Mittwoch, 13. Februar 2019

Der Schwanenstein und das Unglück am 13. Februar 1956


Der Schwanenstein am 12. Februar 2019 - Vor über 70 Jahren ereignete sich hier ein Unglück
Lohme (SAS). Wer kennt ihn nicht? Den Schwanenstein. Jenen Findling, der vor der nördlichen Küste Jasmunds bei Lohme im Wasser liegt. Er soll zu den größten seiner Art vor Rügen zählen. Mit dem Schwanenstein verbinden sich aber auch eine Sage, ein tragisches Ereignis, welches sich vor über 60 Jahren ereignete, und ein Buch...

Eigentlich, so will es die Überlieferung, bringt auch auf Rügen der Storch die Kinder. Nur im Winter soll es ein Schwan sein. Die Legende besagt nun, dass die Kinder bis dahin im Schwanenstein verborgen sind. Eine tragische Ergänzung der Geschichte des Sagensteins vollzieht sich aber am 13. Februar 1956. Heute ist es schwer, dass zu beschreiben, was damals passierte. Darum wollen wir nachfolgend in Auszügen einen Bericht von Heinz Müller in den "Norddeutschen Neuesten Nachrichten" zitieren, um den Versuch einer Rekonstruktion der Ereignisse zu versuchen, in dessen Folge Helmut Petersen, Uwe Wassilowsky und Manfred Prewitz ihr Leben verloren. Der Beitrag wurde unmittelbar danach - am 18. Februar 1956 - veröffentlicht:

"...Ein tragisches Unglück ereilte drei schulpflichtige Kinder in Lohme auf Rügen, die sich nach 17 Uhr auf die etwa 60 m in die See hineinreichenden Eisdünen wagten, um dem Spiel der anrollenden Wellen an dem großen Schwanenstein zuzusehen..."

19.00 Uhr: Das Wetter verschlechtert sich. Die See nahm zu. Die Eisdünen, die sich zwischen dem Land und dem Schwanenstein gebildet hatten, wurden zermalmt. Nun war der Stein mit den drei Kindern vom Land getrennt. Sie hatten dies zu spät bemerkt. Die Entfernung zum Land war bereits unüberwindlich geworden. Welle auf Welle brach sich am Schwanenstein. Die Gischt spritzte durch die Luft und ließ die Kinder anfrieren. Sie fingen an zu schreien...

"Sämtliche Rettungsdienste der Umgegend waren benachrichtigt worden, aber alle Bemühungen, die Kinder an Land zu holen, waren vergeblich. Ein kleines Rettungsboot schlug schon voll Wasser und Eis, bevor es überhaupt schwamm. Unter Einsatz ihres Lebens stürzten drei Volkspolizisten angeseilt in die kalten Fluten, wurden aber sofort von den Brechern und dem Treibeis zurückgeschlagen..."

22.00 Uhr: Nun startete der letzte Rettungsversuch. Vier Leitern wurden aneinander gebunden und auf ein Schlauchboot geseilt... Doch auch dieser Vorstoß scheiterte. Die Leitern waren auseinandergebrochen. In einer Entfernung von etwa 30 Metern mussten an die fünfzig Menschen mitansehen, wie die drei auf dem Stein angefrorenen Kinder starben.

"Erst als sich am folgenden Tage das Wetter gelegt hatte, gelang es unter großer Mühe, die Leichen aus dem Eis zu befreien. Die Beerdigung der Kinder fand gestern statt..."

Die Grabstelle der drei verunglückten Jungen auf dem Friedhof von Nipmerow am 12. Februar 2019

Die Beisetzung erfolgte am 17. Februar 1956 auf dem Friedhof von Nipmerow. Das Grab erhielt am 14. Februar 1995 einen Gedenkstein auf Initiative von Kindern des Kinderheimes Lohme.

Eine literarische Verarbeitung der Ereignisse erfolgte später mit dem Buch "Drei Jungen im Eis" des sudetendeutschen Autors Egon Schmidt (1927-1983). Er, den das Schicksal nach seiner Ausweisung aus der ČSR zunächst nach Mecklenburg verschlagen hatte, kannte auch die pommersche Küste. Zwischen 1951 und 1955 war er am Diesterweg-Institut (ehem. Pädschen) in Putbus auf Rügen. Die Ereignisse vor der Insel veranlassten ihn zum bereits erwähnten Buch. Das Jugendbuch - das später mit mit Illustrationen von Heinz Ebel im Sachsendruck Plauen erschien - erhielt bei einem Preisausschreiben für Kinder- und Jugendliteratur des Ministeriums für Kultur 1959 eine Auszeichnung.

Literarische Verarbeitung der Ereignisse am Schwanenstein bei Lohme
Später wurde es mehrfach neu aufgelegt und war für 3,80 Mark in den Buchhandlungen der DDR erhältlich. Wer hineinschaut liest einen entsprechenden Hinweis:

"Im Frühjahr 1956 kamen in Lohme auf Rügen drei Kinder im Eise um. Die Erzählung stützt sich auf das Ereignis, doch sind Handlung und Personen mit den tatsächlichen Begebenheiten nicht identisch."

Dabei erzählen die Kapitel bereits in Schlagzeilen die Geschichte: Abseits der Straße / Der Weg nach dem Norden / Hoffnung auf Hilfe / Schwere Entscheidung / Gegen den weißen Tod / Die See ist stärker / Durchbruch / Leuchtzeichen in der Nacht / Einer bleibt stumm / Trüber Morgen / Die erste Spur / Frage ohne Antwort...