Samstag, 16. Februar 2019

Wie geht es weiter bei der Sanierung der Grüneberg-Villa?

3:00 Minuten langer Beitrag zur Sanierung der Grüneberg-Villa im lokalen Sender (Screenshot: Radio Szcecin)
Stettin (PA). Was wäre eine Kirche ohne Orgel? Unvollständig. Für pommersche Kirchen ließe sich diese Frage noch spezialisieren, denn viele von ihnen haben Grüneberg-Orgeln. So in Gützkow, Wiek oder Bergen. Sie kamen aus der Odermetropole Stettin und wurden von der Orgelbauer-Dynastie Grüneberg zu Tönen erweckt. Nun ist ausgerechnet das letzte Zeichen dieser Ära, das ehemalige Wohnhaus der Familie bedroht.

Wer sich mit pommerschen Orgelbauern beschäftigt, kommt an der Stettiner Orgelbau-Werkstatt Grüneberg nicht vorbei. Etwa tausend Orgeln sollen durch sie in ganz Europa entstanden sein. Auch die bis heute größte manuell traktierte Orgel der Welt kam dabei auch aus dem Hause Grüneberg. Sie befindet sich in der Libauer Dreifaltigkeitskirche. Damit ist sie eine von etwa über 400 Orgeln, die es noch gibt. Begründet wurde die "Orgel Anstalt", wie man diese Werkstätten einst nannte, durch August Wilhelm Grünberg im Jahre 1787. Nach seinem Tod wurde das Unternehmen durch Barnim Grünberg (1828-1907) weiter geführt, der auch zu den Gründungsmitgliedern des Bundes Deutscher Orgelbaumeister zählte. Seine Nachfolge traten die Söhne Felix und Georg Grünberg 1905 an.

In Stettin-Finkenwalde baute die Familie Grünberg bis 1912 einen neuen Fabrikkomplex, der neben Werkstätten auch ein Wohnhaus der Familie. Dieses zählt heute zu den letzten Zeugnissen der Orgelbauer-Dynastie Grünberg in Stettin. Obgleich der Architekt des Hauses unbekannt ist, lässt sich der Einfluss der Ideen des Deutschen Werkbundes (DWB) bei der Architektur deutlich ablesen. Viele der originalen Ausstattungen des Hauses drohten jedoch mit samt dem Gebäude einem Bauprojekt für die Stettiner Straßenbahn weichen zu müssen. In Unkenntnis des kulturhistorischen Wertes war bereits der Abriss verfügt worden, wie es in einer Dokumentation dazu heißt.

Dank der Familie Kepinski, die das Haus seit 1945 bewohnte, wurden die Behörden erst auf das Baudenkmal un dessen Bedeutung aufmerksam. Zudem regte sich Widerstand durch eine Bürgerinitiative, die den Erhalt des Gebäudes forderte. Und auch über Stettin hinaus sorgte das ehemalige Wohnhaus der Orgelbauerfamilie für Schlagzeilen. "Abriss der Vergangenheit" - so lautete damals ein Artikel von Christina Tilmann im Berliner "Tagesspiegel". Er wußte sogar vom Widerstand  zu berichten - der von der Europa Nostra, die europäische Vereinigung zum Schutz bedrohten Kulturguts, bis zu einer Nachkommin von Johann Sebastian Bach reichte, die sogar Unterstützung zusicherte.

Vor fünf Jahren Jahren erfolgte dann auf Wunsch der Stadt Stettin die Verlegung des gesamten Gebäudes um mehrere dutzend Meter, um einen Abriß umgehen zu können. Allerdings fehlt es nun auch in Stettin an Geld für eine Sanierung des bedeutenden Gebäudes, dass einmal zu einer Kultureinrichtung werden soll. Wie Radio Stettin am Dienstag, den 12. Februar 2019, in einem 3.00 Minuten langen Beitrag berichtete, soll erst einmal eine Dokumentation des Bauzustandes erfolgen, um daraus ein Projekt zu entwickeln. Allerdings ist die geplante Sanierung zu einem Wettlauf mit der Zeit geworden.

Internetseite "Rettet unser Denkmal!" von Mariusz Lojko