Donnerstag, 21. Februar 2019

Zwischen Sund und Kap Arkona (44)


Das Großsteingrab auf dem Magelowberg
Ein Bericht von Torsten Seegert

Wer sich auf Streifzüge über die Insel begibt, kann vor allem Großsteingräber in einem beeindruckenden Umfang ausfindig machen. Und das, obgleich viele von ihnen bereits zerstört, als Steinbruch dienten und andere vielleicht noch nicht einmal entdeckt wurden und noch unter Erdhügeln ruhen.
Blick zur Bergspitze mit dem Großsteingrab
All diese Dinge lassen sich auch zu den Grabanlagen von Nipmerow sagen, die heute der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur zugeordnet werden. Eine Besonderheit hat das Großsteingrab auf dem Magelowberg dennoch: Sie soll das einzig bekannte Ganggrab der Insel sein. Es befindet sich seitlich des direkten Weges zwischen Nipmerow und Lohme. Und, obgleich wenig daraufhin deutet, muss man nur den Mut haben, an einem Abzweig rechter Hand immer weiter auf den Magelowberg zuzulaufen. Eingefasst von Strauchwerk findet sich heute sogar eine kleine Bank zum Rasten und ein Schild mit ein paar Informationen zum Großsteingrab.

Das bisher einzig bekannte Ganggrab der Insel
Schon Friedrich von Hagenow, der pommersche Naturwissenschaftler und Prähistoriker, dem wir die „Spezial Charte der Insel Rügen“ mit kartierten Grabhügeln, Großsteingräbern, Wüstungen, Opfersteinen und vor allem die erste topografisch genaue Inselkarte verdanken, beschrieb 1829 vier der örtlichen Gräber. Jedoch sind diese längst zerstört. Das heute erhaltene Großsteingrab wurde erst im letzten Jahrhundert entdeckt. Nach der Überlieferung war die Grablage vom Kiesabbau in einer angenzenden Kiesgrube bedroht, weshalb man sich zur Ausgrabung entschloss. Zunächst befreite man den Hügel dazu im Winter 1982 von seinem Baumbewuchs und begann im Sommer 1983 dann unter Leitung von Günter Rennebach mit der archäologischen Ausgrabung, an der sich - neben ehrenamtlichen Schülern - auch Lohmer Schüler beteiligt haben sollen.
Blick in das Innere der Grabanlage
Wie die Tafel vor Ort berichtet, kam man zu folgender Erkenntnis:

"...Die Ausgrabungen ergaben ein "Ganggrab" aus der Jungsteinzeit (3.500-1.800 v. Chr.) unter einem Steinhügel und Hünenbett und Steinkreis. Der Zugang in die Ost-West ausgerichtete Grabkammer erfogte von der Nordseite her. In slawischer Zeit wurde der Grabhügel durch einen weiteren Steinkreis ergänzt, in dem zwei Körperbestattungen vorgenommen wurden..."

Die Form und Anordnung der Steine der Grablage sowie der äußere Steinkreis, der die Anlage begrenzt, sind auch für Entdecker, die noch nicht mit Großsteingräbern zu tun hatten, sicher etwas Besonderes. Ein Abstecher zu diesem Zeugnis unserer Vorfahren lohnt durchaus!


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Extra-Folgen: 
Die Müther-Bauten auf der Insel Rügen (in Baabe, Binz, Borchtitz, Buschvitz, Gingst, Glowe, Sassnitz und Sellin) / Das "Hans-Mallon-Grabmal

Weitere Artikel zu den Großsteingräbern sind unter der Kurzserie "Romantisches Rügen" erschienen:
Die Großssteingräber von Lonvitz, Lancken Granitz, Dwasieden und Lauterbach