Sonntag, 9. Dezember 2018

Vorweihnachtliche Notizen (2)

Blick zum Alten Markt in Stralsund

Ein Beitrag von Torsten Seegert

Über pommersche Weihnachstmärkte auf der Insel Rügen oder dem Festland lässt sich viel schreiben. Zu den bekanntesten Märkten, die dazu auch noch über eine lange Tradition verfügen, zählt wohl der Stralsunder Weihnachtsmarkt.
Wer sich am 2. Advent diesen Jahres nach Stralsund aufmachte, dürfte wohl vor allem ein besseres Wetter vermisst haben. Dabei hat es schon Schlimmeres gegeben: So berichtete die "Sundine", einst ein populäres Unterhaltungsblatt Neu-Vorpommerns, vom Stralsunder Weihnachtsmarkt des Jahres 1843. Es gab Herbstgewittern mit Blitz und Donner. Und: Schon damals hatten natürlich die Buden jenes Marktes unter den orkanartigen Winden zu leiden, zumal dieser in jener Zeit auch noch die Ziegel von den Dächern riß. Das tat den Besuchen der Gäste des Weihnachtsmarktes allerdings keinen Abbruch, auch wenn angemerkt wurde, dass die Gäste vor allem aus Stralsund waren. 


Ein breites Angebot zum Essen und Trinken gibt es auf dem Alten Markt
 1840 warb übrigens ein Drehorgellied sogar für den Stralsunder Weihnachtsmarkt. Ein Textauszug:

"...Kommt Ihr Leut` herangelaufen,
kommt nach Stralsunds schöne Stadt,
wer zum Weihnacht noch will kaufen,
und noch Geld im Beutel hat,
Alt und jung ist voller Freud`,
man trifft da vergnügte Leut`
lustig wogt es dort umher,
durch die Straßen kreuz und quer.
Und alles was von Hamburg kommt,
das muß gestempelt sein..."

Und die Nachfrage gibt es nach einem Weihnachtsmarkt bis heute. In Stralsund findet man dabei inzwischen gleich drei Märkte. Wer den Weihnachtsrummel sucht, orientiert sich dabei wahrscheinlich eher in Richtung Neuem Markt, wo man sich traditionell vergnügen kann. Schausteller laden hier u.a. in Schießbuden, allerlei Fahrgeschäfte oder zu einer Tombola ein.

Die Krippe mit dem Christkind
Ganz im Gegensatz dazu präsentiert sich der Rathauskeller, der auf 1.500 Quadratmetern (so die Werbung) vor allem dem Kunsthandwerk Raum zur Ausstellung gibt. Das Angebot ist vielfältig und Menschen drängen in das unterirdische Gewölbe, vielleicht auch, weil es draußen immer noch naßkaltes Wetter ist. Hier trocknen dann auch ganz nebenbei die Oberflächen der gefütterten Jacken. Die Luft ist angenehm warm und vor allem ist das Gewölbe trocken! Kein Wunder, dass sich auch hier in einer Abseite die Krippe im Stroh findet, wo gerade das Christkind geboren wird...

Und natürlich darf auch hier - direkt gegenüber dem Eingang zum Keller - das Vergnügen nicht fehlen: Eine Eisbahn lädt dazu ein, seine Runden zu ziehen. Während sich die jüngsten "Sternchen" auf dem Eis an einem Pinguin festhalten, um mehr Gleichgewicht in ihre Bewegungen zu bekommen, sausen die erfahrenen Eisläufer schon mit Eleganz über die kalte weiße Oberfläche. Auch die Temperaturen und das Wetter setzen der Fläche zu. Längst staut sich wieder ein  dünner Wasserfilm auf dem Eis. Wohl dem, der auf zwei Kufen laufen kann. Den anderen bleibt nur, sich am Zuschauen zu erfreuen. Übrigens können kleine Eisläuferinnen und -läufer nach einer Voranmeldung die Eisbahn von 11 bis 14 Uhr kostenlos nutzen.

Rund um den Eisstern ziehen die Läufer ihre Runden
Neben dem Weihnachtkontor, dass vor allem lokale Besonderheiten bietet, finden sich auf dem Alten Markt beispielsweise auch ein klassisches Kinderkarussel, die bereits erwähnte Eisbahn und vor allem viele Dinge zum Naschen, Schlemmen oder Verkosten. Und da jeder einen anderen Geschmack hat, ist auch hier eine Vielfalt gegeben. 

Dazu kommt aber eine schöne Kulisse für die Weihnachtstanne und die große Platzmöbelierung: Die Schaufassade des Stralsunder Rathauses mit der anliegenden Nikolaikirche. Insgeheim mag man sich fragen, wie schön die Stimmung wohl gewesen wäre, wenn viele kleine Schneeflöckchen den Marktplatz in ein frisches Weiß gehüllt hätten. Doch da wir Rüganer ja immer noch auf die Insel zurück müssen, nehmen wir das warme Winterwetter gerne in Kauf...

(Inhaltliche Anleihen aus dem Buch "Pommersche Weihnacht")  

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Mehr zum Thema:

Blick auf die Schaufassade des Rathauses und die Nikolaikirche