Freitag, 4. Januar 2019

Pläne zum Streckenausbau Berlin - Stettin

Im Einsatz auf dem Netz der DB - der Gleisbauzug RU 800 S (Foto: Deutsche Bahn AG / Claus Weber)
Stettin (PA). Bereits am 25. Mai 2018 konnte erstmals von Plänen berichtet werden, die 135 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und Stettin wieder komplett zweigleisig und elektrifiziert auszubauen.

Im Rahmen eines Gipfels zu der Bahnverbindung wurde dann im Juni 2018 von Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn, Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider und Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther eine gemeinsame Absichtserklärung für den durchgehend zweigleisigen Ausbau der Eisenbahnstrecke Berlin-Stettin unterzeichnet. Das Dokument wurde zuvor von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer signiert. Darin erklären sich Berlin und Brandenburg bereit, sich an den Kosten für den weiteren Ausbau der Strecke zu beteiligen. Die Mehrkosten uwrden zu diesem Zeitpunkt auf etwa 100 Mio. Euro durch das Bundesverkehrsministerium geschätzt. In diesem Zusammenhang äußerte Pofalla:

„Die Weichen für den durchgehend zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Berlin-Stettin sind mit der nun unterzeichneten Absichtserklärung gestellt."

Nun - zum Ende des Jahres 2018 - wurden konkrete Ziele bekannt: So wird derzeit eine Anbindung des Bahnhofs Angermünde bis 2026 im Halbstunden-Takt mit der Hauptstadt Berlin angedacht. Auch im Gespräch ist ein S-Bahn-Anschluß nach Stettin.

Dabei rückt neben dem Bahnhof Angermünde, wo sich gleich drei Verbindungen - nach Stralsund. nach Stettin und nach Schwedt - gabeln, sowie ein etwa 40 Kilometer langer Streckenabschnitt zwischen Passow und Stettin in den Blickpunkt. In Angermünde könnte so wieder ein altes Drehkreuz aus den Pionierzeiten der deutschen Eisenbahngeschichte entstehen und mit dem fehlenden zweiten Gleis wieder die Infrastruktur der Vorkriegszeit, die durch die Grenzziehung nach dem zweiten Weltkrieg beeinträchtigt wurde. Damit könnte - vorausgesetzt es kommt zur Umsetzung des geplanten Vorhabens - auch für die Uckermark ein deutlicher Entwicklungsschub verbunden sein.

Die Uckermark hat in den letzten drei Jahrzehnten vor allem unter der Grenzziehung und der damit verbundenen Randlage gelitten. Anfang der 90er Jahre lag die Arbeitslosigkeit bei etwa 30%, derzeit - nach Bevölkerungsverlusten und den sich damit verändernden Demografie-, Rahmen- und Infrastrukturbedingungen - hat sich die Arbeitslosogkeit bei etwa 10% eingepegelt. Probleme gibt es jedoch immer noch bei der Infrastruktur. 

So ist die Anbindung des Industriestandortes Schwedt, wo u.a. die PCK Raffinerie des Mehrheitsgesellschafters Rosneft ansässig ist, nach Stettin kaum gegeben. Und das, obgleich sich beide Städte an der Oder befinden. Doch derzeit ist die Wasserstraße, wie es in einer lokalen Publikation heißt, kaum nutzbar. In diesem Zusammenhang bringt Leipa, ein Schwedter Papierhersteller, sogar den Gedanken zum Neubau einer Verbindung von Stettin über Greifenhagen und Schwedt nach Berlin ein. Doch neben guten Ideen gibt es auch Herausforderungen: Wie das benachbarte Vorpommern hat die Uckermark mit hohen Strompreisen - in Folge der Energiewende -  und einem immer noch schleppenden Breitbandausbau - in Folge des Telekommunikationsgesetzes - zu kämpfen. 

Das erklärt, weshalb man in dem Ausbau der Zugverbindung zwischen Berlin und Stettin nun viel Hoffnung setzt. Schließlich war die Uckermark vor dem zweiten Weltkrieg über Straße, Schiene und Oder-Schiffahrt bestens mit der pommerschen Wirtschaft und seiner Hafenstadt Stettin verknüpft.

Bereits vor 175 Jahren konnte die Strecke Berlin-Stettin eingeweiht werden. Sie gilt damit als eine der ältesten Schienenverbindungen Deutschlands. Bereits bis 1873 wurde sie damals zweigleisig  ausgebaut, dann jedoch 1945 in Folge der Grenzziehung und der Reparationsleistungen (an die damalige Sowjetunion) um ein Gleis reduziert. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts fand ein Ausbau der Bahnstrecke statt. Der Abschnitt Berlin - Passow wurde dereits elektrifiziert. 

Stettin Magazin