Donnerstag, 3. Januar 2019

1978 / 1979: Tagebuch im Schnee (8)

Originale Bildunterschriftt für dieses Foto in der Zeitung "Auf Gefechtsstand" (Ausg. Januar 1979): "Ein Hilfsschiff der Volksmarine bricht die Fahrrinne des Strelasund auf" (Reproduktion: PA / Foto: Archiv Harro Schack)
Mittwoch, den 3. Januar 1979

Ab heute lässt das Unwetter etwas nach. Die Transitstrecke Stralsund - Saßnitz ist wieder befahrbar. Erste Lebensmitteltransporte gelangen über die F96 wieder nach Sassnitz. Auch die Straßenverbindung Bergen - Göhren (F196) ist wieder befahrbar. Den 2.500 Meter langen Rügendamm passieren erste Schneefräsen aus sieben Bezirken der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Dennoch war die Insel an diesem Tag noch weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten...


Zwar war es mit schwerer Technik gelungen, sich auf der Straße von Stralsund nach Bergen vorzuarbeiten, doch die schwierigste Stelle lag noch vor der Befreiung vom Schnee. Zwischen Bergen und Lietzow hatte sich eine 5 Meter hohe Wehe aufgetürmt, die von einem 40 Zentimeter starken Eispanzer überzogen war. Um eine 300 Meter lange Eisschlucht auf dem Schienenweg frei zu bekommen, kamen nun etwa 600 Soldaten mit Spitzhacke und Schaufel zum Einsatz. Die beiden Kolonnen, die sich bei der Beräumung aufeinander zu bewegen, sind am Abend nur noch auf wenige Kilometer getrennt. Dabei muss sogar Sprengstoff eingesetzt werden: 350 Kilogramm, zu Sprengladungen von je 10 Kilogramm. Auch bei der Fernstraße nahe Kaiseritz kam dieser zum Einsatz.

Möglich wurde dies durch das Sprengstoffkommando der Landtreitkräfte unter Oberleutnant Hans-Peter Lahn. Unterstützt wurde dieses durch Fallschirmjäger des Truppenteils "Willi Sänger".

Herbert Grunwald sagt später:

"Ohne die Hilfe der NVA-Angehörigen wäre diese komplizierte Situation nur schwer zu lösen gewesen."

Auf ihrer Rückreise nehmen die EAB-Mitarbeiter, die sich am Vortag in Varnkevitz um die Energieversoegung kümmerten, noch einen kranken Bürger aus Presenske und eine werdende Mutter mit. Gegen 13.00 Uhr erreichen sie wieder die Kreisstadt Bergen.

Gerhard Hampfler, Werner Weißgräber und Egon Freese (EAB) reparieren Schäden im Energienetz von Putbus und den umliegenden Ortschaften.

Die Augabe der Ostsee-Zeitung bringt einen Report am 3. Januar 1979 (Foto: Archiv Harro Schack)
Friedhelm Dettmann, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Maltzien, beschreibt die Situation im Ort:

"Seit Donnerstag sind wir hier zwar eingeschneit, doch wir haben uns selbst geholfen. Mit einem Pferdeschlitten holten wir Brot aus Garz." 

In Rappin sagt Bürgermeister Waldemar Berner Folgendes zur Lage:

"Mit Neuenkirchen unterstützen wir uns gegenseitig..."

Die Bahntrasse bei Lietzow ist gegen 18.00 Uhr vom Eis befreit worden. Um 21.04 Uhr kann der erste internationale Zug den Saßnitzer Hafen verlassen. Auch die Strecke Bergen-Saßnitz ist nun vom Schnee befreit. Der Transitverkehr kann wieder aufgenommen werden.

Auf der Insel Rügen sind noch 140 Ortsteile mit etwa 10.000 Bürgern ohne Strom.


Wer mag, kann gerne seine Ergänzungen / Korrekturen oder Bilder zu den Ereignissen des Jahreswechsels 1978 /1979 einsenden. Bitte an: pressemitteilung (at) inselreport.de

---

Chronologie der Erignisse auf Rügen:
Mittwoch, den 27. Dezember 1978 / Donnerstag, den 28. Dezmeber 1978 / Freitag, den 29. Dezember 1979 / Samstag, den 30. Dezember 1978 / Sonntag, den 31. Dezember 1978 / Montag, den 1. Januar 1979 / Dienstag, den 2. Januar 1979 / Mittwoch, den 3. Januar 1979 / Donnerstag, den 4. Januar 1979 / "Der Winter kehrt zurück" sowie "Rückschau und Vorsorge"

Veranstaltungshinweis:

Der Filmvortrag "Rügen im Winter" findet am 24. Januar 2018 und am 14. Februar 2018 im Binzer "Haus des Gastes" um 20.00 Uhr statt. Informationen dazu unter 038393-148148.