Montag, 28. Januar 2019

Zum 100. Todestag von Franz Mehring

Der pommersche Publizist und Politiker Franz Mehring (Foto: Niemeyer)
Schlawe (PA). Am 28. Januar 1919 starb der pommersche Publizist und Politiker Franz Mehring. Geboren wurde er am 27. Februar 1846 in Schlawe, an der Wipper. Seine Geburtsstadt, gelegen zwischen Köslin und Stolp, war bereits in seiner Kindheit vom angebrochenen Zeitalter der Industrialisierung geprägt: Neben der Landwirtschaft entstanden nun Sägewerke, Eisengießereien und eine Landmaschinenfabrik...

Franz Mehring kam als Sohn eines ehemaligen Offiziers und Steuerbeamten auf die Welt, konnte später das Gymnasium von Greifenberg besuchen und hatte die Möglichkeit zur Aufnahme eine Studiums der  Klassischen Philologie an der Universität in Leipzig (wo er der Burschenschaft Dresdensia angehörte), dass er später in Berlin (bis zu seiner Zwangsexmatrikulation am 12. Juli 1870) fortsetzte. Mehring selbst verstand sich zunächst als Demokrat und arbeitete für verschiedene Zeitungen.

In diesen Jahren traf er übrigens auch auf August Bebel und Wilhelm Liebknecht. Letzterer war zweifellos durch seine Teilnahme an der Revolution 1848/49 und seine Mitgliedschaft im "Bund der Kommunisten" für August Bebel prägend. Mehring jedoch, hatte seinen eigenen Blick auf die politische Entwicklung in Deutschland. Nicht ganz ohne Wirkung wird dabei sein Wirken als politischer Korrespondent und Parlamentsreporter gewesen sein. Die kritische Auseinandersetzung führten ihn später sogar in einen Konflikt mit der Führung der Sozialdemokratie, der 1877 in der Publikation "Die Deutsche Socialdemokratie, ihre Geschichte und ihre Lehre" gipfelte.

Allerdings bewegte auch ihn die soziale Frage, die die Bevölkerungsexplosion sowie die Industrialisierung und damit die aufkommende Industriegesellschaft und die mit ihr verbundenen Mißstände thematisierte. In diesem Zusammenhang las er auch die Schriften von Karl Marx und teilte die Kritik am Sozialistengesetz, dass sich gegen sozialistische, sozialdemokratische, kommunistische Vereine, Versammlungen und Schriften wandte. Seine Sicht auf die Dinge spiegelt die Dissertation zum Dr. phil. „Die deutsche Sozialdemokratie. Ihre Geschichte und ihre Lehre" (1882) an der Universität Leipzig.


1891 trat Franz Mehring der im Jahr zuvor gegründeten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei, schrieb für verschiedene sozialdemokratische Blätter und wurde 1917 sogar Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Dennoch blieb er in seiner Partei umstritten. So schrieb  August Bebel am 20. März 1892 an Friedrich Engels:

"Mehrings Arbeiten sind allerdings ausgezeichnet, aber trotz alledem lässt sich kein intimeres Verhältnis mit ihm herstellen; man befürchtet immer wieder, er bekäme einen Rückfall; und ausserdem muss man sich fürchten, mit ihm sich vertraulicher einzulassen, weil der Verdacht besteht, er notierte alles, was er hört. Das sind fatale Eigenschaften, die seine Person nicht zur Geltung kommen lassen."

Als es mit dem ersten Weltkrieg letztlich zu starken Differenzen innerhalb der SPD und sogar zur Spaltung kam, wandte er sich den Linken und damit der Spartakusgruppe zu. 1917 trat er der Unabhängigen Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) bei und war 1918 auch noch an der Vorbereitung des Gründungsparteitages der Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) beteiligt.

Die "Rote Fahne", das Zentralorgan der KPD, bemerkt am 4. Februar 1919 zu seinem Tod am 28. Januar 1919 in Berlin bei einem Nachruf:

"Kaum, dass wir Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zu Grabe geleitet, so verlischt abermals ein Stern erster Größe, der dem deutschen und dem internationalen Proletariat geleuchtet. Nicht wie jene aus der Mitte des Lebens gefällt, sondern am Abend eines langen und in sich vollendeten Lebens scheidet Franz Mehring von uns: und doch viel zu früh für seine jüngeren Freunde und Genossen. Bis zuletzt hielt ihn sein feuriges Temperament jung, seine Feder ohnegleichen lebendig..."

Wie zu Lebzeiten ist Franz Mehring auch heute durchaus umstritten. Historisch von Bedeutung bleibt er jedoch durch seine Schriften zur Arbeiterbewegung in der Zeit der Industrialisierung sowie durch seine 1918 publizierte erste Biografie über Karl Marx.


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