Samstag, 26. Januar 2019

Der Landrat, das Kopftuch & die Meinungsfreiheit

Liebe Rüganer,
manchmal weiß man nicht mehr, was man denken soll... Da wirft die Partei "Die Linke" (also SED - "Glückwunsch zur Umbennennung!") dem neuen Landrat Dr. Stefan Kerth (SPD) mangelnde Toleranz vor, weil er eine Petition unterstützt, die sich für ein Kopftuchverbot an Schulen und Kindergärten einsetzt...

Na und? Es ist seine Meinung. Wenn Wennke Brüdgam von der Partei "Die Linke" das nicht gut findet, ist das auch in Ordnung. Es ist ihre Meinung! Ihm jedoch mangelnde Toleranz wegen einer anderen Meinung zur Gleichberechtigung der Frau in unserer Gesellschaft vorzuwerfen, ist intolerant. Wie sagte doch gleich Rosa Luxemburg?
"Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden..." 

Wenn das so einfach wäre! Denn selbst Rosa Luxemburg hätte sich wohl gewundert, was die, die sie als Ikone vor sich hertragen, selbst daraus gemacht hatten: Als Anfang 1988 Oppositionelle, wie Liedermacher Stephan Krawczyk, gegen die SED-Diktatur und für die Demokratie demonstrierten, wurden sie festgenommen. Der Spuk ist seit 1989 vorbei! Kein Mensch würde heute auf die Idee kommen, Dr. Stefan Kerth zu verhaften, nur weil er eine andere Meinung hat. Und das ist gut so, denn: Im Gegensatz zu damals gibt es heute einen Rechtstaat.
Screenshot des Beitrags von Dr. Stefan Kerth auf (Quelle: http://kerthwende.de)
Allerdings, wird der Diskurs seit 30 Jahren in seiner Meinungsbreite immer weiter eingeschnürrt. Ja, was darf man eigentlich sagen? Und was nicht? Wenn Politiker ihr eigenes Handeln für alternativlos erklären und damit ihre Meinung als einzig richtig darstellen, dann sollten bei jedem die Alarmglocken schrillen. Denn der, der das Thema dennoch diskutiert, wird in der Regel ausgegrenzt. Und das praktizierte man seit 2009 deutschlandweit. Der Afgansitan-Einsatz der Bundeswehr war genauso alternativlos, wie Stuttgart 21 oder die Schwebebrücke am Königsstuhl. Ja, warum eigentlich?

„Alternativlos“- macht glauben, dass es sich nicht mehr lohne, darüber zu diskutieren. „Alternativlos“ - macht glauben, dass es bei anstehenden Entscheidungen von vornherein keine andere Lösung und es auch keine Notwendigkeit zur Diskussion sowie Argumentation gäbe. Das ist nicht nur sachlich unangemessen, sondern führte sogar zu einer Parteineugründung. Ob sie nun eine Alternative für Deutschland ist oder nicht - darüber lässt sich bekanntlich in Familie, auf Arbeit oder mit Freunden streiten. Sie aus dem politischen Wettbewerb auszugrenzen, weil sie eine andere Meinung hat, wäre jedoch falsch.

Schlagzeile in der heutigen Lokalausgabe der "Ostsee-Zeitung" (vom 26./27.01.2019)
Und diese Erfahrung hat man doch als Partei selbst machen müssen: Die SPD wurde schon zwei Mal in ihrer Geschichte verboten und die Partei "Die Linke" (ehem. SED, dann SED-PDS, dann PDS, dann Die Linke.PDS) hatte Anfang der 90er Jahre Ausgrenzung erlebt und wurde / wird (in Teilen) vom Verfassungsschutz beobachtet...

Wenn man ein "Handbuch für Politiker unserer Tage" schreiben wollte, man käme nicht daran vorbei, wieder zru Versachlichung aufzurufen. Tauscht lieber Meinungen und Argumente aus! Wer die Begriffe "Hass" oder "Hetze" "googlet", weiß, warum. Unter "News" gehen die gelisteten Beiträge bereits in die Millionen und spalten täglich unser Land. Es ist also durchaus fragwürdig, wenn Politiker wie Journalisten mit dem Schwefelholz im Tanklager das "Zündeln" spielen. Denn: Wenn uns das alles um die Ohren fliegt, dann sind zwar die Gedanken noch frei - aber: wir haben alles, was unser Land lebenswert gemacht hat, zerstört. 

Respekt vor der Meinung des anderen, ist der richtige Anfang dafür. Dazu fällt einem Voltaire ein:

"Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst."

Ein freies Wochenende wünscht

Hans Hegel

PS: Das ausgerechnet die Partei "Die Linke" die Religionsfreiheit für sich entdeckt hat, lässt verwundern. Waren Marx und seine Jünger nicht der Meinung Religion sei Opium für das Volk? 

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