangen nehmen und verurteilten ihn zum Tode. Dann warfen sie ihn am Heiligen Abend in den Kerker. Die Priester lachten nur und meinten, wenn über Nacht bei eisiger Kälte Blumen blühen würden, dann solle er nicht sterben und alle Anwohner der Siedlung wären sicher bereit den neuen Glauben anzunehmen. So blieb dem Alten nur das Beten. Der Morgen kam und die Sonne ging auf, als man den Mann zum Richtplatz führte. Dort, wo er an einer alten knorrigen Eiche aufgeknüpft werden sollte, standen auf einmal jedoch viele rote Christrosen.

Man erzählte sich später, dass ein seltener Vogel, der um die Weihnachtszeit nistete, einen Samen der Christrose aus dem Süden an die pommersche Küste gebracht hätte und die Saat über Nacht aufgegangen wäre. Wie dem auch sei... Das Wunder, dass die Schaulustigen zu sehen bekammen, soll sie dazu bewogen haben, die heidnischen Priester zu verjagen und die christliche Lehre anzunehmen, die Otto von Bamberg brachte.

Seit jener Zeit - so wird es gerne mit einem Augenzwinkern erzählt - blühen die Christrosen bei uns auch mitten im Winter, weshalb sie auch "Weihnachtsrosen" genannt werden. Zugegeben: Oft wird dabei auch nachgeholfen. Denn manches Weinglas erhält nun eine Beklebung mit roten Rosenblättern, die zuvor aus Krepppapier ausgeschnitten wurden. Umwickelt mit grünem Krepp blühen sie auch in den eigenen vier Wänden schnell und lassen ein Wunder geschehen. Und wenn es dann schon am späten Nachmittag dunkel wird, erhellt ein Teelicht die Blüte der "Pommerschen Rose". - Vielleicht nicht nur eine schöne Geschichte sondern auch eine dekorative Anregung in der vorweihnachtlichen Zeit.

(Inhaltliche Anleihen aus dem Buch "Pommersche Weihnacht")

Die "Pommersche Rose" gefertigt von RHA-Glasdesign