Dienstag, 5. März 2019

Kahlschlag auf Rügen

Kahlschlag auf Rügen - aufgenommen heute am Bahnübergang von Prora

Ein Gastbeitrag von Peter Ahrend

Was ist mit den verantwortlichen Politiker bloß los?
Immer kommt nur der lapidare Satz „Verkehrssicherungspflicht“, man kann diesen Satz nicht mehr lesen und auch nicht mehr hören. Was über 50 Jahren keinem störte muss jetzt weg, auf biegen oder brechen.

Siehe angebliche Bahnsicherungspflicht Prora, Nationalpark Jasmund, für den Stahlkoloss von Göhren (Parkhaus) mussten die alten Buchen weichen. Auch in Sellin werden die alten Buchen gefällt, dass es nur so raucht und dann bekommt man von der Biosphäre diese Antwort:

„Im Rahmen der forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung wird derzeit durch den Flächeneigentümer hiebreifes Holz aus dem Bestand entnommen“. 

Geht es hierbei nur wieder um das liebe Geld?
Ein Nationalpark ist ein ausgedehntes Schutzgebiet, das meistens nur der natürlichen Entwicklung unterliegt und durch spezielle Maßnahmen vor nicht gewollten menschlichen Eingriffen und vor Umweltverschmutzung geschützt wird. In der Regel sind dies Gebiete, die ökologisch besonders wertvoll oder von herausragendem landschaftlichem Reiz sind und im Auftrag einer Regierung verwaltet werden. Sie werden oft auch als Erholungsgebiete und für den sanften Tourismus genutzt.

Die Definition eines Nationalparks ist nicht in allen Staaten gleich. Dennoch gibt es eine gemeinsame Idee: die Erhaltung großer, nicht durch menschliche Eingriffe veränderter Naturgebiete für die Nachwelt und als Symbol des nationalen Stolzes.

Zwischen Prora und Binz liegen die Massen toter Baumstämme

Alexandra* sang schon 1968:

"Mein Freund der Baum.
Mein Freund der Baum ist tot
Er fiel im fruehen Morgenrot
Du fielst heut frueh ich kam zu spät
Bald waechst ein Haus aus Glas und Steinen
dort wo man ihn hat abgeschlagen
bald werden graue Mauern ragen
dort wo er liegt im Sonnenschein..."

"Durchschnittlich filtert ein Hektar Wald jährlich rund 10 Tonnen Kohlendioxid. Wie viel ein einzelner Baum absorbieren kann, hängt von der Baumart, dessen Holzdichte und Alter ab. Eine 100 Jahre alte, circa. 35 Meter hohe Fichte mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern filtert 2,6 Tonnen CO2. Eine 120-jährige, 35 Meter hohe Buche Buche mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern speichert fast eine Tonne Kohlendioxid mehr. Grund ist deren höhere Holzdichte. Was den Sauerstoff angeht, so produziert eine 25 Meter hohe Buche in etwa so viel Sauerstoff, wie drei Menschen zum Atmen benötigen. Grundsätzlich gilt, dass Nadelbäume mehr Sauerstoff produzieren als Laubbäume und junge Bäume mehr als alte."
 
(Quelle: wissen.de Artikel)

Welchen Nutzen hat ein Baum? Wie viel Sauerstoff produziert ein Baum?

Eine ausgewachsene Buche, Eiche oder Kastanie bindet pro Jahr etwa 100 kg Staub (Feinstaub). Ein Hektar Buchenwald kann pro Jahr an die 50 t Feinstaub vertilgen. 200 bis 300 Liter Wasser werden von einem großen belaubten Baum am Tag verdunstet. Das kühlt die Umgebung und befeuchtet die Luft. Pro Tag bindet solch ein Baum etwa 13 bis 18 kg Kohlendioxid, das sind 5 bis 6 t pro Jahr, und produziert dabei 10 bis 13 kg Sauerstoff, also etwa 4 t Sauerstoff pro Jahr. Das entspricht etwa der Atemluft von 11 Menschen pro Jahr.

Übrigens, wer sich ein kraftstoffsparendes Auto mit 3,5l pro 100 Km Verbrauch kauft, der würde bei 10.000km Fahrleistung im Jahr grob gerechnet 1000 kg CO2 in die Luft pusten. Mit einem gepflanzten Laubbaum kann man schon recht gut sein ökologisches Gewissen beruhigen.

Jahrelang wird vom Klimaschutz gesprochen, da werden die Regenwälder abgeholzt und unsere Politiker schimpfen über diese Zustände, aber den Blick im eigenen Land haben sie verloren. Werte Verantwortlichen, seit gewiss, dass das Volk Eure Lügen nicht mehr glaubt.

Diese Bäume lassen sich nicht mehr "ankleben". Sie sind im Landschaftsbild der Insel verloren

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Der Beitrag wurde auch in der letzten Woche an verschiedene Zeitungen gesandt, um auf die gegenwärtige Entwicklung auf der Insel Rügen aufmerksam zu machen.

*) Die Sängerin Alexandra, eigentlich Doris Nefedov wurde am 19. Mai 1942 im ostpreußischen Heydekrug als Doris Wally Treitz geboren. Bekanntheit erlangte sie vor allem in der Mitte der 1960er Jahre mit Liedern wie "Mein Freund, der Baum..". Am 31. Juli 1969 starb Alexandra bei einem Autounfall. Ein Gedenkstein erinnert in dem Ort noch heute an die Sängerin. Im Jahre 1999 produzierte Marc Boettcher das Film-Porträt "Alexandra - die Legende einer Sängerin", einen Filmstreifen, den mehr als 12 Millionen Fernsehzuschauer sahen.


(Die von den einzelnen Autoren veröffentlichten Texte, Leserbriefe und Beiträge geben nicht die Meinung der Redaktion wieder)