Freitag, 15. März 2019

"Auf die Bäume ihr Affen, der Wald wird gefegt..."


Liebe Rüganer,
dem Nationalpark Jasmund gehen die Mitarbeiter aus! Die Nachricht schlug ein, wie eine Bombe. Das Problem: Die Menschen, die den Nationalparks besuchen. Sie müssen tagtäglich verwarnt und mit Platzverweisen belegt werden. Dies erfolgt vielfach zum eigenen Schutz der Besucher, denn: Das Bewegen im Nationalpark ist derzeit noch kreuzgefährlich! Um dem zu begegnen versuchte man bereits so viele Bäume (wie nur irgend möglich) zu fällen. Die "Verkehrssicherung" geht weiter! Amtsleiter Gernot Haffner sagte kürzlich: „Ich hoffe, dass man erkennt, welche Bedeutung die Schutzgebiete haben und wie viel damit zu erreichen ist...“ 

Viele Nachfragen und Zuschriften kamen übrigens zu dem letzten Beitrag "Umweltsündern auf der Spur", wo Realitäten die Wirklichkeit überholen und umgekehrt. Das Interesse an den Vorgängen in Crampenhausen, jener Gemeinde, wo Bürgermeister Gernegroß (genannt: Der "Sonnenkönig") schaltet und waltet, sind offensichtlich sehr groß. Hier wurden kürzlich Bäume niedergestreckt, obgleich diese kerngesund waren. Zugegeben, einen Makel hatten sie schon: Die Gemeinde Crampenhausen hatte den Bäumen keine Baumpflege zukommen lassen, da das Geld in anderen Großprojekten der letzten Jahre versickerte. Das jedenfalls erklärt auch die neueste "Schnapsidee" von Bürgermeister Gernegroß...

Zur Erinnerung: Gernegroß war früher Mitglied einer Partei, die für sich in Anspruch nahm, immer recht zu haben. Die Unfehlbarkeit dieser Partei machte auch vor privatem Eigentum nicht halt. So geprägt, wuchs auch bei Gernegroß die Idee für eine neue Einnahmequelle: Am Rande eines Waldgebietes, das an Crampenhausen grenzt, hatten Bürger der Gemeinde einst Garagen für ihre "Plastikbomber" aus Zwickau errichtet. Wer sich an "die größte DDR der Welt" noch erinnern kann, weiß, dass damals ein fahrbarer Untersatz nur zu bekommen war, wenn der Käufer (oft taten es seine Eltern zwischen werktätiger Arbeit und Windelkauf) schon mit der Geburt sein Auto bestellte. Gebrauchtwagen (kein Witz!) konnten sogar teuerer als Neuwagen sein. Und: Wer dazu eine Garage brauchte, brauchte vor allem starke Nerven. Denn alles begann für die "Baulöwen" bereits mit dem Material. Woher nehmen? Das nächste Problem waren damals bereits Handwerker! Ein guter Maurer nahm Westgeld (D-Mark) und selbst Lehrlinge waren schwer zu kriegen und teuer zu bezahlen.

Garagen, wie die in Crampenhausen, gibt es auch in Sassnitz, Bergen oder Binz
Diese Bauwerke des Sozialismus, die selbst in der DDR-Zeit privater Besitz waren und für die man nach der Wende lediglich seine Grundsteuer entrichtete, sollten nun also von der Gemeinde Crampenhausen enteignet werden - so die Idee von Gernegroß. Sein Plan ging aber noch weiter: Die enteigneten Garagenbesitzer sollten nun einen Mietvertrag angeboten bekommen, der sie nicht nur zur dauerhaften Mietzahlungen verpflichten sollte, sondern auch noch zum "ordnungsgemäßen Werterhalt des Vertragsgenstandes" verpflichtete. Die Benutzung der Garagen würde jedoch "auf eigene Gefahr erfolgen" und eine Haftung des Vermieters für "eventuell auftretende Mängel" ausgeschlossen sein. Auch für die Tauglichkeit der Garagen würde die Gemeinde Crampenhausen keine Gewähr übernehmen. Zu guter Letzt wurde die dem Vermieter obliegende Verkehrssicherungspflicht dem Mieter "übergeholfen".
Nationalpark Jasmund: Wenn hier noch ein paar Bäume "entnommen" werden, könnte man mal "durchfegen"...
Schade nur, dass die Garagen an ein Waldgebiet grenzen, welches wir an dieser Stelle gedanklich nicht dem Nationalpark Jasmund zuordnen können und wollen. Amtsleiter Haffner hätte sich sonst auf die Schenkel geklopft, denn: Die enteigneten Garagenbesitzer, die nun von der Gemeinde Crampenhausen ihre enteigneten Garagen zurückmieten dürfen(!), sollen nicht nur für alles aufkommen, sondern dazu noch den Wald bis zu vier Meter tief fegen(!). Angesichts derTatsache, dass in Crampenhausen wohl noch die fünfte Jahreszeit herrscht, möchte man anstimmen: "Auf die Bäume Ihr Affen, der Wald wird gefegt..."

Natürlich sind Ähnlichkeiten mit den realen Geschehnissen auf unserer Insel Rügen nur rein zufälliger Natur und im Zweifel immer (!) frei erfunden. Wer wollte auch bestreiten, dass Bürgermeister bei uns nie so handeln würden, wie dieser Gernegroß?

Hans Hegel

PS: An dieser Stelle soll auch ein Gruß nach Gingst gehen. Mit Freude dürften viele Rüganer davon gelesen haben, dass ein Seeadler der Bürgerinitiative ein wenig Rückenwind geben konnte, um ihr Anliegen (die Verhinderung von Windkraftanlagen auf Muttland) über die Zielline zu tragen. 

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