Donnerstag, 31. Januar 2019

4 Fragen zum "Fall Juliane K."

DAS! mit Pater Anselm Grün: u.a. zum Beitrag von Karin Rowold am Freitag, den 4. Januar 2019 (Foto: Screenshot NDR)
Hamburg (SAS). Karin Rowold ist freie Journalistin und arbeitet (als Autorin) für den Norddeutschen Rundfunk (NDR). Aufmerksamkeit erregte ihr Beitrag zum Schicksal von Juliane Kube, die auf der Insel Rügen 1977 zu Tode gekommen sein soll, woran aber später Zweifel aufkamen. Dies war ein Grund, weshalb die Mutter des dreieinhalbjährigen Mädchens Gewissheit suchte. 

Der Beitrag der zu weiteren Berichten anderer Medien führte und u.a. als Fall "Juliane K." bekannt wurde, bewegte viele Rüganer. Nachdem nun ein zweiter Beitrag zu diesem Thema im NDR-Fernsehen gesendet wurde, haben wir Karin Rowold dazu noch ein paar Fragen stellen können.

Der "Fall Juliane K." hat auf der Insel Rügen sehr viele Menschen bewegt. Wie wurden Sie auf das Thema aufmerksam und wie lange haben Sie das Thema insgesamt begleitet?

Im Frühjahr 2017 hatte ich einen mehrtägigen Dreh in Putbus / Rügen für den NDR. In dieser Zeit habe ich Christa S. kennengelernt, und sie hat mir in einem vertraulichen Gespräch ihre Geschichte erzählt. Anfangs war ich nicht sicher, ob ich eine journalistische Auseinandersetzung mit dieser komplexen Geschichte überhaupt leisten wollte. Erst einige Wochen nach unserem Gespräch habe ich
den Kontakt zu Christa wieder aufgenommen und angefangen zu recherchieren. 

Dass ein solches Thema so lange begleitet wird, zeigt, dass dies im Journalismus noch möglich ist. Was hat Sie an dem Thema gefesselt?

Als Journalistin bin ich vor allem an Fakten interessiert. Der Zeitaufwand geht einher mit dem Rechercheaufwand - und der war in diesem Fall nicht unerheblich. Der vermeintliche Unfalltod von Juliane K. ereignete sich vor rund 40 Jahren zu DDR-Zeiten. Durch den Zweifel von Christa S. am Tod ihrer Tochter wurde der Fall dann juristisch, politisch und auch emotional wieder aktuell. Das öffentliche Interesse an dem Thema war groß, wie die starke Resonanz auf den ersten DAS! Beitrag im Januar 2018 zeigt. Die journalistische Aufarbeitung für eine Berichterstattung war nur möglich durch die tatkräftige Unterstützung v.a. meiner Kollegin Sugárka Sielaff, Christas Rechtsberater Jan Zielinski und von der Redaktion DAS! 

Um eine Klärung und Gewissheit beim "Fall Juliane K." zu erzielen, war ein wichtiger Teilschritt die Graböffnung im Jahre 2018. Welche Schwierigkeiten waren damit verbunden und wie lautet das Ergebnis der Untersuchung durch die Gerichtsmedizin?

Es gab einen langen Rechtsstreit um die Exhumierung zwischen  Christa S. und der Stadt Sassnitz. Erst in zweiter Instanz kam es zu einem Vergleich zwischen den Parteien. Begünstigt wurde die Einigung u.a. durch eine Expertise von Prof. Klaus Püschel, dem Leiter des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin. Die Exhumierung  wurde dann auch durch die Hamburger Forensiker durchgeführt, ebenso die anschließende DNA-Analyse. Die Kosten für die Exhumierung sollte laut Einigungsabkommen Christa S. übernehmen, was ihr dankenswerterweise erspart wurde: Die Rechtsmediziner stellten Christa S. weder Exhumierungs-, noch Laborkosten in Rechnung, die Übernachtung der Hamburger haben Hoteliers aus Sassnitz und Putbus übernommen. 

Das Ergebnis der DNA-Analyse ist eindeutig: die sterblichen Überreste sind zu über 99% die von Juliane K. Zudem konnten die Forensiker keine Verletzungen am Skelett feststellen. Es gibt also es faktisch keinen Hinweis, der gegen den vor Jahrzehnten dokumentierten Tod durch Ertrinken spricht.   

Karin Rowold (Mitte) mit ihrem Kamerateam und Julianes Mutter am 11. Mai 2018 in Greifswald
Ist der "Fall Juliane K." damit abgeschlossen? Und: Gibt es noch Fragen, die offen geblieben sind und nicht durch die Gerichtsmedizin beantwortet werden konnten?

Nach dem Ergebnis der DNA-Analyse ist der Fall journalistisch für mich  abgeschlossen. Es gibt keine Fakten, die Raum für Zweifel am Tod von Juliane K. lassen. Einige Fragen bleiben offen: Was hat sich tatsächlich am Todestag von Juliane K. ereignet? Was hat dazu geführt, dass ein dreieinhalb jähriges Kind in der Badewanne ertrinkt und warum wurden damals keine Ermittlungen eingeleitet? Die Antworten auf diese Fragen werden wir mangels Zeitzeugen wohl nie erfahren.
 
Es bleibt auch die Trauer um ein totes Kind. Christa S. möchte die sterblichen Überreste ihrer Tochter beisetzen lassen. Ich hoffe, sie kann Abschied von Juliane nehmen und wünsche ihr viel Kraft und Glück für die Zukunft.

Vielen Dank! Wir wünchen Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg, damit auch weiterhin berichtet wird, was ist.

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Wir denken an die letzte Botschaft, die Pater Anselm Grün als Schlußwort an die Zuschauer der Sendung "DAS!" am 4. Januar 2019 richtete:

"Wir sind nicht verantwortlich für die Gedanken, die uns auftauchen, sondern nur dafür, wie wir damit umgehen."


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