Samstag, 15. Dezember 2018

Sind unsere Windkraftanlagen wirklich sicher?

Michael vom Baur, Stellv. Landesvorsitzender der FDP (Foto: M.v.Baur)
Rostock (PA). Wir stellten unsere Fragen zu den Windkraftanlagen an Michael vom Baur. Er ist der Stellvertretende Landesvorsitzende der Freien Demokraten (FDP) und hat den Vorsitz im Parteiausschuss Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und Energie. Bereits seit Monaten fordert seine Partei einen Windrad-TÜV, denn angesichts von Bränden, Flügel- und Gondelhavarien an den Windkraftanlagen, wie beispielsweise in Süderholz (Landkreis Vorpommern-Rügen), scheint eine „regelmäßigen Überwachung und Zertifizierung” aus Sicht der FDP unumgänglich. Dabei geht es auch um das Risiko für Menschen und Bauten. Nun gibt es im Landtag einen aktuellen Antrag (7/2909) der Fraktion Freie Wähler / BMV, der die Landesregierung auffordert eine Bundesratsinitiative einzubringen.

Herr vom Baur, wer in Deutschland ein Kraftfahrzeug fährt, muss mit seinem PKW regelmäßig zum TÜV. Warum gibt es für die 29.844 Windkraftanlagen in Deutschland derzeit keine staatlich vorgeschriebenen Kontrollen der Betriebssicherheit?

Michael vom Baur: Windkraftanlagen werden auf Basis einer Typenzulassung betrieben, d.h. einer einmaligen Zulassung des Anlagentyps sowie der Überwachung des Aufbaus. Maßgebend ist eine Richtlinie des Deutschen Instituts für Bautechnik. Darin sind auch „wiederkehrende Prüfungen“ der jeweiligen Anlage festgelegt, die durch einen Sachverständigen erfolgen sollen. Angesichts der immer größer werdenden Anlagen und deren wachsender Anzahl muss aber darüber nachgedacht werden, ob diese relativ „weiche“ Anforderung den durch diese Großanlagen gewachsenen Risiken wirklich gerecht wird.

Ist es nicht auch ein Widerspruch, wenn die Aufzugsanlagen in den Windkraftanlagen geprüft werden müssen, ein Generatorraum mit der elektrischen Leistung eines Containerschiffes, der in der Höhe des Kölner Doms montiert ist und mit Rotorblättern ausgestattet ist, die sich so schnell drehen wie sich ein Auto fortbewegt, jedoch nicht?

Michael vom Baur: Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass alle Teile einer Windkraftanlage wie jedes Schiff oder jedes Kraftwerk turnusmäßig auf seinen Zustand überprüft werden, da die Anlagen dem Wetter ausgesetzt sind und dabei hohe dynamische Lasten ertragen müssen, d.h. höchste Anforderungen an Korrosionsschutz und Dauerfestigkeit gestellt werden müssen. Eine regelmäßige Wartung durch den Hersteller reicht dazu meiner Ansicht nach nicht aus.

Nun gibt es aktuell einen Antrag 7/2909 der Fraktion Freie Wähler / BMV, der unsere Landesregierung dazu auffordert, eine Bundesratsinitiative einzubringen, mit der Windkraftanlagen in die Betriebssicherheitsverordnung aufgenommen werden. Wissen Sie, wie es nun dazu kam? Und: Glauben Sie, dass diese Forderung im Bundesrat ankommt?

Michael vom Baur: Die FDP hatte das Thema bereits vor Monaten auf die Agenda gesetzt, da seitens der Regierungsfraktionen Risiken heruntergespielt wurden. Leider sind wir zur Zeit außerparlamentarische Opposition, wir konnten daher keine entsprechende Parlamentsinitiative starten. Das hat nun ein politischer Mitbewerber getan.

Was sagen Sie jenen, die eine Forderung nach unabhängigen technischen Überprüfungen von Windkraftanlagen als Forderung verstehen, die „gegen die Windkraft gerichtet“ sei?

Michael vom Baur: Eine solche Argumentation kann ich nicht verstehen. Schließlich leidet die Akzeptanz der Windkraft unter jedem Unfallbericht (und davon gibt es in jüngster Zeit etliche). Es sollte also im Interesse aller Beteiligten sein, die Risiken so klein wie möglich zu halten.

Wer profitiert denn eigentlich davon, dass es noch keine technischen Überprüfungen von Windkraftanlagen gibt?

Michael vom Baur: Die bestehenden „weichen“ Vorschriften kommen natürlich den Betreibern von Windkraftanlagen entgegen, die dadurch die Kosten für die Betriebsüberwachung gering halten können. Das entsprach sicher der Absicht in der Anfangsphase der erneuerbaren Energien, die Lasten für Investoren so gering wie möglich zu halten. Heute sind Windkraftanlagen Normalität und größer als in den Anfangsjahren. Windkraftbetreiber haben in den vergangenen Jahren durch die unter dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) staatlich garantierten Einspeisevergütungen nahezu risikolos sehr viel Geld verdient, sogar Zwangsabschaltungen während Netzüberlastung wegen zu viel Windstrom werden bezahlt. Im Vergleich dazu wären zusätzliche Kosten für eine regelmäßige unabhängige technische Überprüfung sicher eher klein.

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