Dienstag, 22. Januar 2019

Erinnerungen an einen Besuch auf Schloß Varzin

Das Rittergut Varzin um 1860 aus der Sammlung von Alexander Duncker (1813-1897)
Varzin (PA). Wer von Gräfin Dönhoff und ihren zwei Tagen während der Flucht in den Westen (1945) einmal gehört hat, wird die Gedanken, die Besucher des Schloßes Varzin heute noch bewegen, sicher verstehen können. Richtig, das Schloß selbst wurde zu dem Zeitpunkt ihres Besuchs nur noch von der Schwiegertochter des "Eisernen Kanzlers", Gräfin von Bismarck-Schönhausen, bewohnt. - Aber: Einen Hauch von Geschichte und das Wandeln auf den Spuren Otto von Bismarcks bleiben nicht ohne Wirkung.
Der Turm mit dem Treppenhaus auf Schloß Varzin
Wer sich heute jedoch von diesseits der Oder nach Varzin aufmachen möchte, sollte dafür etwas Zeit mitbringen. Von Stettin geht es zunächst nach Köslin, um dann (auf der Hälfte der Strecke in Richtung Stolp) rechts - mit dem Ziel "Varzin" - abzubiegen. Alleine die Anfahrt - von Stettin nach Varzin - hat über 200 Kilometer. Und alleine dafür wird man über drei Stunden einplanen müssen.
Blick in das Anwesen, das heute eine Forstschule beherbergt
Übrigens: Otto von Bismarck reiste, wie auch wir, oft und viel von Berlin ins tiefste Pommern. Eine dieser ersten Begegnungen auf Schloß Varzin ließ uns einst mit Peter Manka, dem damaligen Schloßherren der heutigen Fachschule für Forstwirtschaft, bekannt werden. Und so wurde uns das bereits damals in einem guten Zustand befindliche Rittergut und sein direktes Umfeld gezeigt. Dazu gehörte natürlich die Eiche unter der Bismarck mit den Außenministern von Österreich-Ungarns, Kalnoky, und Rußlands, Giers, verhandelte. 
Nebengebäude im Umfeld des Schlosses Varzin
Das Schloß selbst, mit seinem Turm, der das Treppenhaus zur Erschließung der weiteren Etagen beherrbergt, ist noch immer beeindruckend. Und hier, im Innern, lassen sich auch Spuren der Familie von Bismarck finden, denn: Eingelassen in den Fußboden ist bis heute das Wappen des Kanzlers. Wer noch etwas mehr von der Geschichte erfahren möchte, dem bietet sich auch der Aufstieg auf den kleinen Richtberg an. Hier soll sich einst das Mausoleum der Familie von Bismarck befunden haben.
Die Übereste des einstigen Mausoleums der Familie von Bismarck
Und in der Tat! Es lassen sich noch Überreste davon in dem Wäldchen finden. Es sind nur noch die Grundsteine des einstigen Gemäuers. Die allerdings lassen noch heute eine Begehung zu. Und da sich die angesprochenen Steine noch im entsprechenden Grundriß zuordnen lassen, kann man zumindest eine Vorstellung zum einstigen Mausoleum entwickeln. In den 50ern soll übrigens alles oberhalb dieser Grundmauern in die Luft geflogen sein. So bleibt dem Betrachter nur eine wage Vorstellung. Und: Leider erhielten auch wir erst im Nachgang ein entsprechendes Foto aus der Sammlung von Ilse Brendel. Bewegend war der Besuch dennoch gewesen. Schließlich handelte es sich um die Spuren eines nicht ganz unbedeutenden Landsmannes, der u.a. auch auf der Insel Rügen seine historischen Spuren hinterließ und an den heute dort beispielsweise der Bismarck-Stein erinnert.
Historische Aufnahme des Mausoleums auf dem kleinen Richtberg aus der Sammlung von Ilse Brendel.
Doch zurück zu Bismarck in Varzin! Der von Bismarck´sche Familienverband schreibt zum Erwerb des Gutes: 

"Am 12. Februar 1867 erhielt er in Anerkennung seiner Verdienste um den guten Verlauf des Deutschen Krieges von 1866 eine Dotation von 400.000 Talern, die auf Wunsch des Königs in Grund- und Kapitalbesitz anzulegen war. Bismarck kaufte das Gut Varzin mit allen Nebenbesitzungen von Werner Ewald von Blumenthal. Im Jahr 1847 hatte er in Alt Kolziglow Johanna von Puttkamer aus dem nahen Reinfeld geheiratet, und als ihr Vater 1871 verstarb, kam das Gut Reinfeld zum Varziner Besitz."
Blick in das Treppenhaus des Turmes auf Schloß Varzin
Und weiter heißt es dort:

"Nach dem Tode der Fürstin 1894 ordnete Bismarck an, dass seine Gefährtin ihre letzte Ruhe an der Stätte ihres Todes finden sollte, wo das Paar viele Sommer und Winter verlebt hatte. Ein kleines Gartenhaus, das ein Lieblingsplatz der Fürstin war, wurde zu einer einfachen Grabkapelle umgewandelt, und hier wurde der Sarg beigesetzt. Später wurde ihre Leiche nach Friedrichsruh verbracht, wo sie an der Seite ihres Gatten im Bismarck-Mausoleum bestattet ist."
Das Wappen der Familie von Bismarck ist immernoch im Fußboden eingelassen
Wir haben später auch das Mausoleum in Friedrichsruh besucht. Das aber ist eine andere Geschichte...

 https://www.inselreport.de/p/stettin.html