Samstag, 9. Februar 2019

Mit Tempo 160 km/h nach Stettin und an die Ostsee...

Triebwagen Baureihe ET 442 beim Halt in Berlin Hbf (Foto: Deutsche Bahn AG / Martin Busbach)
Berlin / Stettin (PA). Wenn es nach den Plänen des Berliner Senats geht, könnten schon bald an die 48 Züge täglich zwischen Berlin und Stettin Pendeln. Die Abfahrten wären alle halbe Stunde. Die Fahrtzeit? Etwas über 1 Stunde, denn schließlich sollen die Züge mit Tempo 160 km/h Richtung Ostsee sausen.

Was heute noch ziemlich utopisch klingt, könnte - wenn alles nach Plan läuft - schon ab 2024 möglich sein. Dafür wollen Berlin und Brandenburg noch in diesem Jahr eine konkrete Finanzierungsvereinbarung mit dem Bund abschließen. Dass auch auch EU-Fördergelder beantragt werden, hat auch etwas mit der Höhe der Kosten für das ehrgeizige Projekt zu tun. Da auf der anderen Seite jedoch die Strecke Berlin - Stettin in das Transeuropäische Vorrangnetz (TEN – V) aufgenommen wurde, ist es nun möglich, dass Berlin und Brandenburg einen großen Teil ihrer Finanzierung aus dem EU-Programm „Connecting Europe Facilities“ (CEF) zurückerstattet bekommen.  Das ist wichtig,denn: Die Gesamtkosten für die Schaffung der schnellen Verbindung belaufen sich auf insgesamt 400 Mio. EUR. Und 50 Mio. EUR sollen davon durch Berlin und Brandenburg getragen. Entsprechende Berücksichtigung fand das Vorhaben bereits im Berliner Nachtragshaushalt 2018 / 2019.

Die Gründe für die angestrebte Entwicklung liegen für Berlin klar auf der Hand: Schon jetzt hat Stettin wachsende Bedeutung als "Haushafen" der Berliner. Das dann noch mehr Güter über die Schiene rollen werden, klingt verständlich. Für die Reisenden der Pendelzüge zwischen den Metropolen an Oder und Spree dürften noch andere Themen eine Rolle spielen: Obgleich die Stettiner bei Gollnow über einen kleinen Flughafen verfügen, sind die Berliner Flughäfen schon heute die wichtigsten für Stettin. Auch für die Berliner dürfte das Interesse an der Verbindung nach Stettin weiter wachsen, denn für sie verkürzt sich auch die Fahrtzeit an die pommersche Ostseeküste - wie zum Beispiel nach Usedom oder Kolberg. Ein weiterer Grund: Nun könnte für Zugreisende auch Schweden interessanter werden. Nach einem Umstieg in Stettin rollt man direkt an die Fähren nach Schweden, während die Fähren in Rostock und Sassnitz heute ohne Schienenanbindung sind und nur noch für Pkw-Reisende nutzbar sind. 

Sollten die Pläne zielstrebig weiter verfolgt werden, könnte die Achse Berlin - Stettin schon bald wieder ihre alte Bedeutung zurück erlangen. Neben den Berlinern und Stettinern würde zudem der ländliche Raum profitieren, der nicht nur eine bessere Anbindungen in die beiden Metropolen erlangen würde, sondern in den Hauptzeiten sogar S-Bahn-Charakter hätte.

https://www.inselreport.de/p/stettin.html